Was mich nicht umbringt, macht mich …

…stärker // …wahnsinnig // …schlaflos // …verzweifelt // …fertig // …hilflos // …krank // …selbstschädigend //

Jemand, der von der Katastrophe weiß, sagte mir, er habe den Eindruck, sie habe mich stärker gemacht.
Ich frage mich, ob es wirklich so ist, oder ob ich nicht vielmehr meine ohnehin schon guten Fähigkeiten, Dinge zu verdrängen, einfach perfektioniert habe, um irgendwie weitermachen zu können. Oder ob mir manche Dinge einfach egaler sind, weil sie relativiert wurden durch all das. Beides, wahrscheinlich, so dass andere es mit Stärke verwechseln, während ich mein Aufrecht-stehen zu einem nicht unerheblichen Teil aus dem Gedanken ziehe, nicht alles überleben zu müssen.

Nach aktuellem Stand der Katastrophe denke ich: wir sind am Arsch. Wir haben nichts getan, können aber genau das nicht beweisen. Die Anderen das Gegenteil auch nicht, aber wir sind am Ende die, die verlieren werden. Ich habe eine Scheißangst. Klar, ich kann sie beiseite schieben und ein einigermaßen funktionales Leben führen, aber ist das Stärke?
Ist es Stärke, wenn ich bei alltäglichen Katastrophen Kleinigkeiten denke, ist doch egal, machen wir’s so und sehen, was passiert?
Ist es Stärke, das Sehnen nach SV zu ignorieren, um für Schatz stark zu wirken?
Ist es Stärke, restriktiv zu Essen, um wenigstens das Gefühl von Kontrolle zu haben?
Ist es Stärke, die eigene Verzweiflung zur Seite tu schieben und einfach weiterzumachen?
Ist es Stärke, die so verdammt intensiven spärlichen Gefühle auszuschalten und stattdessen reizbar, unkonzentriert und orientierungslos zu sein?
Ist es Stärke, sich jeden Abend Alkohol zu wünschen und ihn sich nur aus Angst vor einer Sucht noch oft genug zu verweigern?

Ist es Stärke, stark zu sein – um jeden Preis?

Dunkelschwarz

Ich will wegrennen. Loslassen.
Ich bin mir sicher, würde ich loslassen, meine Selbstkontrolle nur eine Sekunde aus den Augen lassen, würde ich in der Psychiatrie enden. Und es klingt so verlockend. Die Verantwortung abgeben, mich um nichts kümmern müssen. Durchdrehen, wann immer ich will.
Wegrennen klingt ebenfalls gut. Ein paar Sachen packen und untertauchen. Zur Ruhe kommen. Einen Weg finden, mit der Unsicherheit des laufenden Verfahrens – der Katastrophe – zu leben.
Aber ich habe Verpflichtungen. Persönliche. Berufliche. Finanzielle. Vorallem finanzielle. Da kann ich nicht einfach abhauen, es würde alles nur noch schlimmer machen.
Falls das geht.

Das ist alles so … absurd. Falsch. Unfair. Wie ich dabei nicht zusammenbrechen soll, ist mir ein Rätsel. Kann man so etwas überhaupt aushalten? Ohne zu schreien, zu heulen, wegzurennen, sich zu verletzen oder zu beschließen, dass es genug war?

Ich will das alles nicht. Aber jedes Mal, wenn ich aufwache, muss ich feststellen, dass der Albtraum keiner war, sondern sich Leben nennt.

Still.Stand.

In Filmen gibt es manchmal diese Szenen, dass der Protagonist in einer Menschenmenge steht und alles ganz schnell abläuft, während er still in der Mitte steht. So fühle ich mich gerade. Alles rundherum verschwimmt, passiert, während ich da stehe und versuche, irgendwie das Chaos in meinem Kopf zu sortieren und den Anschluss nicht zu verlieren – was beides nicht so richtig gut funktioniert.

Ich habe sehr schlecht geschlafen. Kopfschmerzen kommen und gehen in Wellen. Ich kann nicht richtig denken, alles ist so … chaotisch. Ich habe mich krank gemeldet und kämpfe mit meinem schlechten Gewissen, wie ich es immer tue in solchen Situationen. Dabei wäre die Stunde Autofahrt heutefrüh wirklich nicht sinnvoll gewesen, das sehe ich sogar ein. Trotzdem. Hätte mir ja auch einfach frei nehmen können, Stunden habe ich ja genug.

Zusätzlich habe ich gerade nicht das Gefühl, Schatz sonderlich unterstützen zu können, weil ich viel zu sehr damit beschäftigt bin, um mich selbst zu kreisen. Dabei passiert all das ihm, ich bin nur eine Randfigur.

Die Katastrophe ist nicht vorbei. Aber mein Leben fühlt sich gerade so an.

°

„Was willst du?!“
Die Worte (nein, Schreie, verbesserte sie sich in Gedanken) donnerten durch den Raum und hallten so laut in ihrem Kopf wider, dass sie zunächst Mühe hatte, sie überhaupt als solche zu identifizieren, geschweige denn, ihnen einen Sinn abzugewinnen. Das Dröhnen in ihren Ohren ließ nur langsam nach, und die darauffolgende Stille war beinahe lauter und unangenehmer als die Worte zuvor, die so unvermittelt die Zeit zerschnitten hatten, scharf wie eine Rasierklinge. Eine unangenehme Pause, die sie sich dennoch nicht zu unterbrechen traute.
„Was?!“
Ein einzelnes Wort, eine nahezu anklagende Frage, zermalmte erneut die Geräuschlosigkeit. Noch lauter als zuvor, aber auch eine Spur … verzweifelter? Sie spürte, wie die mühsam zurückgehaltenen Emotionen dennoch in den Worten mitschwangen und ihnen weit mehr Bedeutung verliehen, als die reine Heftigkeit, mir der sie ausgesprochen wurden, auch nur erahnen ließ. Wieder war die Stille so viel lauter, als es Worte je sein konnten.
„…bitte…“
Beinahe hätte sie es überhört so leise war es ausgesprochen worden. Die flehende Verzweiflung, die in diesem Flüstern lag, zerriß ihr das Herz. Tränen stiegen ihr in die Augen, als sie begriff, wie sehr sie sich eine Antwort erhoffte.
Stille.

Heul doch!

Mein kleiner Nervenzusammenbruch kam einen Tag früher als gedacht; denn unser heute anstehender Termin, auf den wir so lange gewartet hatten, wurde gestern mittag auf Anfang Februar verschoben. -.-

Ich fühle mich immer noch wie betäubt, weiß garnicht, was ich denken soll. Gesternabend, als ich heimkam, habe ich mich betrunken und Schatz vollgeheult. Schlafen konnte ich kaum. Hunger ist mal wieder weg.
Mein spontaner Plan gestern, den eh schon freigenommenen Tag heute in der Therme zu verbringen, scheitert nicht nur am Schneegestöber, sondern vorallem an meiner Unlust. Atmen ist anstrengend genug. Hätte mein Rücken nicht nach 13 Stunden im Bett gestreikt, wäre ich wohl weiter liegen geblieben. Augen zu und abwarten, dass es 8 Wochen später ist.

Also von vorne. Mich weiter wie ein Zombie fühlen, meine Gefühle vergraben, damit sie mich nicht überwältigen, und irgendwie die nächsten Wochen überstehen. In Gedanken Leute anschreien, heulen, wüten, um mich schlagen – und außen lächeln und winken. Ich weiß nicht, wie ich weiter meinen Job machen soll. Ich kann mich nicht konzentrieren, und ich will verdammt nochmal die Verantwortung gerade einfach nicht mehr tragen müssen.

FUCK.

Gläsern

Direkt unter meiner Haut, die jeden Tag dünner wird, bin ich aus Glas und von tausend Sprüngen durchzogen. Nicht nur, weil ich mich gerade erst wieder einigermaßen funktional zusammengesetzt hatte, sondern weil der Druck langsam in bedrohliche Höhen steigt. Jeden Tag höre ich es knirschen, wenn ein neuer Riss entsteht. Jeden Tag versuche ich, durch Anspannung und innere Kontrolle dagegen zu halten. Und jeden Tag wird es schwieriger.

Eine Woche noch. Heute in einer Woche ist dieser so wichtige Termin, an dem sich unser weiteres Schicksal entscheidet. Ich könnte schreien und heulen, weil immer mehr der hypotetischen Gefühle in mir toben. Aber ich weiß, wenn ich jetzt nachgebe – und wenn es nur ein klitzekleines bisschen ist – werde ich bersten. In millionen Splitter zerspringen, von denen mich mehr als einer schwer verletzen könnte wird. Ein Scherbenhaufen, den ich nicht binnen einer Woche wieder zusammensetzen kann.

Also gebe ich nicht nach. Und lasse die Angst Gewissheit, dass ich – egal, wie es ausgeht – nächsten Mittwoch implodiere, unbeachtet.