Ich kann mich an jede einzelne Komponente meines Abendessens erinnern. Die Aubergine aus dem Ofen. Den Salat aus unserem Garten mit Galiamelone, Dill und Bockshornkleesprossen. Das Brot, einmal nackt, einmal mit veganem Aufstrich und einmal mit Hüttenkäse, Senf und Kresse. Und dem winzigkleinen Streifen Almkäse direkt vom Erzeuger, den ich erst geschlagene fünf Sekunden angstarre, bevor ich ihn von Schatz annehme und ihn auch auf mein Brettchen lege.
Ich weiß auch, wie ich alles esse und wie es schmeckt. Die Aubergine. Der Salat. Das Brot. Den Käse dagegen hat mein Gehirn gelöscht. Ich weiß, wie ich ihn in die Hand nehme. Und wie ich anschließend das nackige Brot esse. Und wie es schmeckt. Dazwischen? Nichts. Deleted.
Wenigstens zickt Rosa dann nicht so rum.
Schlagwort: Magersucht
Erwähnenswertes
.kein Pflaster
.keine Notwendigkeit für eines
.eine seit 1 1/2 Wochen auch an Schatz kommunizierte Kaloriensteigerung
.Rosa, die sich freut, dass es dennoch zu wenig sein und weiterhin hübsch kontrolliert wird
.ich, die ich den wahrscheinlich bloß zyklisch bedingten Fast-Stillstand auf der Waage kritisch beäuge
Anastomose
Ich bin irritiert. Die Diskussion, die keine war, klingt noch nach in meinem Kopf, als ich plötzlich rede. Mich öffne, wenn auch nur eine Winzigkeit, aber seit langem erstmals wieder im nicht selbstschädigenden Sinne. Dabei bin ich nicht mal betrunken. Was mich zusätzlich erstaunt. Und Angst macht. So viel.
Vielleicht ist es das Verständnis, auf das wir stoßen, dass Rosa und den Parasit perplex verstummen lässt. Und nicht nur mein, sondern auch Schatz‘ Zugeständnis, dass niemand jetzt gleich und für immer weg muss, niemand zum Gehen gezwungen wird, sondern dass Babyschritte okay sind. Und wir einfach schauen, wie sich die Dinge entwickeln, wenn ich nur ein ganz bisschen mehr Verbindung zulasse.
Scheiße, ist das gruselig.
Meta
Ich wollte das in Ruhe mit den Beiden diskutieren. Mit Rosa die Tatsache, dass dreistellige Tagesbilanzen dann echt ein bisschen arg wenig sind und mit dem Parasit, dass die Pflaster am Arm bei dem Wetter auf Dauer blöde weiße Flecken hinterlassen. Allerdings sind beide nicht besonders sachlich und finden meine gar nicht so wenigen Argumente nur so semi.
Also gut. Unsachlich kann ich auch.
Aber es endet dann doch nur damit, dass wieder einmal darüber nachdenke, nachdenken zu müssen. Und endlich reden sollte, ich aber keinen Schimmer habe, wie ich das anstellen soll, ohne dass ich die beiden vorher Genannten gemeinsam mit meinen Hemmungen unter den Tisch trinke.
Abnorm
°Triggerwarnung°
Manche Entscheidungen müssen einfach getroffen werden. Nicht, weil man sich für oder gegen etwas entscheiden will, sondern weil… Weil halt. Und so entscheide ich mich. Suche nicht weiter nach ambulanten Therapeuten, halte Rosa weiter ein bisschen zu viel an der einen Hand und den Parasit an der anderen. Ich habe keine Lust mehr darauf, zu Warten und gehe stattdessen langsam, aber beständig, rückwärts, während ich versuche, es nach Babyvorwärtsschritten aussehen zu lassen. Auch für mich. Besonders für mich.
Zu sagen, es hat sich verselbstständigt, wird der Sache irgendwie nicht gerecht. Aber anders kann ich trotzdem nicht erklären, warum ich seit nunmehr fast 5 Wochen außerhalb der Klinik die Tage, an denen ich kein Pflaster an teilweise deutlich mehr als das verlangenden Wunden am Arm habe, im einstelligen Bereich ansiedeln muss.
Dabei bin ich meine eisenmangelbedingten Restless-Legs gerade munter vor mich hin supplementierend losgeworden, als heute wieder einmal ein Upsmoment unter der Dusche entsteht, der so nicht ganz geplant, aber auch nicht unwillkommen ist. Tiefschürfend.
Perikarp
Also ein bisschen nervt mich ja die Professionalität, die Orange so wiedereingliedernderdings an den Tag legt. Der Punkt ist, sie glaubt tatsächlich den Kram, den sie da erzählt. Meistens zumindest. Wenn zwischen einem Es geht mir besser, ich habe viel gelernt und arbeite daran, dass es so bleibt oder auch noch besser wird und einem Natürlich kümmere ich mich darum, kein Ding dann aber kein Platz für Frühstück bleibt und auch nicht freigeschaufelt wird, weil Rosa das Werkzeug dafür unter Verschluss hält, kommt auch Orange ins Grübeln und fragt mich, wie das dann eigentlich genau funktionieren soll. So auf Dauer.
Die Antwort auf die Frage bleibe ich ihr schuldig, während ich in aller Heimlichkeit gemeinsam mit Rosa unauffällige Kürzungen bespreche und mit dem Parasit Möglichkeiten und Ausmaße plane.
Dass selbiges bereits hervorragend funktioniert, zeigt mein jeweils niedrigster nächtlicher Puls, der sich in den heute genau vier Wochen seit meiner Entlassung bereits um 20 Schläge verringert hat. Was mein Eisen- und Hb-Wert machen, will ich garnicht erst wissen. Mal gucken, ob es den Hausarzt morgen mehr interessiert als mich.
Was also am Ende dabei rauskommt, wenn verschwiegene Heimlichkeiten auf bewundernswerte und irgendwie tatsächlich auch sinnstiftende Professionalität treffen? Keine Ahnung und Egal wechseln sich ab. Letzteres fände Alkohol gut. Sehr.