Vertigo

Mein Belohnungs- & Suchtzentrum verneigt sich ehrfurchtsvoll vor dem K-Hole, während die Grenzen zwischen meinen Sinnen aufweichen und sich Körper in Licht auflöst.
Der Herr Psychiater ist so freundlich, mich bis auf die gelegentliche Kontrolle meiner Werte – Körper ist also doch noch da, so scheint es – einfach nur existieren zu lassen.
Die Hoffnung, zu einer derer zu gehören, bei denen schon nach ein oder zwei solcher Holes das eigentliche Loch weniger tief ist – (-*-=+, oder etwa nicht?!) – verschwindet fast ebenso schnell wie der Drehwurm nach dem entfernen der Nadel aus meinem Arm.
Und auch, wenn diese Erfahrung eine sehr spezielle ist, für die Horizonterweiterung eine nur unzureichende Beschreibung darstellt, frage ich mich, ob ich vielleicht die falsche Kandidatin für diese Art der Therapie bin oder halt einfach keine Depressionen habe. Ersteres erscheint jedoch angesichts der nicht verbalisierten Gedanken, für die mir zu einem Großteil einfach die Worte sowie die angemessene Verarbeitung fehlen, sehr viel plausibler. Und vielleicht findet sich in den nächsten Tagen eine Lexemsammlung, die für die drei noch folgenden Termine etwas mehr Erleuchtung bringt.

Apathie

Ich frage mich, wann genau ich eigentlich so falsch in der Zeitlinie abgebogen bin, um ausgerechnet in dieser  abgefuckten Realität zu stranden.

OB EIGENTLICH ALLE BESCHEUERT SIND, HAB ICH GEFRAGT!!!

Ich würde echt einfach alles daran hassen, wäre mir nicht genauso alles so entsetzlich egal.
So auch die rund 600€ , die ich kommende Woche gegen zwei Beutel potentielle Glückseligkeit eintauschen und OffLabel in meine Venen jagen lassen werde. Ein Seidenpapierstrohhalm, an den ich einfach mal alles hänge, weil sonst kein Haken mehr frei ist.
Ich weiß nicht, ob die Löcher einfach nur tiefer oder ich bedeutend weniger leidensfähig/-willig werde, aber scheiße, ist das scheiße hier unten.
Ob ich Angst vor mir habe, fragt Schatz in diesem Zusammenhang. Habe ich nicht. And that’s the point.

Eskapismus

So rein endokrin gesehen ist Anarchie wohl gerade der heiße Scheiß. Ich habs jetzt mit Ignoranz, neutraler Datenerhebung und externem, synthetischem Gegenschlag versucht – und alles, was ich erreicht habe, sind mattschwarze Sphären mit massiv-gravitativer Wirkung, die mich auf einen winzigen Punkt aus gleißender Dystopie reduziert haben – weitere Dys-* und Dis-* inklusive. Und ich mag das nicht.

Kinematik

Seit mehr oder weniger 6 Tagen fluten multiple Substanzen meinen Körper, von denen bei Schatz schon eine halbe Einzelsubstanz ausreicht, um ihn für 2 Tage ins Bett zu reduzieren.
Ich löse stattdessen Sudokus und vergesse nur gelegentlich, wie ich eigentlich vom Schreibtisch zum Klo komme. Aber da ist die viel wesentlichere Frage, ob ich morgen noch weiß, dass ich es heute nicht wusste, besteht mein Erinnerungsvermögen doch gerade aus vielen geschwärzten Zeilen.
Alternative Eskalationsreaktionen hätte ich aus reinem Effizienzgedanken heraus vorgezogen, aber offene Arme haben eine deutlich ausgeprägtere Halbwertszeit.
Also sitze ich hier multifakoriell begünstigt in meinem zerflauschten Wochenende und habe Fragen.

Hysterie

Der patriarchalgesellschaftlich vorinstallierte Keimling meines Selbstverständnisses ist wie zu erwarten beschämend gut mitgewachsen und trägt seine Früchte. Und auch, wenn ich ein paar Faule erkannt und reseziert habe, sind viele einfach derart verwoben mit meinem ganzen Sein, dass sie entweder nur mit großem Aufwand entfernt werden könnten oder sogar frei von jeder Infragestellung schlicht wuchern. Rosa mag dieses üppige Grün, weil es prima zum möglichst minimalistischen Ergebnis ihres Kontrollzwangs passt und zu widersprüchlich breitem in- wie externen Zuspruch führt, der nicht nur ihr schmeichelt.

Die als Akzeptanz getarnte Resignation gegenüber meiner mentalen Fluktuation manifestiert sich in anhaltender Therapiemüdigkeit und der Suche nach physiologisch beeinflussbare(re)n Faktoren, die gerade präperifuckmenopausal in Anarchie verfallen und dem wuchernden Ungetüm (siehe oben) als hochintensive Nährlösung dienen.

Der neonfarbene, penetrant blinkende Leuchtpfeil, der mein gesellschaftliches Stattfinden als Beendet erklärt, während mein Ablaufdatum gerade einmal Halbzeit ankündigt und eifrig ein Fähnchen mit der Aufschrift Feminismus! schwenkt, führt gemeinsam mit dem ganzen endokrinen Rotz zu Brainfuck, der seinesgleichen sucht.

Ich, weit entfernt von Erwachsen, in (m)einem einundvierzigjährigen Körper, der jetzt dann per Definition alt ist.

Pygmalion

Vor mir liegt ein Haufen Steine. Hinter mir ebenfalls. Ich weiß nicht, ob diese rein konstruktivistischer Natur sind oder (oder und?) ob ich sie mir selbst heimlich von hinten nach vorn in den Weg räume – beides führt aber dazu, dass ich mir schlicht nicht mehr über den Weg traue bei der Frage, ob der nicht nur berechtigte, sondern notwendige gelbe Schein von vergangenem Montag an dem Kommenden einer Verlängerung bedarf oder lediglich eine sommerliche Flause darstellt.

Auch wenn ein Teil meines Gehirns denkt, dass  es nur eine richtige Antwort auf die Frage nach °Montag wieder arbeiten, weil Funktionieren funktioniert schon oder lieber noch ne Woche Pause und Leben funktioniert mit etwas Glück auch wieder ein bisschen?° gibt, denkt ein anderer Teil, dass Erstgenannter bloß krankheitsgewinnorientiert Argumente konstruiert.

Lia möchte bitte aus dem Bällebad abholt werden.