Unbunt

Heutemorgen.
Ich sollte wohl eigentlich nicht Auto fahren, weil alles nur automatisch läuft und ich mich alle paar Kilometer frage, wie ich diese nun genau hinter mich gebracht habe, weil mein Kopf ganz woanders ist. Aber sind keine Blaulichter im Rückspiegel, also muss es wohl gut funktioniert haben.

Heutemittag.
Der Tag so: *zwoooosh*
Ich so: *Warte auf mich, keine Zeit!*
Informationen prasseln auf mich ein, eine dringende Aufgabe reiht sich an die Nächste, und Besprechungen wollen auch noch abgehalten werden.
Ich muss pinkeln, aber erst nach einer Ewigkeit fällt mir ein, dass ich einfach mal aufs Klo gehen könnte.

Heutenachmittag.
Mein Kopf streikt, zu viele Infos, gearbeitet habe ich jetzt auch lange genug. Feierabend. Fahren geht nebenher, während ich über den Tag nachdenke und mich relativ unbesiegbar fühle. Zwar bin ich in einer wichtigen Angelegenheit nun der entgegengesetzten Meinung von vor 2 Wochen, aber diese fühlt sich richtig an. Die vor 2 Wochen damals auch, aber das lasse ich außen vor. Grün fragt sich, wer sich eigentlich den ganzen Psychokram ausdenkt und wo genau das Problem liegen soll. Ich frage mich, wann genau Grün aufgetaucht ist.

Jetzt.
Häh? Seltsamer Tag. Ein Hoch auf EgoStates. Und so.

Bestandsaufnahme

Müdigkeit wogt durch meinen Kopf. Draussen zwitschern die Vögel in der Frühsommersonne. Mein Ohrgeräusch zwitschert mit und wird für einen Moment so laut, dass das Vogelzwitschern in den Hintergrund tritt. Mein Kiefer ist verspannt.
Ich betrachte das vergangene Wochenende voller Reden, Wandern, Sonne, Erleben und Geselligkeit und frage mich, ob es mir gut geht. Oder nicht.
Am Wochenende ging es mir gut, denn zum Denken hatte ich keine Zeit. Eindrücke aufsaugen in der Natur und in Gesprächen, unterwegs sein, abends gemeinsam essen und spielen.
Jetzt ist da ein Uff! in meinem Kopf, weil es so viel war und ich zwischendurch keine Zeit hatte, alles zu verarbeiten und zu sortieren. Und natürlich die Frage, die ich mir nach solchen Tagen immer stelle. Die, ob ich mich bloß anstelle.
Dass ich einfach dem Ist etwas Raum geben könnte, auf die Idee komme ich garnicht erst. Oder erst jetzt gerade. Ja, ich bin müde. Ja, mein Ohrgeräusch ist da. Ja, mein Kiefer tut weh, weil ich die Zähne mal wieder aufeinanderpresse, ohne es zu merken. Ja, ich zähle die Tage – ich weiß nur nicht, welche genau.

Einigen wir uns auf „instabil“

Weil ich nach wie vor nicht weiß, wie ich meinen Zustand beschreiben soll, habe ich mich intern auf „instabil“ geeinigt. Ja, es wird besser, aber nicht linear, nicht schnell ansteigend. Eher in einem anstrengenden Auf und Ab. Immerhin, das Wetter ist auf meiner Seite. Sonne hilft, dass es Innen heller und wärmer ist, als es ohne wäre.

Ich weiß garnicht, was ich groß schreiben könnte. Ich fühle mich gestresst, weil wir über die Feiertage mit Freunden ein Ferienhaus gemietet haben und wandern wollen, ich dann aber wenig Ich-Zeit habe und wenig routiniert essen kann. Außerdem bekomme ich heute oder morgen meine Tage, die selten nie beschwerdefrei an mir vorübergehen und eher nach Sofa als nach langen Wanderungen schreien. Dafür sind mir meine Narben, von denen sie bisher nichts wissen, die aber bei 20 Grad sicher sichtbar sein werden, erstaunlich egal.
Immerhin, zwei weitere Tage (plus heute) habe ich frei.

Auf zum Atem.

Stress? Dagegen gibts doch ne Pille!

Den Eindruck gewinne ich zumindest, wenn ich die derzeitige Fernsehwerbung so sehe. Egal, ob Stress im Beruf, in der Familie oder sonstwo – nimm XY, und du bist wieder leistungsfähig. Und wenn es doch schon zu nem Tinnitus geführt hat, gibts dagegen jetzt auch was.
Und am Ende jedes dieser Werbespots heißt es sinngemäß, “viel los ist immer noch, aber so macht es mir garnichts mehr aus!“.
Hm. Also lieber Tabletten, als etwas am Grundproblem ändern. Super Idee.

Der Vergleich hinkt etwas, aber weil ich schon länger etwas dazu schreiben wollte: ein bisschen erinnert es mich an Verhaltenstherapie. Es ist eigentlich der Grund, warum ich keine Verlängerung beantragt habe – weil es die Ursache nicht oder nur bedingt behebt. Natürlich, ich habe Skills gelernt, bin selbstbewusster geworden durch kleine Aufgaben, die ich gestellt bekam, habe mich selbst mehr beobachtet und kann dadurch Verhaltensmuster ändern, die mich stören. Für viele sicher ein guter Weg, um besser zurecht zu kommen – wie auch in manchen Punkten für mich. Aber letztenendes zielt sie darauf ab, dass ich wieder funktioniere, leistungsfähig bin und in allen Stressvermeidungs- und -abbaustrategien in die Gesellschaft passe. Wenn ich mich durch das Gelernte auch noch wohler und sicherer fühle, umso besser.
Aber ich möchte verstehen, warum gewisser Stress bei mir negativ wirkt und ich in negative Denk- und Verhaltensmuster falle, während mich andere Dinge eher wenig in diese Richtung bringen. Ich möchte verstehen, warum ich die Krise bekomme, wenn ich nur an gewisse Dinge denke. Und ich möchte verstehen, wer ich bin und warum.

Ich möchte verstehen, warum es mir gerade ziemlich/erstaunlich/erschreckend gut geht und es mich so sehr verunsichert. Da war keine Pille. Zumindest weiß ich von keiner.

Setzen, 6!

Als uns die Klassenarbeit vorgesetzt wird, die aus einer Mischung aus Psychologie, Biologie, Chemie, Mathe und Physik besteht, macht mich das genauso wenig stutzig wie die Tatsache, dass neben Klassenkameraden auch Mitarbeiter und Kollegen von mir mit im Raum sitzen.
Wir haben eine Schulstunde Zeit, der Fragenkatalog ist kilometerlang, der Vordruck für die Antworten ist viel zu knapp bemessen. Ich habe nicht gelernt, fällt mir siedend heiß ein, während die anderen fleissig drauflos schreiben. Habe schlichtweg vergessen, dass wir eine Arbeit schreiben oder dass ich noch zur Schule gehe.
Ich hänge immernoch an der ersten Frage, als ich bei anderen sehe, wie sie Frage 13 beantworten und beiläufig chemische Experimente durchgeführen. Mein Bleistift funktioniert nicht richtig, und als ich kurzfristig auf die grün gemusterte Tapete ausweichen muss, weil mir der Platz ausgeht, kann man meine Schrift gar nicht mehr lesen.
Ich bin gestresst, und habe solche Angst davor, zu versagen.

Ich wache auf, weil Schatz aufsteht. Fühle mich wie gerädert, weil ich gestern ewig lang wach lag und nachgedacht habe. Und jetzt dieser Traum, der mich immer noch gestresst fühlen lässt.
Irgendwann schlafe ich tatsächlich wieder ein. Nur, um in weiteren seltsamen Träumen von meinem vorigen Traum zu erzählen und weitere wirre Dinge zu erleben.

Ich wache auf, weil meine Blase findet, dass ich lang genug im Bett war. Ich bin anderer Meinung, vorallem, was die Schlafdauer angeht, aber ich ziehe den Kürzeren.

Kaffee, endlich. Ein gestresstes Gefühl, das mich wahrscheinlich den ganzen Tag begleiten wird. Die Bedeutung des Traums ist, wie die der anderen, nicht schwer zu erraten. Wirklich nachdenken mag ich darüber aber nicht. Mach ich dann heutabend. Wenn ich im Bett liege und schlafen will.

Routine

Ich finde Routine großartig. Und Beständigkeit. Klingt vielleicht langweilig, aber an der Stelle ist wohl ein kleiner Autist an mir verloren gegangen. Unnötig zu erwähnen, wie ätzend ich es finde, wenn mal etwas anders läuft, als ich es gewohnt bin.
Ich esse unter der Woche immer das Gleiche. Mein Mittagessen, welches ich mir mit in die Firma nehme, habe ich seit 9 Jahren nicht verändert und mein Abendessen variiere ich maximal in einzelnen Zutaten. Und das ganz unabhängig von meinem derzeitigen Essproblem, welches das Ganze nicht leichter macht.
Auch meine Tagesabläufe sind gleichförmig, die Wochenenden meist vorhersehbar. Und ich liebe es.

Gebracht hat mich auf diese Gedanken der Umstand, dass mein Lieblingsbäcker, der noch eine eigene Backstube hat, demnächst unter – mir noch unbekannte – neue Leitung gestellt wird. Keine Kette, hoffentlich. Natürlich wird es dort weiterhin Brot geben. Aber ich fänd es besser, wenn es einfach so bleibt, wie es ist, weil es gut ist, wie es ist.

So wird auch die kommende Woche eine Herausforderung für mich. Von Montagmittag bis Dienstagabend bin ich auf einem Seminar in einem Hotel (und muss dann dort auch Essen), Donnerstag gibt es ein nachmittägliches kleines TeamEvent, Freitag treffe ich mich mit einer Freundin* – nur der Mittwoch wird einigermaßen normal laufen.

Ich hoffe also, dass ich die kommende Woche gut überstehe – wenn es mir so geht wie heute, könnte das sogar klappen, weil es mir erstaunlich gut geht heute. Dann habe ich endlich Urlaub.

* Freundin. Ja, ich bin mal mutig und nenne sie so. Diejenige, die ich beim Klettern kennengelernt und danach schon einmal wieder getroffen habe. Sie hat mich zu sich eingeladen, Kaffee trinken, Karten spielen, Reden. Wäre schön, wenn es Freundschaft wird.