If your world falls apart, I’d start a riot

Die Katastrophe. 5 Monate und 4 Tage sind vergangen. Und es brennt immernoch.

Stell dir vor…

Jemand dreht dir aus über 1 1/2 Jahrzenten Vertrauen einen Strick.
Jemand wirft dir etwas vor, was du nicht getan hast.
Jemand setzt dich so lange fest, bis du dein eigenes Todesurteil unterschreiben würdest.
Jemand lässt dich dein Todesurteil unterschreiben.
Jemand verletzt deine Privatsphäre.
Jemand drängt dich in eine Ecke.
Jemand zwingt dich in einen absurden Rechtsstreit, dessen Ausgang offen ist.
Jemand zerstört dein bisheriges Leben und zündet die Trümmer an.
Jemand betrachtet dich bloß als Kolateralschaden.
Jemand will deine Existenz vernichten.

Und jetzt stell dir vor…

Jemand meint es ernst. Und es wäre deine Existenz.

Genau genommen ist all das meinem Mann passiert. Ich bin nur zufällig seine Frau. Und vielleicht ist es ein Fehler, all das so nah auch an mich heran zu lassen. Aber vielleicht ist genau das der Grund, warum unsere Beziehung nicht nur funktioniert, sondern so wundervoll ist. Weil ich es persönlich nehme, wenn jemand Schatz bedroht.
Aber ich kämpfe an zwei Fronten. Gegen diesen Jemand, der uns alles nehmen will. Und gegen mich selbst, meinen Kopf, meine Gedanken, meine Hilflosigkeit, meine Müdigkeit.
Jemanden kann und werde ich nicht gewinnen lassen. Bleibt abzuwarten, wieviel für die zweite Front übrig bleibt.

100 – Dickicht

Die letzten Beiträge gingen nun doch immer sehr Richtung Tagebuch oder inflationären Gedankensalat. Meinen einhundertsten Beitrag (genau genommen ist es der einhundertunderste, weil ich einen nicht mitgezählt habe) möchte ich zur Reflektion nutzen – und als Ankündigung, künftige Beiträge nicht mehr zu nummerieren 😉

Therapie-Ende

Das nahende Ende der Therapie beschäftigt mich mehr, als ich es gedacht oder erwartet hätte. Fünf Sitzungen sind noch übrig, eine weitere ist dann nach einem halben Jahr “ohne“ geplant.
Wir sind auf einen zweiwöchigen Abstand gegangen, vorher war es einmal die Woche – schon diese Ausdehnung macht es mir schwer, weil ich über manche Dinge dann zwei Wochen nicht reden kann. Ich fühle mich beinahe verzweifelt bei der Suche nach einem Ersatz dafür und frage mich gleichzeitig, ob ich mein Therapie-Ziel überhaupt erreicht habe, wenn ich so etwas suche.
Über meine vergebliche Suche nach einer Selbsthilfegruppe schrieb ich bereits. Freunde, mit denen ich über diese Dinge reden könnte (und möchte), habe ich nicht. Mit Schatz möchte ich manches ebenfalls nicht besprechen, und bei meiner Familie … da mache ich wohl mal einen separaten Beitrag.
Eine Variante wäre vielleicht noch, die SHG in der Nachbarstadt mal zu besuchen, um dort Kontakte für eine Bekanntschaft oder Freundschaft im näheren Umfeld zu finden.
Ich habe mich über Facebook noch aus einer recht spontanen Laune heraus bei einer geschlossenen Gruppe zu Depression und anderen psychischen Krankheiten angemeldet, aber da fühle ich mich am ersten Tag meiner Freischaltung schon von der Masse an Beiträgen überfordert, und außerdem habe ich dort wieder die irrationale Angst, wegen meines Klarnamens von irgendwem gefunden zu werden, der es besser nicht getan hätte. Sehr wahrscheinlich werde ich noch heute wieder austreten – ich kenne mich.

Und jetzt?

Eine Frage, die ich mir dauernd stelle. Was passiert jetzt, wie mache ich weiter, wo ist mein Fokus? Wer bin ich, und wie soll es weitergehen?
Ich hatte nie einen Master-Plan fürs Leben. Ich bin niemand, der sagt, in fünf Jahren möchte ich Dieses und Jenes erreicht haben. War ich noch nie. Mein Leben ergibt sich, und das ist auch vollkommen okay so.
Trotzdem fühle ich mich gerade perspektivlos. Die Therapiestunden sind immer ein kleiner Anker. Und die Gedanken an die nächste Stunde und die (viel zu oft viel zu intensive) Beschäftigung mit mir selbst ist ein Teil meines Lebensinhaltes.

Ausgefüllt

Das wird es wohl sein. Mein Leben braucht Sinn, Inhalt. Beim Sinn denke ich garnicht an große Dinge, sondern an sehr egoistischen, aber vielleicht trotzdem gesunden Sinn, wie Zeit mit den mir wichtigen Menschen verbringen, schöne Dinge entdecken, fotografieren – leben halt. Am Inhalt könnte es scheitern. Weil zu viel Inhalt mich überfordert und überlastet, und zu wenig dazu führt, dass ich ungesund viel Zeit allein mit meinen Gedanken verbringe. Also muss ein Mittelweg her. Den zu erarbeiten sollte ich wohl, und das kommt mir gerade erst, während ich hier schreibe und bestätigt so meinen Reflektionsgedanken, mit meiner Therapeutin noch als gemeinsames Ziel der letzten Stunden definieren.

90 – Paralleluniversum

Meine Depression ist ein Paralleluniversum, dass mich umschließt und überall hin begleitet. Ich bewege mich in der Welt der Anderen, aber niemand kann sehen, dass ich kein echter Teil dieser Welt bin. Wie eine unsichtbare, aber für mich deutlich spürbare Blase umhüllt sie mich – trübt die Farben und das Licht, während sie meine Energie raubt. Mich und die Anderen trennt eine ganze Dimension, die nicht fassbar ist. Wie ein Stück stoffliche Dunkelheit, allgegenwärtig.

Die Trennschicht, die zwischen mir und der Welt der Anderen liegt, ist manchmal unendlich und unüberbrückbar.
Vor einigen Tagen aber bildete sich ein Riss, der mir die ungetrübte Sicht ermöglichte. Auf eine bunte Welt, und den Abgrund am Rande der aufeinanderprallenden Dimensionen. Dieser Riss, der zunächst von einer ganz eigenen Energie auseinandergetrieben wurde, ist nun ein fragiler Zustand der Verbindung zweier Welten. Er braucht Energie, um sich nicht allmählich wieder zu verschließen und mich in sein Innerstes zu ziehen. Ein Schwebezustand, zwischen den Welten, zwischen den Kräften, die dort herrschen.

Ein Versuch, meine Gefühle zu beschreiben, die mich hin- und herreißen zwischen dem vertrauten Dunkel und dem fremden Bunt. Wenn die einfache Entscheidung die falsche ist…

83 – Einfach mal was verrücktes machen. Feierabend zum Beispiel.

Feierabend war die letzten Jahre ein abstrakter Begriff ohne tiefere Bedeutung für mich. Klar, irgendwann verließ ich das Büro und fuhr Heim, aber mein Kopf war unter der Woche (und oft genug auch am Wochenende) weiter mit Gedanken an die Arbeit beschäftigt. Wie sehr, merke ich seit genau 3 Tagen. Seit ich Feierabend lebe.

Jemand hat den Grauschleier entfernt

Am Montag, nach meiner Rückkehr aus dem Urlaub, fiel es mir urplötzlich auf. Und jetzt hat mein Feierabend Farbe.
Vorher war er grau und schwer, ich fühlte mich erschlagen und hätte schon beim Abendessen schlafen können. Ich wollte nur noch ins Bett, auch, damit die Gedanken aufhören (als hätten sie es je getan – Schlafstörung lässt grüßen). Der Abend als solcher war nur die kurze Pause zwischen zwei Arbeitstagen, die nichtmal zum Luftholen reichte.
Und seit Montag ist es anders. Ich sage mir laut “Feierabend!“ vor, wenn ich das Gebäude verlasse, denke bewusst an Dinge außerhalb der Arbeit und merke schnell, wenn ich doch ins alte Muster falle und lasse die Gedanken ziehen, denke an etwas anderes.

Der Unterschied könnte größer nicht sein. Ich habe Energie, kann (etwas) länger aufbleiben, bin bewusst zuhause und genieße die freie Zeit, die sich jetzt schon fast nach Leben anfühlt.

Das Ende einer Jahre dauernden depressiven Phase?

Am Montag war ich nach der Arbeit derart energiegeladen, dass es mich überforderte. Ich dachte (kurz) an Selbstverletzung, weil ich das Gefühl hatte, keine Kontrolle zu haben und zu viel durch meinen Kopf strömte, als würde dort ein Gummiball umherspringen.
Dieses fast manisch anmutende Gefühl hat sich weitgehebd gelegt, aber der Feierabend – und ein kleines bisschen entspannteres Arbeiten, weil ich auf mich Rücksicht nehme – ist geblieben.

Ist das das Ende meiner depressiven Episode? Ich weiß es nicht, aber egal wie die Antwort lautet, ich habe Angst davor.
Weil ein Nein einen Rückfall in das altbekannte Loch bedeutet, mit einer Idee, wie es oben sein könnte.
Weil ein Ja unbekanntes Terrain bedeutet, dass ich seit Jahren nicht mehr betreten habe.

77 – Möbius?

Meine zweite Therapie endet bald, ich habe nichtmal mehr zwei handvoll Stunden übrig – Zeit für einen Rück- und Ausblick.

Der Anfang.

Meine erste Therapie (die ich viel zu spät, nämlich erst 2014 begann, aber das ist eine andere Geschichte) war tiefenpsychologisch. Hilfreich, um mich besser zu verstehen und die Vergangenheit, die mich zu dem Zeitpunkt wieder sehr stark belastete, aufzuarbeiten. Aber irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich das Gefühl hatte, meine Therapeutin zu langweilen. Das sagte ich ihr – und auch, wenn sie versuchte, mich vom Gegenteil zu überzeugen, war ein Bruch entstanden, der mich das Ganze vorzeitig beenden ließ.
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