Impuls

Trotz des roten, aufgeregt blinkenden Warnlämpchens, welches auf den nicht unerheblichen Füllstand meiner Blase verweist, diskutiere ich deutlich mehr als eine halbe Stunde lang mit Körper, ob wir nun aufstehen oder nicht. °Nicht° ist definitiv Favorit, woran auch der Gedanke an potentiell gefrorene Wasserfälle und deren digitale Ausbelichtung in Lieblingsmenschgesellschaft nichts ändert.
Irgendwann gewinnt aber das Warnlämpchen und auch wenn Körper es durchaus ernsthaft in Erwägung zieht, krabbeln wir nicht ins Bad, sondern tun so, als wäre aufrechtes Gehen total normal. Ich bewege mich mental irgendwo zwischen unfassbar erschöpft bis total zerstört und einige mich auf ziemlich sehr zerschöpft. Mein ganzes System läuft auf Notstrom und statt der Abbildung kristalliner Kaskaden beschränke ich mich – chauffiert – auf die Aufstockung belletristischer Druckerzeugnisse und wochenendlicher Notwendigkeiten, auch wenn die Paperbacks daheim erst einmal an meiner derzeitigen intellektuellen Kapazität und meiner mangelnden Motivation zerschellen.

Nothing changes if nothing changes.

Devolution

Angesichts der mit SchwelBränden übersäten Welt scheint das halbleere Glas Wasser in meiner Hand gerade gut genug zu sein, mich – weder moralisch vertretbar, noch biografisch sinnvoll – multisubstanziell meinem Flauscheeinhorn zuzuwenden, wenn auch nur für einen Nachmittag*. Nun kraulen wir uns also gegenseitig das Fell und schauen rosa Wolken hinterher, aus denen Glitzerkonfetti auf den Boden der Tatsachen regnet und Regenbögen fangen spielen.

Frau Physio merkt beim letzten Termin für meine ausgesprochen lästige Schulterproblematik an, dass ich meine Watch vielleicht nicht ständig und nicht ständig rechts tragen soll, und auch wenn ich ihre Intention verstehe und sie vermutlich sogar sinnvoll sein könnte, frage ich mich, wie ich das genau machen soll. Denn dazu müsste ich das ja wollen und ich will das nicht wollen, weil dann keiner mehr meine Schritte zählt und ich es dann wohl selber tun müsste. Außerdem verbraucht Körper die Kalorien nur, wenn einer hinguckt, und so ein eifrig protokollierender Stalker am Handgelenk kommt da sehr gelegen. Außer an Tagen wie heute, bei denen die Prozentanzeige des Tagesziels thermalbadbedingt im unteren zweistelligen Bereich hängen bleibt und ich mich trotzdem fühle, als wär ich seit drei Tagen wach und ungleich länger durch Winterwälder gehetzt.

* Na gut, zwei Nachmittage. In Folge. °Und dein Wochenende so?°

Pharma

Den zweiten Tag in Folge die pharmazeutische Bremse in meine Synapsen zu integrieren, mag gestern durchaus eine berechtigte Notwendigkeit gewesen sein, dient heute dagegen eher dem wenig schmeichelhaften °weil ich halt Bock auf weiteren Fluff hab° Und ich liebs.
Der Mix aus Feier-, Urlaubs- und Arbeitstagen mit glücklicherweise geringsten familiären Verpflichtungen und vielen aus Überzeugung boykottierten und dennoch internalisiert nagenden gesellschaftlichen Erwartungen fordert trotz aufrechterhaltener Routinen seinen psychischen Tribut, dessen Aufarbeitung mir gerade nicht ferner liegen könnte.
Und so sehr auch °keine Lust° auf den ab morgen wieder regelmäßigen Wecker aus jeder meiner Hirnzellen trieft und mein Bewusstsein verklebt, herrscht die Hoffnung vor, dass es genau das ist, was ich brauche.

Seismik

Mentale Eskalationsstufen werden als Folge des seit Wochen bestehenden VerSpannungszustandes ausgerufen – der sich lästigerdings nicht nur in Körper manifestiert, sondern in munter potenzierenden cerebralen Verstrickungen seinen Ursprung fand – und gipfeln in einer angemessenen Portion Benzos, die die Arbeit an diesem Satz auf gute zwanzig Minuten ausdehnen und nicht garantieren können, dass er am Ende irgendeinen Sinn ergibt. Die zuvor getroffene Entscheidung, das Glüxbärchi ab morgen zu erhöhen, erscheint folgerichtig und mindert hoffentlich den – nicht ausschließlich, aber dennoch auch – ekliptisch bedingten Brainfuck auf ein erträgliches Maß.

Elegie

Tristesse kann wohl als definierendes Merkmal der aktuellen Lunation festgehalten werden, betrachtet man den mindestens zu zwei Drittel herrschenden Novembernebel und andere Dinge. Neben kopfschüttelndem Weltschmerz-möv´q ist Wetter-möv´q immerhin etwas, dem ich dank naheliegender Orogenese immerhin zeitweise entkommen kann, so dass nicht all meine Ressourcen dafür draufgehen, nicht draufzugehen.
Dabei ist es an Tagen wie heute, an denen die Hummeln in meinem Hintern das Aufheitern der hiesigen Beleuchtungssituation offensichtlich bedeutend eher ahnten und schon am Morgen ein nervöses, ungerichtetes Summen in Körper verursachten, eigentlich ja ganz okay, so mit Unbesiegbarkeitsüberzeugung durch die Gegend zu laufen – wäre da nicht auch Ratio, die meine Getriebenheit gerne sezieren würde, nur um mir dann das Ergebnis mit °kümmerDichdrum!° um die Ohren zu hauen. Dabei zeigt sie vorwurfsvoll auf das Resultat des nicht mehr so kürzlich stattgefundenen, intensiven und visuell aufwändigen schematischen Aktivismus und drängt auf Neufokussierung.

Diametral

Wie zu erwarten zerschellen auch paternal adressierte ungestillte Bedürfnisse an der Realität eines – immerhin selbstfürsorglich aus dem (einseitig) geplanten Juni verschobenen – familiären Besuchs. Auch wenn ich mir Mühe gebe, mein Innenleben verständlich darzulegen, versickern die Informationen fast vollständig unkommentiert, so dass wir am Ende doch wieder bei reinem Austausch über die sichtbare Welt ankommen, der sich an der allgemeinen Introvertiertheit aller Beteiligten totläuft.
Verschwiegenheit auch über die Tatsache, dass auf ebenjene Verschiebung – aus Gründen! Genannten Gründen! – ein weiteres Erkundigen nach meinem Befinden schlichtweg entfiel und auf meine Unzuverlässigkeit, spontane fernmündliche Gespräche anzunehmen geschoben wurde – die AUS GRÜNDEN!!! manchmal oft schlicht weg nicht möglich ist.

argh.