Determinismus

Der pridinolunterstützte Benzodiazepinmatsch in meinem Kopf sorgt für eine nicht unangenehme Flauschigkeit im ganzen Körper, begrenzt meine Wortfindungsfähigkeiten aber auf ähnlich einschränkende Weise wie das Zuviel an Gedanken, wegen derer ich den Flausch heute Nachmittag induziere und hoffe, dass er mich später noch ins Bett begleitet.
Der unangenehme Geruch aus Schrödingers Kiste lässt sich nicht mehr ignorieren und ich habe die naive Vorstellung, mich des Problems an einem einzigen Tag zu entledigen, nach Anheben des Deckels gleich dazu gelegt und die Kiste wieder zu gemacht.
Ich kann nicht denken und nicht fühlen, Rosa bockt und ich habe keine Energie (ach?!), mich mit irgendetwas davon näher auseinanderzusetzen. Finde den Fehler.

Samhain

Körper denkt sich, zu Halloween gehört sich gegruselt, also blutet er nach 274 Tagen einfach mal. Super Idee. Nicht.
Rosa und ich werten es einvernehmlich als persönliches Versagen, vor allem weil eigentlich nix anders läuft (außer der Mens) und wir uns fragen, warum? Braucht schließlich kein Mensch und Osteoporose bekommen eh nur die anderen.
Immerhin erklärt sich auf diesem Wege aber mein dermatologisches Aufblühen der letzten Tage und vielleicht auch das schwappende Gefühl in meinen Beinen – beides auf wundersame Weise seit gestern verschwunden.
Nicht verschwunden ist dagegen das ausgeschaltete Licht in mir drin. Pünktlich zum Urlaub hat nämlich jemand auf den Hauptschalter gedrückt und jetzt sitze ich hier im Finstern und finde den fucking bunten Herbst bei Sonnenschein halt ungefähr genauso geil wie die Halloweenüberraschung.

Inapparent

Körper ist on fire. Dass er dabei nicht glüht, finde ich ausgesprochen nett, weil dann wär Sport natürlich so ne Sache. Aber wenn nur die Lymphknoten motzen, dass da wohl was wäre, ist das zwar lästig – zumal ich nicht wusste, dass die in den Achseln derart weh tun können, vorallem wenn man Nachts auf der Seite schläft und die schön einklemmt – aber kein Hinderungsgrund. Sagt übrigens auch Herr Doktor und das Blutbild.
Allerdings gibt es da wohl doch einige Lieferschwierigkeiten heute. Nicht, dass das Rosa und mich davon abhalten würde, das übliche Programm im Fitnessstudio einzufordern, aber sagen wir mal so: könnte mich bitte jemand ins Bett tragen? Gut, Schatz hätte das ausgesprochen gerne schon unter der Dusche in die Wege geleitet, aber das ist ganz sehr nicht das, was ich meine – auch wenn ich mir seiner Intimitätenunterversorgung durchaus bewusst bin und das schlechte Gewissen an mir nagt (nein, er fordert hier nichts von mir, um das klarzustellen).

Immerhin, mit Blick auf die Uhr sagt Rosa, ich darf gleich mein – natürlich schon vorgeplantes und dann abgewogenes – Abendessen haben, auch wenn Körper nicht schon von Weitem aussieht, als wäre sie nach wie vor anwesend. Doof ist nur, dass ich für die Zubereitung stehen muss und Körper das gerade nahezu unzumutbar findet.

Physis

°Triumphal ist das Wort, was du suchst°, sagt sie, während ich versuche, ihren Gesichtsausdruck zu beschreiben. Und Rosa hat Recht, etwas anderes fällt mir tatsächlich nicht dafür ein, wie sie so vor mir steht und mit den beiden Vergleichsmessungen der Bioimpedanzanalyse aus dem Studio rumwedelt.
Und in der Tat denke ich, wir haben den heiligen Gral entdeckt. Muskeln auf- und Körperfett abgebaut. Alter, was will man mehr? °Mehr Energie? Menstruation? Käsespätzle?° wirft Körper ein, aber Rosa schüttelt nur selbstgefällig den Kopf und rahmt sich gedanklich den Fortschritt ein.
Allerdings ist da ja noch das Körpergefühl und das ist ne Weile eher so °meh° und dann kommt auch noch meine Mama zu Besuch. Also starten wir zwar sehr enthusiastisch den neu angepassten Trainingsplan, streichen aber gleich mal ne Zwischenmahlzeit – sicher ist sicher.

Und jetzt ist es Heute und Mama auf dem Heimweg und die Zwischenmahlzeit wieder vorsichtig erlaubt. Das heilt zwar Rosa nicht, aber das ist ja schließlich auch nicht das Ziel.

Aërobatae

(Ab-)Satzfragmente geistern durch meinen Kopf und kollidieren dort in steter Regelmäßigkeit mit Gedanken an Essen, weshalb beides auch ausgesprochen kleinteilig bleibt. Unterdessen diskutiere ich zeitgleich mit Körper und Rosa, weil der eine weiterhin nicht menstruieren mag und nach mehr als nur Safe- und VolumeFood verlangt und die andere ebenjenes verweigert, auch wenn wir Urlaub haben und ich gerne den Afghanen ausprobieren würde. (Nö.)
Da kann ich noch so lange auf und auch nicht auf dem visuell sehr gehaltvollen BuGa-Gelände rumlatschen, Rosa zeigt sich wenig verständnisvoll und besteht auf abgezählte Kalorien. Den Keks zum Latte schmuggle ich an ihr vorbei, aber mehr ist echt nicht drin. Also schmollt nicht nur Körper, sondern auch ich, aber oh mein gott, ich könnte kaum dankbarer sein für den großartigen Job, den Rosa macht. Blöde Kuh.

Inkonklusiv

Mein Ego lässt sich in mentaler Dauerschleife nach wie vor vom Chef den Bauch kraulen, und das schon seit Freitag. So schnurrt es fast zufrieden vor sich hin und hält Orange damit etwas in Schach, die schon länger, aber seit knapp zwei Wochen so richtig hustled und mich auch an diesem Wochenende überaus gerne an die noch folgenden Tage erinnert, weil – es sind nur noch 2 Wochen bis zum Urlaub und ich muss noch dieses und jenes und das am Besten auch noch erledigen. Immerhin, Chef sieht, was ich bisher schon alles jongliere und ich kann ihm sogar sagen, dass es viel ist und ich nicht nur versuche, nur so viel zu machen, wie nachhaltig möglich ist.
Trotzdem bekomme ich so vieles in meinem Kopf nicht sortiert, geschweige denn, aufgeräumt und eigentlich will ich da oben nicht mit mir alleine sein. Aber in das Chaos kann man echt keinen reinlassen, auch wenn ich alles in einen Schrank stopfe und die Tür zu mache. Ich muss davor sitzen bleiben, damit sie zu bleibt – Rosa leistet mit Gesellschaft, streitet sich aber dauernd mit Ratio und Körper und mir.
Dennoch ist es auch irgendwie okay – alter, es ist Sommer, jedes Wochenende Bergtour, ich existiere nicht mehr nur von Wochenende zu Wochenende… Vielleicht ist das einfach Leben. Oder? Oder?

Heute ist es 366 Tage her, dass ich mich aus der Psychiatrie entlassen habe, in die ich mich vor 369 Tagen selbst eingewiesen habe – nur, um elf Tage später wieder an deren Tür zu klopfen. Musste ich nur mal sagen – tatsächlich ohne Hintergedanken.