Konglomerat

Latentes Kopfweh, Schmerzen in diversen Gelenken und anderer, vermutlich weitgehend selbst verschuldeter wie provozierter Körperkram machen diesen Tag anstrengender, als er sein sollte.
In einer Woche soll ich mich bei Frau Ernährungsberaterin melden, ohne dass ich auch nur die Spur einer Idee weiter bin, was ich machen will.
Aber auch viel Schreiben gehört gerade nicht dazu.

Signalstärke

Ich komme nicht umhin, so etwas wie stille Bewunderung zu empfinden für die Körper der richtig Magersüchtigen.
Mein Körper hat heute das Schutzglas vor dem Not-Aus-Schalter mit dem Ellbogen zerschmettert, den Finger auf den Knopf gelegt und starrt mich wütend an. Weder er noch ich blinzeln.

Ich sitze in der Arbeit. An- und abschwellende Kopfschmerzen gesellen sich zu diffusem Schwindel und durchdringender Nervosität, die ich nicht verorten kann. Ich taste nach meinem Puls in der Erwartung, dass er zu schnell ist, dabei ist das Gegenteil der Fall. Deutlich unter 50 – sonst liege ich immer bei um die 70+. Ein Zustand, der mich am Ende dazu bringt, schon mittags Feierabend zu machen, weil ich in seinen Augen sehe, dass mein Körper ernsthaft in Betracht zieht, den Knopf zu drücken.

In den letzten drei Wochen kann ich dem körperlichen Abbau wie im Zeitraffer zuschauen. Bleierne Erschöpfung, die mich immer dann ereilt, wenn ich Leerlauf habe. So kalte Füße, dass ich meine, sie sterben gleich ab und die auch an der auf 5 stehenden Heizung nicht nachhaltig warm werden. Büschelweise Haarausfall. Schmerzen in jeglichen Sitz- oder Liegepositionen. Und ich bilde mir nicht nur ein, Lanugobehaarung zu entwickeln. Ganz zu schweigen vom bereits monatelangen Ausbleiben meiner Menstruation.

Also passt es irgendwie, dass ich heuteabend einen Termin bei meiner Ernährungsberaterin habe und wir mit dem Programm beginnen. Vor nichts habe ich gerade mehr Angst. In nichts setze ich gerade mehr Hoffnung.

Zehrend

Ich bin so müde, dass es weh tut. Nicht unbedingt mir, aber anderen, die ich ich in der Luft zerreißen möchte, einfach nur, weil sie da sind. Und wach.
Ich weiß gar nicht genau, seit wann ich schlecht schlafe. Zwei Nächte sicher. Gefühlt hundert. Real immer die auf einen Arbeitstag und manchmal auch andere. So wie heute.
Mein Kopf schmerzt, so wie es mein Körper auf der weichen steinharten Matratze tat. Liegen tut weh. Sitzen tut weh. Aber hauptsache, ich habe die Kontrolle. °an der Stelle verdreht die ES mal gepflegt die Augen und schnaubt verächtlich°

Das macht so keinen Spaß. Wirklich nicht.

Tonnen

Etwas sitzt schwer und unsichtbar auf meinem Brustkorb und schnürt mir den Hals zu. Etwas, das nicht sagt, was es ist oder woher es kommt. Oder wie ich es wieder loswerde. Wahrscheinlich ist es das selbe Etwas, dass mir seit Tagen Kopfschmerzen und latenten Schwindel beschert hat. Funktionieren funktioniert nicht, wenn ich keine Luft bekomme.

Nie genug

°Triggerwahrnung°

Meine Mama schreibt.

Hast du schon was von der Klinik gehört?
Nein.
Aber deinen Chef kannst du doch am Montag dann trotzdem vorbereiten, dass das kommt.
Das mag ich erst machen, wenn ich was genaues weiß. Nicht dass die sagen, ich passe nicht ins Konzept, bin nicht krank genug oder hab die falsche Nase…
Ja stimmt.
Und sie wechselt das Thema.

Ich weiß nicht, warum ich es immer wieder versuche. Bestätigung von ihr zu bekommen, dass sie mich versteht, mich ernstnimmt. Mich aufbaut, mir Mut macht und relativiert, was ich schreibe. Schwarz stürzt sich natürlich darauf. Ich bin nicht krank genug!
Seit sie mir das schrieb, will ich mich betrinken und schneiden. Tief. Und ihr Bilder davon schicken und sie anschreien, ob es jetzt vielleicht ausreicht? Ob ich jetzt krank genug bin? Rot hat sich mit Schwarz zusammengetan und beide überfluten mich mit unendlich viel Wut, die nirgends hin kann. In meinem Kopf schmeiße ich sämtliches Geschirr an die Wand und brüllte, bis ich heiser bin. Kopfweh und Schwindel melden sich.
Ich antworte. Auf den Themenwechsel.