Weißes Rauschen in einem weißen Raum, ich mittendrin. Der Blick durch das Bullauge der Tür, über der die nur schwer zu entziffernde Inschrift Exit prangt, offenbart nur noch mehr Weiß in beängstigend gleichförmiger Unendlichkeit. Ich will dort nicht raus. Ich will nicht hier sein. Das Rauschen dröhnt unerträglich in meinen Ohren und ich kann weder mich selbst, noch irgendetwas sehen. Ich lechze nach Farbe. Rosa wäre schön.
Schlagwort: Alptraum
Widerstandskämpfer
Das Klinikgelände ist weitläufig. Die Wandermöglichkeiten außenrum noch viel mehr. Am Mittwoch komme ich lt. Handyschrittzähler und zusätzlich getrackter Spazierstrecke auf 10,3 Kilometer, am Donnerstag auf 13,3 und heute auf 11,8.
Dann habe ich Einzel. Zwei geradezu lachhaft winzige Spaziergänge darf ich – ohne, dass es jemand kontrollieren wird – bis zum nächsten Termin am Mittwoch machen. Einen am Wochenende, einen am Montag oder Dienstag. Nicht einmal 2 Kilometer, hin und zurück. Ich könnte heulen. Tue es aber nicht, und habe inzwischen heftige Kopfschmerzen vom nicht-heulen. Dafür verhandle ich seither sehr intensiv mit Rosa – darüber, ob ich meine Wanderschuhe heimschicke (natürlich nicht!), ob eine Fototour als unerlaubter Spaziergang zählt (quatsch!) und wann ich diese dann vielleicht machen könnte (Sonntagfrüh!). Weil, wenn sie schon brav Richtmenge essen muss, weil wir sonst fliegen, kann sie ja wohl wenigstens die neu gewonnene Energie – die auf dem Weg zwischen Magen und Muskeln irgendwo verpufft, so dass sich Körper bisher kaum anders fühlt als vorher – in Schritte investieren. Das klingt ziemlich logisch, finde ich. Und auch wenn Körper wenig Lust dazu hat, hüpft Rosa wie ein Flummi durch meine Gehirnwindungen, so dass die Resonanz in meinen Beinen und durch meinen Verstand summt. Undenkbar, diese Vorgabe einzuhalten – so die resignierte wie erleichternde Erkenntnis am Ende des Tages.
Innerhalb
Ich will ihn anschreien. Ihn schütteln, schubsen und all das vorwerfen, was er verbockt hat. Ihm die Unterschrift, die die große Lüge erst möglich gemacht, ja legitimiert hat, vor die Füße kotzen. Will all die Wut, die plötzlich wieder da ist, an ihm auslassen, gemein und verletzend sein, ihn hassen. Sagen, dass ich ihn nicht ertrage, eine Pause brauche, und gehen. Irgendwohin, nur weg, raus. Dass er sein als PTBS getarntes Selbstmitleid für sich behalten und es wie ein Mann ertragen soll.
Du. Hast. Es. VERBOCKT! Und es ist nicht nur monetär, sondern auch mental schlichtweg arschteuer. DEINE SCHULD!!! Und ein Problem, was ich ohne dich NIE gehabt hätte!
Aber ich tue es nicht.
Nicht, weil es aufgrund des Konstrukts einer Ehe so sein sollte.
Weil ich genauso gehandelt hätte.
Weil ich ihn verstehen kann.
Weil ich ihn liebe.
Kopflos
Gestern und heute ist mein Puls mal nicht auf weniger als 45 gefallen – zumindest wäre es mir nicht aufgefallen. Rosa findet das bedenklich, aber mit den Extrasystolen, die dafür häufiger waren, ist sie dann doch fast zufrieden. Ihr erklärtes Ziel besteht darin, so lange weiter zu machen, bis nichts mehr geht. Krankenhaus, Sonde, wasweißich. So genau verrät sie mir das nicht.
In Ermangelung anderweitiger kurz- wie langfristiger Ziele, abgesehen von der als nächstes anstehenden Sport-, Schlaf- oder Essensroutine, nehme ich es hin. Und wenn ich dabei den Eindruck erwecke, also wolle ich gerade nichts dagegen tun, dann ist er richtig, dieser Eindruck. Denn ich weiß nicht, wofür ich es tun sollte. Oder mit welcher Energie.
Auch Schatz spricht von Therapeutensuche, als ich ihm einen Hauch oberflächlicher Gedanken von mir eröffne. Aber ich habe keine Lust. Weder auf die Suche, noch auf die Warterei oder die wöchentlichen Termine. Wie ich mich fühle, fragt er mich. Ich weiß es nicht, sage ich, und gebe ihm damit die Ehrlichste aller Antworten.
Leere
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Strafanzeige
neinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinneinnein
Nein!
Doch.Freundliche GrüßeUnfreundliche Grüße
Grüße
Das Leben