Du bist meine Wichsvorlage. Gut, das entspricht nicht ganz dem Wortlaut, aber am Ende ist es genau das, was er zu mir sagt – und auch wieder nicht.
Er ist einer dieser sehr wenigen Menschen in meinem Leben, zu denen ich einen Draht habe. Zu denen eine nicht erklär-, sondern nur fühlbare Verbindung besteht.
Seit wir uns kennen, sind wir flirty miteinander. Nichts, was ich normalerweise bin – schließlich bin ich grundsätzlich der Überzeugung, dass man mich maximal aufgrund körperlicher Attribute, denen ich mich nur durch strengste Restriktionen überhaupt annähern kann, interessant, geschweige denn attraktiv oder gar begehrenswert finden kann. Auch halte ich dieses flirty für pure Einbildung meinerseits und seine immer schon vorhandene Offenheit für nichts weiter als ein generelles Persönlichleitsmerkmal.
Bis diese Woche. Bis er mich fragt, ob er es sich einbildet, oder ob da was ist. Und Dinge sagt, über die ich nicht gedacht hatte, sie jemals von irgendjemandem zu hören.
Nichts, worauf ich vorbereitet war. So gar nicht.
Wir halten fest, da ist etwas. Plus zwei glückliche Ehen.
Schlagwort: Kopfsalat
Anführungszeichen
Ich frage mich, was sie meint mit Hauptsache, du bist „gesund“ und welchen Unterschied es macht, ob ich gesund oder „gesund“ bin, oder ob es einen geben sollte oder könnte oder müsste? Oder ob es nicht wichtiger wäre, wenn es mir einfach gut ginge?
Da ist sie, meine unangefragte Antwort darauf, warum ich eine Pause von meiner Familie brauche und die bloße geografische Entfernung mehrerer 100 Kilometer nicht ausreichend ist. Abstand ist mehr als physische Distanz.
Und nein, ich bin nichts davon. Nicht gesund – egal in welcher Schreibweise – und gut geht es mir auch nicht.
Und wieder einmal möchte ich eskalieren und dramatisch sein.
Dekompensation
Introducing Ratio.
Ratio ist der Teil von mir, der meist mit hochgezogen Augenbrauen neben mir steht und mich fragt, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe. Wenn ich überhaupt antworte, dann, dass ich mich nicht traue, nachzuschauen.
Auch wenn sie sich – wie ich auch – eigentlich immer fragt, °was würde ein:e Erwachsene:r jetzt tun?°, hat sie doch ein durchaus vernünftiges Wesen – aber kein wirkliches Durchsetzungsvermögen. Daran hat die Klinik nichts geändert, auch wenn sie da verdammt viel gelernt hat und mich dauernd damit nervt.
Also spiele ich nicht mehr mit ihr und schubse stattdessen lieber Rosa auf der Schaukel an und spendiere dem Parasit Förmchen für den Sandkasten.
Äquilibrium
Kannste schon so machen, dann wirds halt kacke sagt Rosa und behält natürlich Recht.
Ich habe Rosa, den Parasit und die nicht näher definier- wie fassbaren Schatten diverser Anderer an den runden Tisch zitiert. Lagebesprechung.
Lage? Schief. Ziemlich schief. Sage ich und schon reden wieder alle wild durcheinander, was mir und der Lage nicht wirklich weiterhilft. Überfordert und überreizt ist mein Impuls, mir einfach die Augen und Ohren zuzuhalten – omg, es wäre so viel einfacher. So viel leichter. Aber wir würden am Ende halt doch wieder allesamt auf der Fresse liegen. Auch irgendwie doof.
Also blinzle ich mit einem Auge in das wirre Durcheinander, aber weil alle meine nur so semi vorhandene Motivation riechen können, fühlt sich natürlich niemand von meinem ach bitte, vielleicht könnten wir…? so richtig angesprochen.
Der Parasit ist der Überzeugung, sich nach der pandemisch äußerst fragwürdigen beruflichen Veranstaltung morgen anschließend wieder aktiv an mir beteiligen zu können. Rosa hält sich für die einzige Möglichkeit, die Zeit bis dahin zu überstehen – und auch darüber hinaus.
Beide wollen mich auf ihre Weise schützen – und wenn es das Letzte ist, was sie tun – und sehen nicht, dass ich das gleiche versuche.
Die Lage? Immernoch schief. Immer noch ziemlich schief.
Ephemer
Das Leben ist seltsam und ich bin es auch. Aber anders – ganz anders – seltsam als dieses seltsame Leben. So passen wir irgendwie nicht zusammen. So gar nicht.
Euphemismen
Da ist es wieder, dieses nasse Wühlen in meinem Inneren. Etwas sucht. Der Parasit sucht, ohne sich dazu zu äußern, was eigentlich genau. °Klingen° wispert er kaum hörbar zwischen schmatzendem Umherwinden. °Ich weiß, wo sie liegen° flüstere ich sehnend zurück.
Körper hätte gerne Urlaub, so wie Orange gerade. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass er dann garnichts damit anzufangen wüsste und nur rumliegen würde. So wie heutefrüh, als es einer Menge guten Zuredens braucht, um ihn zum Aufstehen zu bewegen. Ich frage mich echt, was er von mir will. Jedenfalls nichts, was Rosa und ich ihm gerade zu geben bereit sind. Anstellerei.
Ich bin mir nach wie vor uneins darüber, ob mir Grün bloß Karotten vor die Nase hält, denen ich blind folge und dabei den Blick für den Weg, auf dem ich mich dabei befinde, aus den Augen verliere. Aber hey. Möhrchen!