Hungern & Ich.
Alkohol & Ich.
Essen & Ich.
Cravings & Ich.
Seit Tagen will ich all das aufdröseln und analysieren, aber ich bekomme es nicht so hin, wie ich mir das vorstelle.
Dann halt nicht.
(Vielleicht hilfts.)
Hellschwarz bis Dunkelbunt
Hungern & Ich.
Alkohol & Ich.
Essen & Ich.
Cravings & Ich.
Seit Tagen will ich all das aufdröseln und analysieren, aber ich bekomme es nicht so hin, wie ich mir das vorstelle.
Dann halt nicht.
(Vielleicht hilfts.)
Im Traum fühle ich mich unendlich erschöpft. Ich liege draußen im Gras und heule, weil ich nicht mehr kann. Wovon ich nicht mehr kann, weiß ich nicht (mehr), aber das Gefühl ist allumfassend.
Als ich aufwache, erscheint jede Bewegung zu viel. Allein aufzustehen kostet unendlich viel Überwindung und Kraft. Viel lieber würde ich liegen bleiben, aber etwas treibt mich dann doch nach zehnminütigem Kampf aus dem Bett.
Der erhoffte Effekt vom Kaffee bleibt aus und liebend gern würde ich mich wieder hinlegen – Zeit wäre genug, der erste Therapietermin ist erst um zwanzig nach zehn. Aber ich muss zum Sport, und das ist nicht verhandelbar.
Mein Körper will keinen Sport machen. Sagt er. Ziemlich laut. Ich höre nicht zu. Stattdessen trage ich ihn ins angrenzende Fitnessstudio, während er sich denkt, dass das nun echt nicht mein Ernst sein kann. Ist es. Mein voller.
Er sieht das anders, aber das ist mir egal. Also macht er mit, um anschließend nur noch mehr zu motzen, dass er schlafen will. Geht aber nicht, weil: Körpertherapie. Ausgerechnet. Mein Kreislauf steigt inzwischen in den Protest mit ein. Soll er doch.
Ich ziehe trotzdem brav all meine Termine heute durch und falle nach dem Abendessen endlich aufs Bett.
Der Gedanke, dass ich für tägliches Training zu wenig das Falsche esse, kommt kurz vorbei, aber wie in der Achtsamkeit gelernt lasse ich ihn ziehen.
Morgen? Zum Sport natürlich. Da muss er schon deutlicher werden, mein Körper.
Unter einem roten Mond will ich rote Streifen und Tropfen auf meiner Haut, roten süßen Schmerz. Der Alkohol macht mich leicht und schwer und sehnend.
Partiell.
Seit 1 1/2 Wochen sitze ich nun überfordert vor meinem Leben, welches seit ziemlich genau einem Jahr unter Schutt und Asche in Scherben vor mir liegt.
Die Teile sind wild verstreut, dreckig und teilweise winzig klein. Ich habe das dringende Bedürfnis, etwas zu tun, ohne zu wissen, wo und wie ich eigentlich anfangen soll. Also suche ich mühsam und wenig strukturiert Stück für Stück aus dem Haufen heraus und versuche, das was ich finde irgendwie zu sortieren.
Vielleicht würde mir das sogar gelingen, wären da nicht andere, welche weder meinen unsortierten Sortierhaufen noch den Schuttberg sehen (können), die mir seither mit beeindruckender Effektivität wieder alles durcheinander bringen, mir den Kleber wegnehmen und Teile, die ich schon rausgezogen und zumindest bis zur Erkennbarkeit gereinigt hatte, wieder zurück in den Dreck kicken.
Seit Tagen schaue ich diesem Schauspiel nun zu – höflich bis freundlich lächelnd, funktionierend, unbeteiligt. Ignoriere, dass mein Körper nur auf eine Gelegenheit wartet, mir den Dienst endgültig zu verweigern. Zwinge ihn dazu, weiterzumachen, obwohl er lauthals Pause! brüllt und sehr kreativ darin ist, mir die Notwendigkeit einer solchen begreiflich zu machen.
Es fehlen einige Teile, die ich bisher nicht ausmachen konnte unter all dem Müll, der vor mir liegt. Ich habe den Verdacht, die Befürchtung, dass es sie bei dem großen Knall damals pulverisiert und irgendwo hin verweht hat.
Ich bin wütend, aber darf es nicht sein. Wütend auf Menschen, auf die ich nicht wütend sein darf. Wütend auf das, was passiert ist, ohne es ändern zu können. Wütend auf mein Leben, dass es einfach dort rumliegt und so durcheinander ist. Wütend auf mich, weil ich so viel verloren habe. Wütend auf meinen Kopf, der nicht mehr richtig funktioniert. Ich bin so unendlich wütend, dass ich mich selbst in Stücke hacken und neben die Scherben legen will, denn dann passt es wenigstens zusammen.
Nichts darf raus.
.
Ich stehe am Rande des Nervenzusammenbruchs. Und alles, was ich denke, ist: och, eigentlich könnte ich mich auch mal setzen.
Matsch im Kopf.
Gesternabend ein bisschen verletzt, ABER NICHT GENUG!!! Könnte ich es nur geheim halten, mein Bein sähe anders aus. Ganz anders. So hilft es mir nicht. fuck.
Arbeiten? Ja, war ich – nach einer Nacht, in der ich kaum geschlafen habe, wieder einmal. Mit den Kollegen gescherzt, kompetent Vorgesetztenkram gemacht, Schwindelanfälle überspielt, Druck auf der Brust und anstrengendes Atmen ignoriert. Mich im Gespräch mit Mitarbeitern gefragt, wo zur Hölle eigentlich mein Problem liegt, wenn ich doch meinen Job ganz wunderbar mache und sogar scherzen kann.
Ich sollte zum Arzt gehen. Ich sollte mich mindestens den Rest der Woche krankschreiben lassen und mich selbst in dem Chaos suchen gehen, welches in meinem Kopf herrscht. Ich wünsche mir nichts mehr, als dass Schatz mich genau dazu zwingt, mir keine Wahl lässt. Denn wenn ich sie habe, sagt mein Kopf, ich soll gefälligst nicht den neuen Hausarzt gleich mit sowas überfallen, damit er nicht schlecht von mir denkt oder mich verurteilt. Oder mich gar wirklich krankschreibt. Weil, die Struktur, die arbeiten gehen mir bietet, ist ja doch gut und genau das, was ich brauche. Oder?
Alles ist so widersprüchlich. Jeder Gedanke ist das Gegenteil vom vorigen. Jeder hat Recht.
Und eine kleine Stimme wispert, dass ich bloß Aufmerksamkeit will. Bestätigt wissen will, dass es mir schlecht geht. Also, wirklich. Nicht nur eingebildet. Keine Anstellerei.
Bist du heile? fragt Schatz und meint damit, ob ich mich selbst verletzt habe. Ja antworte ich. Während ich barfuß durch die Scherben in meinem Kopf gehe, frage ich mich, warum meine körperliche Unversehrtheit so viel bedeutet.
°
Kaffee. In der Sonne. Im Garten. Vogelgezwitscher. Wärme, die nur meinen Körper erreicht, aber die Scherben nicht. Ich möchte weinen deswegen, und versinke in mir selbst.