So rein endokrin gesehen ist Anarchie wohl gerade der heiße Scheiß. Ich habs jetzt mit Ignoranz, neutraler Datenerhebung und externem, synthetischem Gegenschlag versucht – und alles, was ich erreicht habe, sind mattschwarze Sphären mit massiv-gravitativer Wirkung, die mich auf einen winzigen Punkt aus gleißender Dystopie reduziert haben – weitere Dys-* und Dis-* inklusive. Und ich mag das nicht.
Seit mehr oder weniger 6 Tagen fluten multiple Substanzen meinen Körper, von denen bei Schatz schon eine halbe Einzelsubstanz ausreicht, um ihn für 2 Tage ins Bett zu reduzieren. Ich löse stattdessen Sudokus und vergesse nur gelegentlich, wie ich eigentlich vom Schreibtisch zum Klo komme. Aber da ist die viel wesentlichere Frage, ob ich morgen noch weiß, dass ich es heute nicht wusste, besteht mein Erinnerungsvermögen doch gerade aus vielen geschwärzten Zeilen. Alternative Eskalationsreaktionen hätte ich aus reinem Effizienzgedanken heraus vorgezogen, aber offene Arme haben eine deutlich ausgeprägtere Halbwertszeit. Also sitze ich hier multifakoriell begünstigt in meinem zerflauschten Wochenende und habe Fragen.
Es ist Anfang Juni und plötzlich Sommer, obwohl doch eigentlich gerade erst Februar war. Ich komme nicht hinterher, also teilen sich Rosa und Grau gerade mein Gehirn. Der Parasit wirft auch etwas zu oft seine Fantasien in den zerebralen Raum und alle 3 zeigen sich nur wenig beeindruckt von 5/4 Glüxbärchi, obwohl es langsam an der Zeit wäre. Es nervt kolossal – weil es wieder Anfang Juni ist und ich gerne mal ein Jahr ohne bescheinigtenBrainfuck verbringen würde. Und weil ich nicht fühlen wollte, muss ich mir nun anhören, wie mir Emotionen die Ohren vollheulen. Und statt sich geordnet hintereinander aufzustellen und zu warten, bis sie an der Reihe sind, machen das natürlich alle auf einmal, so dass ich genau nichts verstehe. Und dann gucken sie wieder so.
Die Entflechtung meiner Leidensfähigkeit von der korrespondierenden –willigkeit erscheint mir enorm wichtig, um den leider nötigen verfrühten Feierabend nicht als persönliches Versagen zu werten, sondern den freien Nachmittag als genau das zu fühlen, was er sein soll. Zugegeben, ich bin selbst erstaunt, als nach neuem Framing am Ende sogar ein paar Prozent mehr auf meiner Akkuanzeige stehen – ein Grund mehr, meine verringerten Wochenstunden schlichtweg zu feiern.
Bekekst starte ich ins Wochenende, und auch wenn die Dosis dieses Mal dann doch zu hoch war, um es noch alltags(wochenend)tauglich zu nennen und finde den Effekt auf meine Synapsen am nächsten Tag einfach phänomenal. So müssen sich normale* Menschen fühlen, es ist einfach irgendwie aufgeräumter in meinem Kopf.
* gibt’s nicht, weiß ich. aber you know what I mean.
Der patriarchalgesellschaftlich vorinstallierte Keimling meines Selbstverständnisses ist wie zu erwarten beschämend gut mitgewachsen und trägt seine Früchte. Und auch, wenn ich ein paar Faule erkannt und reseziert habe, sind viele einfach derart verwoben mit meinem ganzen Sein, dass sie entweder nur mit großem Aufwand entfernt werden könnten oder sogar frei von jeder Infragestellung schlicht wuchern. Rosa mag dieses üppige Grün, weil es prima zum möglichst minimalistischen Ergebnis ihres Kontrollzwangs passt und zu widersprüchlich breitem in- wie externen Zuspruch führt, der nicht nur ihr schmeichelt.
Die als Akzeptanz getarnte Resignation gegenüber meiner mentalen Fluktuation manifestiert sich in anhaltender Therapiemüdigkeit und der Suche nach physiologisch beeinflussbare(re)n Faktoren, die gerade präperifuckmenopausal in Anarchie verfallen und dem wuchernden Ungetüm (siehe oben) als hochintensive Nährlösung dienen.
Der neonfarbene, penetrant blinkende Leuchtpfeil, der mein gesellschaftliches Stattfinden als Beendet erklärt, während mein Ablaufdatum gerade einmal Halbzeit ankündigt und eifrig ein Fähnchen mit der Aufschrift Feminismus! schwenkt, führt gemeinsam mit dem ganzen endokrinen Rotz zu Brainfuck, der seinesgleichen sucht.
Ich, weit entfernt von Erwachsen, in (m)einem einundvierzigjährigen Körper, der jetzt dann per Definition alt ist.
Es ist heller heute. Die Finsternis der letzten Tage war hart an der Grenze dessen, was ich zu ertragen noch bereit bin und schürt die Angst, den pharmakologisch möglichen Spielraum des Glüxbärchis irgendwann zu verlieren, weil ich nicht weiß, was ich dann tue. Also lautet mein Plan, noch eine Woche weiterzumachen und dann in Schritten auf die vorige Dosierung zu gehen – möglichst unbedunkelt. Und vielleicht sollte ich den Herrn Psychiater mal wieder treffen.