Persistenz

Es ist fucking acht Tage her, dass ich das letzte Mal beim Sport war, also stand da noch eine 23 am Datumsende. Und nein, das ist keinem beknackten Neujahrsvorsatz geschuldet, sondern einer hartnäckigen Erkältung, die mich erwischt hat, nachdem ich Raus aus dem Teich bin – nicht im eisbadenden, sondern im cineastischen Sinne. Fuck. Nochmal.
Möglicherweise war Psyche an der finalen Ausprägung nicht ganz unschuldig, weil ich aus purer Doofheit rund 5 Jahre Handyfotos einfach mal gelöscht habe – das meiste davon unwiederbringlich. Zwar sind die wirklich guten Fotos immer mit der DSLR entstanden und noch brav da, wo sie sein sollen, aber alles in allem war es wohl ein kleines bisschen viel in letzter Zeit. Mein innerer Sheldon ist jedenfalls gerade nicht sonderlich ausgeglichen und wäre auch mit nur einer der anderen, geplanten Änderungen schon unzufrieden gewesen.
Mit etwas Glück habe ich auf diese Weise immerhin die erste Schwemme an Vorsätzen im Studio verpasst, wenn ich morgen erstmalig im neuen Jahr dort aufschlage und schaue, was von meinen Muskeln übrig ist und den Neujahrskater damit wohl deutlich anders interpretiere, als andere.
Bleibt noch zu erwähnen, dass die wenig professionelle Wiederherstellung der verlorenen Pixel immerhin offenbar die gesamte Galerie von Rosa beinhaltet, was wir beide sehr feiern und sie ein bisschen ablenkt vom dem Umstand, dass Körper die vergangenen Tage ziemlich wundervoll fand.

Inapparent

Körper ist on fire. Dass er dabei nicht glüht, finde ich ausgesprochen nett, weil dann wär Sport natürlich so ne Sache. Aber wenn nur die Lymphknoten motzen, dass da wohl was wäre, ist das zwar lästig – zumal ich nicht wusste, dass die in den Achseln derart weh tun können, vorallem wenn man Nachts auf der Seite schläft und die schön einklemmt – aber kein Hinderungsgrund. Sagt übrigens auch Herr Doktor und das Blutbild.
Allerdings gibt es da wohl doch einige Lieferschwierigkeiten heute. Nicht, dass das Rosa und mich davon abhalten würde, das übliche Programm im Fitnessstudio einzufordern, aber sagen wir mal so: könnte mich bitte jemand ins Bett tragen? Gut, Schatz hätte das ausgesprochen gerne schon unter der Dusche in die Wege geleitet, aber das ist ganz sehr nicht das, was ich meine – auch wenn ich mir seiner Intimitätenunterversorgung durchaus bewusst bin und das schlechte Gewissen an mir nagt (nein, er fordert hier nichts von mir, um das klarzustellen).

Immerhin, mit Blick auf die Uhr sagt Rosa, ich darf gleich mein – natürlich schon vorgeplantes und dann abgewogenes – Abendessen haben, auch wenn Körper nicht schon von Weitem aussieht, als wäre sie nach wie vor anwesend. Doof ist nur, dass ich für die Zubereitung stehen muss und Körper das gerade nahezu unzumutbar findet.

Physis

°Triumphal ist das Wort, was du suchst°, sagt sie, während ich versuche, ihren Gesichtsausdruck zu beschreiben. Und Rosa hat Recht, etwas anderes fällt mir tatsächlich nicht dafür ein, wie sie so vor mir steht und mit den beiden Vergleichsmessungen der Bioimpedanzanalyse aus dem Studio rumwedelt.
Und in der Tat denke ich, wir haben den heiligen Gral entdeckt. Muskeln auf- und Körperfett abgebaut. Alter, was will man mehr? °Mehr Energie? Menstruation? Käsespätzle?° wirft Körper ein, aber Rosa schüttelt nur selbstgefällig den Kopf und rahmt sich gedanklich den Fortschritt ein.
Allerdings ist da ja noch das Körpergefühl und das ist ne Weile eher so °meh° und dann kommt auch noch meine Mama zu Besuch. Also starten wir zwar sehr enthusiastisch den neu angepassten Trainingsplan, streichen aber gleich mal ne Zwischenmahlzeit – sicher ist sicher.

Und jetzt ist es Heute und Mama auf dem Heimweg und die Zwischenmahlzeit wieder vorsichtig erlaubt. Das heilt zwar Rosa nicht, aber das ist ja schließlich auch nicht das Ziel.

Inkonklusiv

Mein Ego lässt sich in mentaler Dauerschleife nach wie vor vom Chef den Bauch kraulen, und das schon seit Freitag. So schnurrt es fast zufrieden vor sich hin und hält Orange damit etwas in Schach, die schon länger, aber seit knapp zwei Wochen so richtig hustled und mich auch an diesem Wochenende überaus gerne an die noch folgenden Tage erinnert, weil – es sind nur noch 2 Wochen bis zum Urlaub und ich muss noch dieses und jenes und das am Besten auch noch erledigen. Immerhin, Chef sieht, was ich bisher schon alles jongliere und ich kann ihm sogar sagen, dass es viel ist und ich nicht nur versuche, nur so viel zu machen, wie nachhaltig möglich ist.
Trotzdem bekomme ich so vieles in meinem Kopf nicht sortiert, geschweige denn, aufgeräumt und eigentlich will ich da oben nicht mit mir alleine sein. Aber in das Chaos kann man echt keinen reinlassen, auch wenn ich alles in einen Schrank stopfe und die Tür zu mache. Ich muss davor sitzen bleiben, damit sie zu bleibt – Rosa leistet mit Gesellschaft, streitet sich aber dauernd mit Ratio und Körper und mir.
Dennoch ist es auch irgendwie okay – alter, es ist Sommer, jedes Wochenende Bergtour, ich existiere nicht mehr nur von Wochenende zu Wochenende… Vielleicht ist das einfach Leben. Oder? Oder?

Heute ist es 366 Tage her, dass ich mich aus der Psychiatrie entlassen habe, in die ich mich vor 369 Tagen selbst eingewiesen habe – nur, um elf Tage später wieder an deren Tür zu klopfen. Musste ich nur mal sagen – tatsächlich ohne Hintergedanken.

Anabol

Während ich versuche, meinen Gedankensalat irgendwie sinnvoll einzusortieren, drängt sich eine so simple wie bahnbrechende Erkenntnis relativ dreist dazwischen. Vielleicht ist es ja auch okay, gerade einfach mal fein damit zu sein, wie mein Leben so läuft. Und jetzt steh ich da, vor meinem Salat, dem nur provisorisch eingeräumten Ordnungssystem und dieser Erkenntnis und denke, fuck, sie hat Recht.

Gerade ist echt alles ziemlich okay – hält man die Augen weiterhin hübsch verschlossen vor der Welt – und ich fühle mich auch okay. Echt jetzt!
Arbeit? Läuft.
Sport? Läuft.
Privat? Läuft.

Was ich dennoch gerne einsortieren würde, ist Rosa. Weil, wir arrangieren uns und ich habe Angst, dass sie einfach geht. Ich will sie festhalten, einfach weil halt. Weil Halt, wahrscheinlich. Körper hätte da durchaus ne andere Meinung zu und ist auch ausgesprochen deutlich in seinen Forderungen, was mir wiederum so garnicht in den Kram passt.



Bei 28,3° eine Miezekatze auf dem Schoß zu haben, ist nur so semi 🔥

Aporie

Ich kann sie beide verstehen. Körper, wenn er bei jeglichen Aktivitäten immer deutlicher mault – ganz zu schweigen von so etwas wie dem Zeigen von Leistungsfähigkeit oder gar -steigerung im FitnessStudio – und Rosa, die mir aller in jenen Situationen gefassten Vorsätze zum Trotz einen Vogel zeigt, wenn es um Korrekturen geht. Beide umkreisen sich wie Raubtiere und schmeißen mit Amenorrhoe und Kontrolle um sich. Im entstehenden Handgemenge bekomme ich die meisten Ohrfeigen ab und würde mich gerne trösten lassen, aber dann müsste ich ja reden.
Igittihbäh.
Dass ich eigentlich jederzeit wieder auf Frau Therapeutin zugehen könnte, macht es auch nicht besser, weil ich sehr genau weiß, dass ich mich dort nur ein bisschen streicheln lassen würde, um anschließend wieder einen Weg zu skizzieren, der Lob verdient und nicht stattfindet. Einfach, weil ich es kann, das Ding mit der Manipulation.
Also setze ich mich einfach in die Mitte der Kreise, die die Teufel um mich herum ziehen, und schaue ihnen beim kleiner werden zu.
Wenigstens die Arbeit funktioniert jetzt. Ist ja schonmal was.