Zäh

Zeit ist gerade nicht nur ausgesprochen relativ, sondern auch ausgesprochen lästig.
Wahrnehmungslücken scheinen oft nicht unwahrscheinlich, wenn mir wieder einmal dutzende Minuten abhanden kommen. Zeit, der ich aber auch nicht wirklich nachtrauere, weil es heißt, dass sie weg ist, ohne dass ich nachhelfen musste.
Alles dreht sich nur darum. Wann ist Zeit zum Schlafen, wann ist Zeit zum Aufstehen, wann zum Essen, wann zum Sport, wann zum Tee kochen. Nicht unsubtil gesellt sich Rosa dazu und füllt jeden Moment, jeden Augenblick mit Gedanken an Essen, Nichtessen, Essenszubereitung, Essensplanung, Sport.
Ich. Mag. Nicht. Mehr.
Mein Gehirn übrigens auch nicht. Wie gut, dass ich mein Urlaub rum ist und ich morgen wieder arbeiten darf. Da kommen die Lücken sicher besonders gut zur Geltung.

Reibungsverlust

Es ist der letzte Tag vor meinem Urlaub*, den ich auf dem Zahnfleisch kriechend damit verbringe, tausend Dinge gleichzeitig zu regeln, weil ich hoffe, dass die Klinik in der Zeit anruft und mich spontan aufnimmt, statt erst in 7 Wochen – eine Möglichkeit, die durchaus im Raum steht, aber so sehr nicht planbar ist, dass es mir den letzten Rest an Nerven raubt, die noch übrig sind.
Orange ist in ihrem Element, während ich mich frage, was eigentlich mit der Abteilung passieren würde, falls mich spontan ein Bus überfährt, statt dass ich alles für meine Abwesenheit hübsch poliert auf ein Silbertablett drappiere und meinen Vertretern überreiche – während ich eigentlich gerade sehr gerne wippend und wimmernd in einer Ecke säße mit der Überzeugung, nichts zu können und erst Recht nicht genug zu sein.
Rosa feilt derweil gedankenversunken an ihren Salatplänen und schenkt meiner Hoffnung auf eine sofortige Aufnahme, die zwei Tage Zimmerquarantäne und damit erzwungenen Bewegungsmangel wegen Coronatestung nach sich ziehen würde, zum Glück nur selten überhaupt etwas Aufmerksamkeit.
Ein bisschen streite ich aber dann doch heute mit ihr, weil ich wegen der drölfzigsten TelKo erst spät Feierabend machen kann und die übliche Sporteinheit ausfallen lassen möchte. Das gefällt ihr nicht, aber wir arrangieren uns, verschieben diese auf den sonst sportfreien Samstag (an dem wir zum Beispiel letzte Woche dann 16 km Wandern waren >.<) und gehen mit Schatz spazieren – 8 Kilometer.
Körper – ach ja, ich wusste, ich hab was vergessen – beschließt nach nicht einmal der Hälfte der Strecke, dass ich seine Arme gerade zum Laufen ja nicht so wirklich brauche und beginnt, sie nach und nach abzuschalten. Er wringt sie regelrecht aus, saugt jegliche Energie fein säuberlich mit einem Strohhalm raus und verwendet sie nicht ganz überflüssigerweise dazu, weiterzulaufen statt umzufallen. Mir ab und zu die Haare hinter die Ohren zu streichen wird zur Herausforderung, meine Muskeln streiken und das Gefühl von Schwäche wird immer umfassender. Weil aber hier unter freiem Himmel gerade auch keine Ecke zum Wippen und Wimmern hergeht, laufe ich weiter. Das Händewaschen nach unserer Rückkehr stellt mich vor die größte koordinative Herausforderung seit Ewigkeiten letztem Samstag und ich bin froh, dass Schatz weder meine fahrigen Bewegungen, noch meine mehr als grenzwertige allgemeine Verfassung bemerkt, als ich mir im mir schnellstmöglichen Schneckentempo die Jogginghose anziehe und überlege, wie zur Hölle ich die tonnenschwere Schale für den Salat quer durch die ganze Küche tragen soll.

*Vorletzter Tag. Weil, morgen wäre zwar eigentlich mein freier Brückenteilzeitfreitag, aber Orange fände es wirklich ganz ganz toll, wenn wir den Kollegen da noch etwas mehr aufs Tablett legen. Poliert. Mit Schleifchen.

Bildungsfern

Konzentration. Ein Fremdwort. Bingewatching und gleichzeitig peripherer Handyexzess. Ich staple die unnützen Informationen in eine Ecke, nur damit ich stapeln kann und nicht denken muss. Oder fühlen. Gut, dass sich letzteres sowieso wie verlernt anfühlt. Ersteres auch. Ersteres aber nicht verlernt, sondern unmöglich, dank Dauerbeschäftigung mit Rosa, Sport, Essen, Nichtessen, Hungerhaben – und dank jeglichem Mangel an anderweitigen Interessen. Wäre zu anstrengend, außerdem.

Drei Wochen Urlaub. Tag 1.

Einigen wir uns auf „instabil“

Weil ich nach wie vor nicht weiß, wie ich meinen Zustand beschreiben soll, habe ich mich intern auf „instabil“ geeinigt. Ja, es wird besser, aber nicht linear, nicht schnell ansteigend. Eher in einem anstrengenden Auf und Ab. Immerhin, das Wetter ist auf meiner Seite. Sonne hilft, dass es Innen heller und wärmer ist, als es ohne wäre.

Ich weiß garnicht, was ich groß schreiben könnte. Ich fühle mich gestresst, weil wir über die Feiertage mit Freunden ein Ferienhaus gemietet haben und wandern wollen, ich dann aber wenig Ich-Zeit habe und wenig routiniert essen kann. Außerdem bekomme ich heute oder morgen meine Tage, die selten nie beschwerdefrei an mir vorübergehen und eher nach Sofa als nach langen Wanderungen schreien. Dafür sind mir meine Narben, von denen sie bisher nichts wissen, die aber bei 20 Grad sicher sichtbar sein werden, erstaunlich egal.
Immerhin, zwei weitere Tage (plus heute) habe ich frei.

Auf zum Atem.