Schraubstock

Mein Puls hämmert in dumpfen, harten Wellen von innen gegen meinen Schädel. Ich verliere mich in Anspannung und Gedanken über Kontrolle, bei denen ich zu dem Schluss gelange, dass ich nach wie vor keinen Schimmer habe, was mir hinreichend Sicherheit geben könnte, um mich nicht nach der Klinik umgehend wieder Rosa zuzuwenden.
Übelkeit schwappt mir entgegen. Ob als Nebenwirkung des Wellengangs in meinem Kopf oder des Antidepressivums, was ich seit wenigen Tagen nehme, ist so ungeklärt wie irrelevant. Das Gruseln, chemisch in meinen Hirnstoffwechsel hineinpfuschen zu lassen, mischt sich mit der dadurch verursachten Müdigkeit, die es zwar laut Beipackzettel, nicht jedoch laut Chefarzt geben dürfte.
Ich sitze fest.

Boykott

Rosa weint und bettelt. Ich nehme sie in den Arm, kann aber ihre Tränen nicht trocknen, weil ich ihr stattdessen selbst die Haare nass heule.
Körper schmerzt munter vor sich hin. Nicht nur von drölfzig Litern Wassereinlagerungen und gereizten Sehnen in den Füßen und anderswo, sondern auch vom Muskelkater meiner nicht autorisierten Sporteinheiten, so dass ich nichtmal öffentlich jammern darf.
Ich mache Hausaufgaben: Körper bewusst und so lange eincremen, bis die Anspannung sinkt. Ich höre auf, als ich heulen muss und trete mein Körperbild endgültig für mindestens den Rest des Tages in die Mülltonne. Schwitze lieber beim Spaziergang in der Sonne, als meine Jacke auszuziehen und Körperformen sichtbar zu machen.
Schatz fragt, wie ich meinen Therapiefortschritt sehe, und ich frage nur, welchen?
Körper regeneriert so vor sich hin, auch wenn er damit noch nicht fertig zu sein scheint und meinen Zyklus nach wie vor für überflüssig hält – ausnahmsweise mal etwas, wo ich ihm nur zustimmen kann.
Blut fließt meinen Arm entlang – wieder einmal – und ich spüre nichts. Für einen Moment auch nicht Körper. Ziel erreicht. Bedauern mischt sich mit Resignation. Viel Resignation.
Zwei Wochen noch – vielleicht drei, falls die Krankenkasse zustimmt – und ich verspreche Rosa, dass wir wieder mehr zusammen machen. Sport zum Beispiel. Restringieren. Uns Halt geben und GrauSchwarz den Saft abdrehen. Überleben.