Hulk

Seit 1 1/2 Wochen sitze ich nun überfordert vor meinem Leben, welches seit ziemlich genau einem Jahr unter Schutt und Asche in Scherben vor mir liegt.
Die Teile sind wild verstreut, dreckig und teilweise winzig klein. Ich habe das dringende Bedürfnis, etwas zu tun, ohne zu wissen, wo und wie ich eigentlich anfangen soll. Also suche ich mühsam und wenig strukturiert Stück für Stück aus dem Haufen heraus und versuche, das was ich finde irgendwie zu sortieren.
Vielleicht würde mir das sogar gelingen, wären da nicht andere, welche weder meinen unsortierten Sortierhaufen noch den Schuttberg sehen (können), die mir seither mit beeindruckender Effektivität wieder alles durcheinander bringen, mir den Kleber wegnehmen und Teile, die ich schon rausgezogen und zumindest bis zur Erkennbarkeit gereinigt hatte, wieder zurück in den Dreck kicken.

Seit Tagen schaue ich diesem Schauspiel nun zu – höflich bis freundlich lächelnd, funktionierend, unbeteiligt. Ignoriere, dass mein Körper nur auf eine Gelegenheit wartet, mir den Dienst endgültig zu verweigern. Zwinge ihn dazu, weiterzumachen, obwohl er lauthals Pause! brüllt und sehr kreativ darin ist, mir die Notwendigkeit einer solchen begreiflich zu machen.

Es fehlen einige Teile, die ich bisher nicht ausmachen konnte unter all dem Müll, der vor mir liegt. Ich habe den Verdacht, die Befürchtung, dass es sie bei dem großen Knall damals pulverisiert und irgendwo hin verweht hat.

Ich bin wütend, aber darf es nicht sein. Wütend auf Menschen, auf die ich nicht wütend sein darf. Wütend auf das, was passiert ist, ohne es ändern zu können. Wütend auf mein Leben, dass es einfach dort rumliegt und so durcheinander ist. Wütend auf mich, weil ich so viel verloren habe. Wütend auf meinen Kopf, der nicht mehr richtig funktioniert. Ich bin so unendlich wütend, dass ich mich selbst in Stücke hacken und neben die Scherben legen will, denn dann passt es wenigstens zusammen.

Nichts darf raus.
.
Ich stehe am Rande des Nervenzusammenbruchs. Und alles, was ich denke, ist: och, eigentlich könnte ich mich auch mal setzen.

1 Kommentar zu „Hulk“

  1. Du DARFST wütend sein – verdammt! Gefühle sind nunmal da und sie wollen beachtet werden.
    Also sei wütend. Schrei! Brülle! Geh in den Wald und schlag gegen Bäume. – Weine – Und dann sieh zu, was passiert.
    Dein Körper wird sich von alleine wieder beruhigen.

    Oft ist man innerlich so zerrüttelt, weil die Gefühle wie ein verrückter Hund in einem toben.

    Und du weißt, was man mit einem hyperaktiven Hund tut, ne?
    … man spielt mit ihm. Man lässt ihn Luft schnappen. Lässt ihn nach draußen.

    ~Ceyes. (Liebe Grüße an dich! Ich weiß du packst das! <3)

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