Mein Körper hat den Knopf gedrückt. Irgendwann gestern wahrscheinlich, als ich im Thermenwasser abgelenkt war. Weil er sich wohl – zurecht – dachte „Nein, machen!, als ich ihm versicherte, das mit dem Essen nach Plan zu versuchen. Jedes Mal, wenn ich in der Nacht aufwache, schreit mein Körper vor Erschöpfung. Er tut es auch heutefrüh. Laut. Wirklich noch nie habe ich mich derart fertig gefühlt. Ich frage mich, wie das passieren konnte. Wie es so weit kommen konnte und warum andere mit einem BMI noch 3 Punkte unter meinem einfach weitermachen können. Heute habe ich mir fest vorgenommen, nach Plan zu essen. Ich habe (sturm-)frei und möchte es wirklich versuchen. Denn sonst (oder auch trotzdem, vielleicht) sehe ich mich übers Wochenende mit Nasensonde im Krankenhaus. Ich weiß nichtmal, ob ich es morgen zum Sport schaffe. Mal ganz abgesehen davon, ob es aus medizinischer Sicht auch nur einen Hauch sinnvoll wäre…
Schlagwort: Schlafen
Permafrost
46. Und nein, das ist nicht mein Gewicht – das ist niedriger, wie heutefrüh festgestellt – sondern mein Puls heutefrüh. Der Arzt am Montag runzelte besorgt die Stirn, als ich ihm davon erzählte, und in einer Woche muss ich zum Wiegen wiederkommen.
Ich habe frei, wir wollen in die Therme. Lust habe ich keine, aber wenn wir nicht fahren, gehe ich zum Sport, was die ES ganz hervorragend finden würde und ich irgendwie auch, aber ich will (?) doch ausprobieren, ob ich auch mit 3 Mal pro Woche überlebe, wenn ich nicht dann doch Samstag auch nochmal gehe. Und zumindest ein Teil von mir freut sich auf das warme Wasser und das Dampfbad, mich endlich mal wieder so richtig durchwärmen lassen. Dabei habe ich die Rechnung ohne meine Knochen gemacht, die im Dampfbad auf der gefliesten Sitzbank keine 5 Minuten aushalten – außerdem habe ich kalte Hände. Bei 45 Grad. Und von den Becken kommt auch nur eins in Frage, weil alles < 36 Grad eine Zumutung ist.
Auf der Rückfahrt. Immerhin, meine Füße sind warm, aber meine Hände nicht. Zehn Minuten später, der Hand von Schatz sei Dank, werden auch meine wieder wärmer. Dafür braucht es aber wohl das Blut aus Gehirn und Füßen. Füße kalt, und ich könnte trotzdem auf der Stelle einschlafen. Dabei bin ich keinen einzigen Meter geschwommen. Mein Kreislauf fand das Temperaturgefüge aber scheinbar mehr als ermüdend. Ich könnte heulen vor Erschöpfung. Beim Einkaufen habe ich Sorge, einfach umzufallen. Ob schlafend oder ohnmächtig ist mir egal. Liegen klingt verlockend.
Den Plan meiner Ernährungsberaterin finde ich wahlweise utopisch oder okay. Geschafft habe ich ihn noch an keinem einzigen Tag seit Samstag, als ich ihn für mich angepasst habe.
Ich bin so müde.
Zehrend
Ich bin so müde, dass es weh tut. Nicht unbedingt mir, aber anderen, die ich ich in der Luft zerreißen möchte, einfach nur, weil sie da sind. Und wach.
Ich weiß gar nicht genau, seit wann ich schlecht schlafe. Zwei Nächte sicher. Gefühlt hundert. Real immer die auf einen Arbeitstag und manchmal auch andere. So wie heute.
Mein Kopf schmerzt, so wie es mein Körper auf der weichen steinharten Matratze tat. Liegen tut weh. Sitzen tut weh. Aber hauptsache, ich habe die Kontrolle. °an der Stelle verdreht die ES mal gepflegt die Augen und schnaubt verächtlich°
Das macht so keinen Spaß. Wirklich nicht.
Hintergrundrauschen
Alles, was hängen bleibt, ist „noch nicht so schlimm„. Dass dieses Fragment aus dem Zusammenhang gerissen ist und der vollständigere Satz „…die wog nur noch 33 kg und alle Knochen standen ganz spitz raus. Bei dir ist das hoffentlich noch nicht so schlimm?“ eine zumindest etwas andere Aussage trifft als dieses Fragment, interessiert die ES nicht. Und sie ist raffiniert, weil sie alles, was an Gedanken und Gefühlen durch diese Worte passiert, außerhalb meines Zugriffs hält. Alles läuft mindestens eine Ebene tiefer ab, und lässt mich nicht schlafen.
Also frage ich mich stattdessen – weil ich ja eh wach und hundemüde im Bett rumliege – wie es weitergehen soll. Ich muss diese Ernährungsberatung machen. Ich habe keine Lust auf Frieren, einen im Sitzen und Liegen schmerzenden Körper, Haarausfall, Osteoporose und was sonst noch so an Folgen aus der ES resultieren kann. Das sagt mein Kopf. Das weiß mein Kopf. Aber meinem Gefühl ist der ganze Körperkram schlicht egal. Alles abstrakt, alles nicht meine Baustelle. Es geht nicht um meinen Körper, es geht um was anderes, und das hat Priorität. In einer Absolutheit, von der ich nicht weiß, wie ich sie umgehen und über mein Denken und Handeln mein Gefühl in die vermeintlich richtige Richtung lenken soll.
Will. Nicht.
Im Traum fühle ich mich unendlich erschöpft. Ich liege draußen im Gras und heule, weil ich nicht mehr kann. Wovon ich nicht mehr kann, weiß ich nicht (mehr), aber das Gefühl ist allumfassend.
Als ich aufwache, erscheint jede Bewegung zu viel. Allein aufzustehen kostet unendlich viel Überwindung und Kraft. Viel lieber würde ich liegen bleiben, aber etwas treibt mich dann doch nach zehnminütigem Kampf aus dem Bett.
Der erhoffte Effekt vom Kaffee bleibt aus und liebend gern würde ich mich wieder hinlegen – Zeit wäre genug, der erste Therapietermin ist erst um zwanzig nach zehn. Aber ich muss zum Sport, und das ist nicht verhandelbar.
Mein Körper will keinen Sport machen. Sagt er. Ziemlich laut. Ich höre nicht zu. Stattdessen trage ich ihn ins angrenzende Fitnessstudio, während er sich denkt, dass das nun echt nicht mein Ernst sein kann. Ist es. Mein voller.
Er sieht das anders, aber das ist mir egal. Also macht er mit, um anschließend nur noch mehr zu motzen, dass er schlafen will. Geht aber nicht, weil: Körpertherapie. Ausgerechnet. Mein Kreislauf steigt inzwischen in den Protest mit ein. Soll er doch.
Ich ziehe trotzdem brav all meine Termine heute durch und falle nach dem Abendessen endlich aufs Bett.
Der Gedanke, dass ich für tägliches Training zu wenig das Falsche esse, kommt kurz vorbei, aber wie in der Achtsamkeit gelernt lasse ich ihn ziehen.
Morgen? Zum Sport natürlich. Da muss er schon deutlicher werden, mein Körper.
F32.1G
Gestern ist mein Zombie-Ich für mich arbeiten. Während ich damit beschäftigt bin, zwischen Schwindel, Kopfschmerzen und allerlei anderem unlustigen Körperkram mein Leben zu zerdenken, tut es so, als würde es seinen Job machen.
Dass andere das wirklich als „Arbeit“ auffassen könnten, was ich da gerade vor mich hin fabriziere, erscheint mir allerdings unmöglich. Ich tue es ja selbst nicht.
Ich schlafe kaum, stattdessen verbringe ich die Nacht, die wieder einmal promillelastig beginnt, damit, weiter alles zu zerdenken, was mir in den Sinn kommt – vorallem die Frage, ob ich heute zum Arzt gehe, obwohl mich niemand dazu zwingt. Als der Arbeitswecker geht, habe ich meine Entscheidung ungefähr 12573 Mal negiert, aber jetzt aufzustehen erscheint mir noch viel unmöglicher, als später beim Doc zu sitzen.
Und auch, wenn ich die Hälfte von dem, was ich mir nachts seitenweise zu sagen ausgedacht habe, vergesse, hört er mir zu und schmeißt mich wider Erwarten nicht mit den Worten, ich solle mich gefälligst nicht so anstellen, raus. Sogar eine AU, die ich meinem ungläubigen Ich vor die Nase halten kann, habe ich nun. Zwei Tage, in denen ich mich mir zuwenden darf und soll. Zwei Tage, in denen ich mich um neue therapeutische Hilfe kümmern soll, und um Termine für Kinesiologie. Gerade spüre ich einen Hauch Zuversicht. Einen klitzekleinen.