Unwichtig

Aus der Ferne könnte man es glatt mit Arbeitseifer und Verantwortungsbewusstsein verwechseln, dass ich mich für heute, an meinem regulär freien Freitag, dazu bereit erklärt habe, ab Mittag für ein paar Stunden zu arbeiten. Gestern hielt ich es selbst dafür.
Heute dagegen weiß ich, dass es aus der Nähe betrachtet wieder nur zum bekannten Schema passt. Mögt mich! Findet mich toll! Alle, bitte. Dann muss ich mir selbst nicht die Arbeit damit machen.

Into Darkness

Gut, der Titel ist vielleicht zu dramatisch gewählt, aber er gefällt mir. Denn auch, wenn die Tage okay bis gut sind und ich besonders heute über die Mühelosigkeit staune, mit der ich Sport, Einkaufen, andere Erledigungen und den Haushalt schmeiße – woran vor einigen Wochen nicht einmal zu denken gewesen wäre -, sind es die Abende, an denen sich zeigt, dass ich eben nicht geheilt bin, sondern nur bis zu einem gewissen Grad symptomfrei.
Wenn es Abend wird, sind die Cravings zurück. Nach Alkohol, nach Klingen, nach wie-auch-immer-induziertem Rausch. Der zweifelhafte Vorteil der ES ist, dass Alkohol aufgrund der Kalorien und SV aufgrund des Sports nicht näher in Betracht gezogen werden kann. Bleibt mir also nichts anderes übrig, als über die zugrunde liegenden Bedürfnisse nachzudenken und sie zu verstehen.
Am Montag startet meine Wiedereingliederung. Ich weiß noch nicht, wie ich das finde, aber dass beim näheren drüber Nachdenken auch Alkohol noch einmal an Attraktivität gewinnt. Deutlich.

Bestandsaufnahme

Müdigkeit wogt durch meinen Kopf. Draussen zwitschern die Vögel in der Frühsommersonne. Mein Ohrgeräusch zwitschert mit und wird für einen Moment so laut, dass das Vogelzwitschern in den Hintergrund tritt. Mein Kiefer ist verspannt.
Ich betrachte das vergangene Wochenende voller Reden, Wandern, Sonne, Erleben und Geselligkeit und frage mich, ob es mir gut geht. Oder nicht.
Am Wochenende ging es mir gut, denn zum Denken hatte ich keine Zeit. Eindrücke aufsaugen in der Natur und in Gesprächen, unterwegs sein, abends gemeinsam essen und spielen.
Jetzt ist da ein Uff! in meinem Kopf, weil es so viel war und ich zwischendurch keine Zeit hatte, alles zu verarbeiten und zu sortieren. Und natürlich die Frage, die ich mir nach solchen Tagen immer stelle. Die, ob ich mich bloß anstelle.
Dass ich einfach dem Ist etwas Raum geben könnte, auf die Idee komme ich garnicht erst. Oder erst jetzt gerade. Ja, ich bin müde. Ja, mein Ohrgeräusch ist da. Ja, mein Kiefer tut weh, weil ich die Zähne mal wieder aufeinanderpresse, ohne es zu merken. Ja, ich zähle die Tage – ich weiß nur nicht, welche genau.

70 – Ein Anfang

Ich (ver-)zweifle an meinem Leben. Weil es keins ist, sondern ein Schauspiel, in dem ich mitwirke und genau das tue, was von mir erwartet wird. Aber wenn der Vorhang fällt und ich alleine bin, oder daheim keine Rolle zu erfüllen habe, geht auch das Licht aus, und ich sitze im Dunkeln. Überlege, ob das alles ist, oder da noch mehr sein könnte.
Seit inzwischen 15 Jahren läuft das so, und es kotzt mich einfach nur noch an. Ich will mein Leben wiederhaben.

Ein Anfang.

Für den Urlaub habe ich mir etwas vorgenommen: reden. Mit Schatz und mit unseren Freunden. Nicht mit allen, aber für den Anfang mit Zweien. Ich hoffe, ich kann mich dazu durchringen, und ehrlich sein. Damit meine ich, auf die Frage, wie es mir geht, nicht mit meinem üblichen „Basd scho“ zu antworten, sondern tiefer zu gehen. Kein „Basd scho“, kein automatisches Lächeln und ablenken, sondern reflektieren und sagen, was gerade wirklich los ist. Auch wenn da im Hinterkopf der Gedanke ist, zu übertreiben, oder dass mein Gegenüber dann etwas schlechtes über mich denken könnte. Und wer weiß, vielleicht ergeben sich dann im Gespräch neue Perspektiven, die mich tatsächlich weiterbringen.

Für mich stellt das eine riesen Herausforderung dar. Ich habe das Reden verlernt in den letzten 15 Jahren, stattdessen habe ich tausende von Unterhaltungen nur in meinem Kopf geführt und bin nur immer wieder an meinen eigenen Grenzen gescheitert.

Reden.

Vielleicht Hoffentlich ein Weg zu mehr Akzeptanz meiner Gefühle und der Reflektion über die Angemessenheit, die die anderen Perspektiven bieten.