100 – Dickicht

Die letzten Beiträge gingen nun doch immer sehr Richtung Tagebuch oder inflationären Gedankensalat. Meinen einhundertsten Beitrag (genau genommen ist es der einhundertunderste, weil ich einen nicht mitgezählt habe) möchte ich zur Reflektion nutzen – und als Ankündigung, künftige Beiträge nicht mehr zu nummerieren 😉

Therapie-Ende

Das nahende Ende der Therapie beschäftigt mich mehr, als ich es gedacht oder erwartet hätte. Fünf Sitzungen sind noch übrig, eine weitere ist dann nach einem halben Jahr “ohne“ geplant.
Wir sind auf einen zweiwöchigen Abstand gegangen, vorher war es einmal die Woche – schon diese Ausdehnung macht es mir schwer, weil ich über manche Dinge dann zwei Wochen nicht reden kann. Ich fühle mich beinahe verzweifelt bei der Suche nach einem Ersatz dafür und frage mich gleichzeitig, ob ich mein Therapie-Ziel überhaupt erreicht habe, wenn ich so etwas suche.
Über meine vergebliche Suche nach einer Selbsthilfegruppe schrieb ich bereits. Freunde, mit denen ich über diese Dinge reden könnte (und möchte), habe ich nicht. Mit Schatz möchte ich manches ebenfalls nicht besprechen, und bei meiner Familie … da mache ich wohl mal einen separaten Beitrag.
Eine Variante wäre vielleicht noch, die SHG in der Nachbarstadt mal zu besuchen, um dort Kontakte für eine Bekanntschaft oder Freundschaft im näheren Umfeld zu finden.
Ich habe mich über Facebook noch aus einer recht spontanen Laune heraus bei einer geschlossenen Gruppe zu Depression und anderen psychischen Krankheiten angemeldet, aber da fühle ich mich am ersten Tag meiner Freischaltung schon von der Masse an Beiträgen überfordert, und außerdem habe ich dort wieder die irrationale Angst, wegen meines Klarnamens von irgendwem gefunden zu werden, der es besser nicht getan hätte. Sehr wahrscheinlich werde ich noch heute wieder austreten – ich kenne mich.

Und jetzt?

Eine Frage, die ich mir dauernd stelle. Was passiert jetzt, wie mache ich weiter, wo ist mein Fokus? Wer bin ich, und wie soll es weitergehen?
Ich hatte nie einen Master-Plan fürs Leben. Ich bin niemand, der sagt, in fünf Jahren möchte ich Dieses und Jenes erreicht haben. War ich noch nie. Mein Leben ergibt sich, und das ist auch vollkommen okay so.
Trotzdem fühle ich mich gerade perspektivlos. Die Therapiestunden sind immer ein kleiner Anker. Und die Gedanken an die nächste Stunde und die (viel zu oft viel zu intensive) Beschäftigung mit mir selbst ist ein Teil meines Lebensinhaltes.

Ausgefüllt

Das wird es wohl sein. Mein Leben braucht Sinn, Inhalt. Beim Sinn denke ich garnicht an große Dinge, sondern an sehr egoistischen, aber vielleicht trotzdem gesunden Sinn, wie Zeit mit den mir wichtigen Menschen verbringen, schöne Dinge entdecken, fotografieren – leben halt. Am Inhalt könnte es scheitern. Weil zu viel Inhalt mich überfordert und überlastet, und zu wenig dazu führt, dass ich ungesund viel Zeit allein mit meinen Gedanken verbringe. Also muss ein Mittelweg her. Den zu erarbeiten sollte ich wohl, und das kommt mir gerade erst, während ich hier schreibe und bestätigt so meinen Reflektionsgedanken, mit meiner Therapeutin noch als gemeinsames Ziel der letzten Stunden definieren.

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