Ich sitze in einer invertierten Blase, die von allen Seiten Druck auf das, was wohl mein Ich sein soll, ausübt. Die mich zusammenpresst auf einen winzigen Punkt mit bald negativem Radius – Implosion als einzig angestrebtes Ziel.
Schlagwort: Endlos
Leere
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Fadenscheinig
Als ich aus der Klinik zurück war, habe ich angefangen, die Fäden wieder in die Hand zu nehmen. Langsam wollte ich es angehen, und strukturiert. Eigentlich hatte ich gehofft, dass sie bei meiner Rückkehr nicht so ungeordnet und lose in der Luft hängen.
Die Struktur, das angestrebte Muster verlor ich schnell aus den Augen. Schwelbrände machten sich breit, und ich machte mich ans Löschen, statt auf die Suche nach den Funken. Und inzwischen fühle ich mich wie eine Mumie, weil ich mich in den unzähligen Fäden rudernd verheddert habe und den Boden nicht mehr berühre, während ich hier und da versenge.
Wie gerne würde ich eine Schere nehmen, all die Fäden abschneiden und nach meinem harten Aufprall auf dem Boden alles zusammen sammeln und in einen anderen Raum, einen anderen Verantwortungsbereich schmeißen, die Tür hinter mir zuknallen und wegrennen. Weit weg. Aber ich sehe die Schere nicht einmal mehr in dem ganzen Gewirr. Wenn ich irgendwo ziehe, bewegt sich plötzlich alles im Raum, und ein neuer Knoten entsteht. Funken geistern wie Irrlichter umher und treiben ihr Unwesen.
Die Erkenntnis, ziemlich selber Schuld an dem Chaos zu sein, tut fast so weh wie die Schlingen, die sich überall um meinen Körper gelegt haben und mich abschnüren.
Alle anderen sehen bloß den riesigen Knoten und schütteln den Kopf. Ich sehe nichtmal mehr mich selbst.
Genau 48 Stunden …
… wird mich dieser beknackte Kuchen beschäftigt haben, bis es ihn dann morgenfrüh gibt.
Also, für die Gruppe, nicht für mich.
Alte Wunden
Gerade ist 2003. Und 2006. Und alles dazwischen, bis 2009, weil ich alte Tagebücher gelesen habe und die Gefühle, die Leere, die Zerrissenheit und die Verzweiflung so fühle, als wären nicht Jahre vergangen, sondern Minuten. Maximal.
Ich weiß, dass es nichts bringt, mich darin zu verlieren, weil ich nicht finden werde, was ich schon damals verlor.
Und doch ist da so viel, was mich anzieht, so dass ich mich in einem schwarzen Strudel wiederfinde, der mich zu ersticken droht. Ich dachte, ich wäre damit durch. Aber es ist nur ein Pflaster drauf, und ich habe es gerade abgerissen. Es blutet.
Verschwiegen
Wenn ich es genau betrachte, liegt hier eine ganze Menge Zeug rum, was dringend aufgeräumt werden müsste. Altes, nicht so altes und neues Zeug stapelt vor sich hin und setzt Staub und Spinnweben an, während es im Weg rumsteht.
Aber ich betrachte es nicht genau. Ich stehe auf einer Stelle, kneife die Augen zusammen, bewege mich nicht und ignoriere das, was da um mich herum und vor sich hin liegt und staubt. Wenigstens kann ich so nicht umfallen.
Vielleicht.