(Ab-)Satzfragmente geistern durch meinen Kopf und kollidieren dort in steter Regelmäßigkeit mit Gedanken an Essen, weshalb beides auch ausgesprochen kleinteilig bleibt. Unterdessen diskutiere ich zeitgleich mit Körper und Rosa, weil der eine weiterhin nicht menstruieren mag und nach mehr als nur Safe- und VolumeFood verlangt und die andere ebenjenes verweigert, auch wenn wir Urlaub haben und ich gerne den Afghanen ausprobieren würde. (Nö.) Da kann ich noch so lange auf und auch nicht auf dem visuell sehr gehaltvollen BuGa-Gelände rumlatschen, Rosa zeigt sich wenig verständnisvoll und besteht auf abgezählte Kalorien. Den Keks zum Latte schmuggle ich an ihr vorbei, aber mehr ist echt nicht drin. Also schmollt nicht nur Körper, sondern auch ich, aber oh mein gott, ich könnte kaum dankbarer sein für den großartigen Job, den Rosa macht. Blöde Kuh.
Während ich durchaus maximalinvasiv – und daher wohlweißlich am Tisch auf der Terrasse – damit beschäftigt bin, meine Grapefruit zu schälen, beobachte ich gemeinsam mit Mieze seltsam empathiebefreit die sterbende Eidechse zu meiner Rechten und frage mich, warum das persönliche Schicksal eines Kollegen mich emotional ins Schlingern bringt und ich zu eigenen Gefühlen scheinbar keinerlei Verbindung habe. Jedenfalls bin ich ganz hervorragend darin, mich in Andere hineinzuversetzen, nur um dann dem Fühlen ein Ende zu setzen, weil sind ja nicht meine gerade. Das sich ergebende Muster kann ich irgendwie nicht nicht erkennen. Andere Gefühle sind okay, weil man sie dann hübsch als uneigen beenden kann – eigene Gefühle dagegen sind schlichtweg verboten, weil brandgefährlich. Ich frage mich zwar immer noch, warum mich das so beeindruckende wie anhaltende Hupen einer LKW-Zugmaschine im Hochzeitskorso – mit dem ich nichts zu tun hatte, sondern dem ich einfach nur auf der Straße begegnete – an den Rand eines emotional getriebenen Heulkrampfes brachte, schiebe es aber auf genau das – ich habe einfach Null Ahnung, was in mir abgeht, aber es scheint wohl eine Menge zu sein. Dass die Eidechse, die ich beim Verlassen der Terrasse dann doch großzügig und absichtlich nicht näher betrachtet für Hinüber halte, nach 2 1/2 Stunden beim sehr motivierten Zurücktragen zu ihrem Versteck durch Schatz noch vermeintlich munter zappelt – er erlöste sie nach Blick auf die Blutspur, die unter ihr zum Vorschein kam – , zaubert Rosa auf den Plan, die als Sanktion für diese unfassbare Grausamkeit meinerseits ein Mahlzeiten-Embargo verhängt, dem ich mich nur allzu gern füge. Hunger ist ja auch ein Gefühl – und mit der richtigen Bewertung vollkommen ungefährlich.
Ich weiß zwar nicht, warum ich mich für den Sieger in dieser Geschichte halte, aber ich würde außerordentlich gerne bei einem der angebotenen, aber bisher aus Prinzip nicht in Anspruch genommenen Zwischendurch-Termine der Frau Ex-Therapeutin vor die Füße kotzen, dass mein Zyklus nach wie vor durch Abwesenheit glänzt und sie von meinem Innenleben ungefähr nichts weiß – außer halt dem, was ich für Notwendig erachtet und mit ihr geteilt habe. Aus Gründen. ☉ Als ehemaliges personifiziertes Impostor-Syndrom fühle ich mich angekommen wie ewig nicht mehr und kann nur den Kopf schütteln über Chefs Hoffnung, dass ich es mir nochmal anders überlege. Ich kann nicht, wie könnte ich?! ☉ Rot schwelt vor sich hin, eine Magmakammer unter Hochdruck. Warum sie das macht, sagt sie aber nicht, also versuche ich mich in Beschwichtigung Ignoranz, weil ich keine Lust habe, sie zu verstehen. Verbrannte Finger schrecken zurück, um im nächsten Augenblick verständnisvoll angepustet zu werden. ☉ °roar° und Grillenzirpen. Gehirn abzugeben.
Während ich versuche, meinen Gedankensalat irgendwie sinnvoll einzusortieren, drängt sich eine so simple wie bahnbrechende Erkenntnis relativ dreist dazwischen. Vielleicht ist es ja auch okay, gerade einfach mal fein damit zu sein, wie mein Leben so läuft. Und jetzt steh ich da, vor meinem Salat, dem nur provisorisch eingeräumten Ordnungssystem und dieser Erkenntnis und denke, fuck, sie hat Recht.
Gerade ist echt alles ziemlich okay – hält man die Augen weiterhin hübsch verschlossen vor der Welt – und ich fühle mich auch okay. Echt jetzt! Arbeit? Läuft. Sport? Läuft. Privat? Läuft.
Was ich dennoch gerne einsortieren würde, ist Rosa. Weil, wir arrangieren uns und ich habe Angst, dass sie einfach geht. Ich will sie festhalten, einfach weil halt. Weil Halt, wahrscheinlich. Körper hätte da durchaus ne andere Meinung zu und ist auch ausgesprochen deutlich in seinen Forderungen, was mir wiederum so garnicht in den Kram passt.
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Bei 28,3° eine Miezekatze auf dem Schoß zu haben, ist nur so semi 🔥
Dass es aktuell eine halbe Tavor braucht, um meinen cerebralen Status auf ein Normal runterzuregeln und Körper sich scheinbar weiterhin in akuter Lebensgefahr wähnt, so er schwanger würde und daher ja schon wieder seit nun fast 3 Monaten Vorkehrungen zur Verhinderung einer solchen trifft – er könnte auch einfach mal die als mehrdeutig anzusehende Sterilität genauer ansehen, aber nu – zwingt mich dann doch ein wenig zum Nachdenken. Also denke ich jetzt, verstehe aber mein Problem nicht. Was natürlich nicht heißt, dass da ein:e Dritte:r mal draufgucken darf. Aus Gründen. Welche? Muss ich mir noch ausdenken.
Ich kann sie beide verstehen. Körper, wenn er bei jeglichen Aktivitäten immer deutlicher mault – ganz zu schweigen von so etwas wie dem Zeigen von Leistungsfähigkeit oder gar -steigerung im FitnessStudio – und Rosa, die mir aller in jenen Situationen gefassten Vorsätze zum Trotz einen Vogel zeigt, wenn es um Korrekturen geht. Beide umkreisen sich wie Raubtiere und schmeißen mit Amenorrhoe und Kontrolle um sich. Im entstehenden Handgemenge bekomme ich die meisten Ohrfeigen ab und würde mich gerne trösten lassen, aber dann müsste ich ja reden. Igittihbäh. Dass ich eigentlich jederzeit wieder auf Frau Therapeutin zugehen könnte, macht es auch nicht besser, weil ich sehr genau weiß, dass ich mich dort nur ein bisschen streicheln lassen würde, um anschließend wieder einen Weg zu skizzieren, der Lob verdient und nicht stattfindet. Einfach, weil ich es kann, das Ding mit der Manipulation. Also setze ich mich einfach in die Mitte der Kreise, die die Teufel um mich herum ziehen, und schaue ihnen beim kleiner werden zu. Wenigstens die Arbeit funktioniert jetzt. Ist ja schonmal was.