Dekompensation

Introducing Ratio.
Ratio ist der Teil von mir, der meist mit hochgezogen Augenbrauen neben mir steht und mich fragt, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe. Wenn ich überhaupt antworte, dann, dass ich mich nicht traue, nachzuschauen.
Auch wenn sie sich – wie ich auch – eigentlich immer fragt, °was würde ein:e Erwachsene:r jetzt tun?°, hat sie doch ein durchaus vernünftiges Wesen – aber kein wirkliches Durchsetzungsvermögen. Daran hat die Klinik nichts geändert, auch wenn sie da verdammt viel gelernt hat und mich dauernd damit nervt.
Also spiele ich nicht mehr mit ihr und schubse stattdessen lieber Rosa auf der Schaukel an und spendiere dem Parasit Förmchen für den Sandkasten.

Äquilibrium

Kannste schon so machen, dann wirds halt kacke sagt Rosa und behält natürlich Recht.

Ich habe Rosa, den Parasit und die nicht näher definier- wie fassbaren Schatten diverser Anderer an den runden Tisch zitiert. Lagebesprechung.
Lage? Schief. Ziemlich schief. Sage ich und schon reden wieder alle wild durcheinander, was mir und der Lage nicht wirklich weiterhilft. Überfordert und überreizt ist mein Impuls, mir einfach die Augen und Ohren zuzuhalten – omg, es wäre so viel einfacher. So viel leichter. Aber wir würden am Ende halt doch wieder allesamt auf der Fresse liegen. Auch irgendwie doof.
Also blinzle ich mit einem Auge in das wirre Durcheinander, aber weil alle meine nur so semi vorhandene Motivation riechen können, fühlt sich natürlich niemand von meinem ach bitte, vielleicht könnten wir…? so richtig angesprochen.
Der Parasit ist der Überzeugung, sich nach der pandemisch äußerst fragwürdigen beruflichen Veranstaltung morgen anschließend wieder aktiv an mir beteiligen zu können. Rosa hält sich für die einzige Möglichkeit, die Zeit bis dahin zu überstehen – und auch darüber hinaus.
Beide wollen mich auf ihre Weise schützen – und wenn es das Letzte ist, was sie tun – und sehen nicht, dass ich das gleiche versuche.
Die Lage? Immernoch schief. Immer noch ziemlich schief.

Overload

Mir deucht, es könnte gerade die ein oder andere Baustelle zu viel in meinem Leben sein.
Orange. Die enthusiastisch an etwas arbeitet, was auf dem Papier ganz wunderbar aussehen, in echt aber voll gegen die Wand fahren wird – was sie ziemlich genau weiß, weshalb sie mindestens zur Hälfte auch resigniert und genervt ist.
Rosa. Die weder will, noch tut, was ich von ihr möchte, geschweige denn, was vernünftig und zukunftsfähig wäre.
Der Parasit. Der nach wie vor an meinen blanken Nerven nagt und instinktgetrieben meine Autorität untergräbt.
Körper. Der munter vor sich hin funktioniert – nur nicht so, wie er soll.
Ich. Die ich an der Unsicherheit der Welt im Allgemeinen wie meiner im speziellen zu verzweifeln drohe, weil es einfach genau Nichts gibt, was noch verlässlich scheint.
Orange, Rosa, der Parasit, Körper, das bisschen Rest-Ich und mein Chef, die alle bitte gerne meine ungeteilte Aufmerksamkeit hätten, rupfen an mir herum und ich stehe da und zerreiße langsam.

Euphemismen

Da ist es wieder, dieses nasse Wühlen in meinem Inneren. Etwas sucht. Der Parasit sucht, ohne sich dazu zu äußern, was eigentlich genau. °Klingen° wispert er kaum hörbar zwischen schmatzendem Umherwinden. °Ich weiß, wo sie liegen° flüstere ich sehnend zurück.
Körper hätte gerne Urlaub, so wie Orange gerade. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass er dann garnichts damit anzufangen wüsste und nur rumliegen würde. So wie heutefrüh, als es einer Menge guten Zuredens braucht, um ihn zum Aufstehen zu bewegen. Ich frage mich echt, was er von mir will. Jedenfalls nichts, was Rosa und ich ihm gerade zu geben bereit sind. Anstellerei.

Ich bin mir nach wie vor uneins darüber, ob mir Grün bloß Karotten vor die Nase hält, denen ich blind folge und dabei den Blick für den Weg, auf dem ich mich dabei befinde, aus den Augen verliere. Aber hey. Möhrchen!