Stress? Dagegen gibts doch ne Pille!

Den Eindruck gewinne ich zumindest, wenn ich die derzeitige Fernsehwerbung so sehe. Egal, ob Stress im Beruf, in der Familie oder sonstwo – nimm XY, und du bist wieder leistungsfähig. Und wenn es doch schon zu nem Tinnitus geführt hat, gibts dagegen jetzt auch was.
Und am Ende jedes dieser Werbespots heißt es sinngemäß, “viel los ist immer noch, aber so macht es mir garnichts mehr aus!“.
Hm. Also lieber Tabletten, als etwas am Grundproblem ändern. Super Idee.

Der Vergleich hinkt etwas, aber weil ich schon länger etwas dazu schreiben wollte: ein bisschen erinnert es mich an Verhaltenstherapie. Es ist eigentlich der Grund, warum ich keine Verlängerung beantragt habe – weil es die Ursache nicht oder nur bedingt behebt. Natürlich, ich habe Skills gelernt, bin selbstbewusster geworden durch kleine Aufgaben, die ich gestellt bekam, habe mich selbst mehr beobachtet und kann dadurch Verhaltensmuster ändern, die mich stören. Für viele sicher ein guter Weg, um besser zurecht zu kommen – wie auch in manchen Punkten für mich. Aber letztenendes zielt sie darauf ab, dass ich wieder funktioniere, leistungsfähig bin und in allen Stressvermeidungs- und -abbaustrategien in die Gesellschaft passe. Wenn ich mich durch das Gelernte auch noch wohler und sicherer fühle, umso besser.
Aber ich möchte verstehen, warum gewisser Stress bei mir negativ wirkt und ich in negative Denk- und Verhaltensmuster falle, während mich andere Dinge eher wenig in diese Richtung bringen. Ich möchte verstehen, warum ich die Krise bekomme, wenn ich nur an gewisse Dinge denke. Und ich möchte verstehen, wer ich bin und warum.

Ich möchte verstehen, warum es mir gerade ziemlich/erstaunlich/erschreckend gut geht und es mich so sehr verunsichert. Da war keine Pille. Zumindest weiß ich von keiner.

6 Kommentare zu „Stress? Dagegen gibts doch ne Pille!“

  1. … etwas verstehen wollen, das kenne ich zu gut. Ich bilde mir ein, dass ich Dinge besser akzeptieren kann, wenn ich sie verstehe. Auf der Suche, mich besser zu verstehen habe ich vor zwei Jahren einen Kurs der „evangelischen Familienbildungsstätte“ kurz: EFB mit dem Titel „sich selbst besser verstehen (kennen) lernen“ besucht. Es war ein Einblick, ein kurzer Anriss der „Transaktionsanalyse“ (TA) nach Eric Berne. Mir persönlich gefällt diese Richtung und Denkweise, … allerdings bin ich darin nicht so bewandert, dass ich mich trauen würde, dir mehr als den Denkanstoß zu geben, dich, wenn du magst, mal darüber zu informieren.
    Ich würde nie so weit gehen, zu behaupten, dass die TA der Schlüssel für was auch immer ist. Ich finde es schlicht spannend …
    UND: sich in Schubladen pressen lassen, dass sollte keiner tun! Wer bitte legt die „Norm“ fest?! Angepasste Persönlichkeiten gibt es zu Genüge.

    Gefällt 2 Personen

      1. Frag‘ mich, frag‘ mich! *wink* 😉
        Einen seriösen Einblick bekommst du sicher in diesem Interview mit Heinrich Hagehülsmann hier:

        Heinrich gehört mit seiner Frau Ute zu den Koryphäen der Deutschen Gesellschaft für Transaktionsanalyse. Ich muss gestehen, ich habe dieses Interview noch nicht angesehen, aber ich gehe stark davon aus, dass es gut ist. 😉 Ist allerdings natürlich ziemlich lang, andererseits ist die TA eigentlich doch ziemlich komplex, was in den meisten Darstellungen nicht so richtig rüberkommt (weil die meist nicht von TAlern gemacht sind)…

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    1. Natüüürlich ist die TA der Schlüssel zu allem! (Meine therapeutische Heimat ist die TA ;-))
      Spaß beiseite, natürlich ist die TA auch keine Zauberkiste. Was mir aber an ihr so unglaublich gut gefällt, ist die Flexibilität, die man durch sie hat. Zugrunde liegt ein psychodynamisches Modell, das sich aber an passenden Stellen ganz leicht durch verhaltenstherapeutische Elemente erweitern lässt. Den klassischen Grabenkampf, den die VTler und die Psychoanalytiker so gerne ausfechten (wird inzwischen aber auch etwas besser…), gibt es innerhalb der TA so nicht; da gibt es „einfach“ die Synthese im Modell. Zusätzlich schätze ich an der TA die Ethik, die sich insbesondere in der humanistischen Haltung auf Augenhöhe gegenüber dem Patienten/Klienten ausdrückt.
      So, genug geschwärmt! 🙂

      Gefällt 2 Personen

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