°

„Was willst du?!“
Die Worte (nein, Schreie, verbesserte sie sich in Gedanken) donnerten durch den Raum und hallten so laut in ihrem Kopf wider, dass sie zunächst Mühe hatte, sie überhaupt als solche zu identifizieren, geschweige denn, ihnen einen Sinn abzugewinnen. Das Dröhnen in ihren Ohren ließ nur langsam nach, und die darauffolgende Stille war beinahe lauter und unangenehmer als die Worte zuvor, die so unvermittelt die Zeit zerschnitten hatten, scharf wie eine Rasierklinge. Eine unangenehme Pause, die sie sich dennoch nicht zu unterbrechen traute.
„Was?!“
Ein einzelnes Wort, eine nahezu anklagende Frage, zermalmte erneut die Geräuschlosigkeit. Noch lauter als zuvor, aber auch eine Spur … verzweifelter? Sie spürte, wie die mühsam zurückgehaltenen Emotionen dennoch in den Worten mitschwangen und ihnen weit mehr Bedeutung verliehen, als die reine Heftigkeit, mir der sie ausgesprochen wurden, auch nur erahnen ließ. Wieder war die Stille so viel lauter, als es Worte je sein konnten.
„…bitte…“
Beinahe hätte sie es überhört so leise war es ausgesprochen worden. Die flehende Verzweiflung, die in diesem Flüstern lag, zerriß ihr das Herz. Tränen stiegen ihr in die Augen, als sie begriff, wie sehr sie sich eine Antwort erhoffte.
Stille.

84 – Ins Licht

Ich habe so Tage, da möchte ich es herausschreien: seht her, ich habe Depressionen, ich verletz(t)e mich selbst!
Die ganze Woche schon sind so Tage. Obwohl, oder gerade weil es mir gerade besser geht.

Selbstbild

Gestern habe ich Schatz gebeten, ein Foto von mir zu machen. Ich finde, es ist gut geworden – meine Bearbeitung macht es sogar sehr gut. Eine Dokumentation meiner Narben am linken Arm, mein unscharfer Oberkörper im weißen Top, kein Gesicht. Ich finde es großartig. Und ich weiß nicht, ob ich es überhaupt jemandem zeigen soll.
Ich fotografiere sehr gerne, habe eine eigene Homepage, und liebe es, tolle Fotos anzusehen. Dieses nun nicht einfach so teilen zu können, ist … seltsam frustrierend.

Dabei würde ich es gerne nehmen und meiner ganzen Familie und auch einigen Freunden zeigen – und es manchen gerne um die Ohren hauen. Diesen Teil meines Selbst präsentieren, von dem kaum einer weiß. Raus aus der Heimlichkeit. Raus aus dem Schweigen.

53 – Meinungsverschiedenheiten

Da sind sie wieder. Meinungsverschiedenheiten zwischen meinen States, Inkonsistenzen. Am Donnerstag hatte ich wegen der Schlaftabletten eine einigermaßen erholsame Nacht. Auch für die Nacht auf Freitag habe ich eine genommen, aber am Wochenende wollte ich es ohne versuchen. So lag ich in der Nacht auf Samstag dann doch mehr wach, als dass ich geschlafen hätte, und die letzte Nacht waren zwar ein paar Stunden Tiefschlaf drin, aber richtig ausgeschlafen bin ich dennoch nicht. Donnerstag fühlte ich mich stark, seit Freitag geht die Kurve aber nach unten. Grün tritt in den Hintergrund, und irgendwer anders hat das Zepter übernommen.

Heute bin ich nicht stark.

Weiterlesen

18

Chaos. Grenzenloses, nicht beherrschbares Chaos. Mein Kopf ist voll mit Gedankenfetzen. Sie sind so schnell, so unfassbar viele, dass sie sich gegenseitig zerreißen. Meine Konzentration will jedem einzelnen davon folgen und verliert sich. Meine Augen flackern, mein Kopf versucht vergeblich, die Fetzen zu halten, zu ordnen. Mein Herz jagt ihnen hinterher, aber holt sie nicht ein. Jeden seiner Schritte brüllt es mir ins Ohr, um den Lärm zu übertönen, der von anderswo kommt. Grelles, monotones Pfeifen, mein stampfender Puls, alle Geräusche kämpfen um Gehör, werden lauter und drohender. Keine Rücksicht, jeder Laut, jeder Gedanken will beachtet werden und kämpft mit Krallen und Zähnen um die Vorherrschaft.

Chaos. Allumfassend. Auflösend.

14.09.2015

7

Sie wusste nicht, ob sie flog oder fiel. In einem unendlichen, winzigen Raum, durch strahlend helle Dunkelheit, wo die Stille brüllend laut war. Sie ertrank im Licht und füllte ihre Lungen mit Schwärze, in ihren Ohren rauschte die Zeit. Ihre rasenden Gedanken wanden sich in quälender Langsamkeit durch ihren Kopf. Oben ist unten ist oben. Helldunkel.

27.03.2015

6

Es war so unendlich laut, konnte das nicht endlich aufhören? Wimmernd sank sie in sich zusammen und hielt sich die Ohren zu, doch das Kreischen wollte einfach nicht leiser werden. Schwarz, alles schwarz um sie herum, doch die Schreie erzeugten grelle Lichtblitze hinter ihren Augen, die sie noch mehr verwirrten.

18.03.2015