Determinismus

Der pridinolunterstützte Benzodiazepinmatsch in meinem Kopf sorgt für eine nicht unangenehme Flauschigkeit im ganzen Körper, begrenzt meine Wortfindungsfähigkeiten aber auf ähnlich einschränkende Weise wie das Zuviel an Gedanken, wegen derer ich den Flausch heute Nachmittag induziere und hoffe, dass er mich später noch ins Bett begleitet.
Der unangenehme Geruch aus Schrödingers Kiste lässt sich nicht mehr ignorieren und ich habe die naive Vorstellung, mich des Problems an einem einzigen Tag zu entledigen, nach Anheben des Deckels gleich dazu gelegt und die Kiste wieder zu gemacht.
Ich kann nicht denken und nicht fühlen, Rosa bockt und ich habe keine Energie (ach?!), mich mit irgendetwas davon näher auseinanderzusetzen. Finde den Fehler.

Samhain

Körper denkt sich, zu Halloween gehört sich gegruselt, also blutet er nach 274 Tagen einfach mal. Super Idee. Nicht.
Rosa und ich werten es einvernehmlich als persönliches Versagen, vor allem weil eigentlich nix anders läuft (außer der Mens) und wir uns fragen, warum? Braucht schließlich kein Mensch und Osteoporose bekommen eh nur die anderen.
Immerhin erklärt sich auf diesem Wege aber mein dermatologisches Aufblühen der letzten Tage und vielleicht auch das schwappende Gefühl in meinen Beinen – beides auf wundersame Weise seit gestern verschwunden.
Nicht verschwunden ist dagegen das ausgeschaltete Licht in mir drin. Pünktlich zum Urlaub hat nämlich jemand auf den Hauptschalter gedrückt und jetzt sitze ich hier im Finstern und finde den fucking bunten Herbst bei Sonnenschein halt ungefähr genauso geil wie die Halloweenüberraschung.

Karaoke

Während meiner Einzelpersonenbeförderung ist es ja zum Glück relativ egal, dass ich meine gesanglichen Fähigkeiten nicht ganz zu Unrecht als eher so mittel beschreiben würde, so lange ich die Fenster geschlossen halte. Aber seit wenigen Wochen kann ich überhaupt wieder etwas Radio hören, wenn ich im Auto unterwegs bin, ohne mich maßlos überfordert zu fühlen, und damit kommt auch – wie bereits gelegentlich beim Putzen daheim – die Lust zurück, lauthals und entsprechend schief mitzusingen. Sing like no one is listening – because no one is listening – lautet die theoretische Devise. Praktisch hört immer diejenige in meinem Kopf mit, die gerade auf der Gefühlskiste sitzt – und die reißt es jedes. einzelne. Mal. dazu hin, aus nicht näher definierten Gründen jubilierend aufzuspringen. So dann auch eben jene Gefühlskiste, deren pharmazeutische Ketten ja nun schon vor einer Weile entfernt wurden. Und die knallt mir dann ihren Inhalt ebenso unaufgefordert wie schonungslos um die Ohren, wodurch ich spätestens beim ersten Refrain die Wahl habe: umgehend meinen Mund halten oder – vollkommen genreunabhängig – heulend zusammenbrechen, ohne auch nur den Grund dafür zu erahnen. Also, die theoretische Wahl. Weil, natürlich hat die innere Laola umgehend alles wieder restlos einzusammeln und sich hinzusetzen. Hab ja schließlich besseres zu tun. An einem Sonntag nach dem °ich.bin.so.dumm.schaueinmeineFirmenmailsundentdeckeeineunumgänglicheEssens“einladung“° durchdrehen zum Beispiel.

Inapparent

Körper ist on fire. Dass er dabei nicht glüht, finde ich ausgesprochen nett, weil dann wär Sport natürlich so ne Sache. Aber wenn nur die Lymphknoten motzen, dass da wohl was wäre, ist das zwar lästig – zumal ich nicht wusste, dass die in den Achseln derart weh tun können, vorallem wenn man Nachts auf der Seite schläft und die schön einklemmt – aber kein Hinderungsgrund. Sagt übrigens auch Herr Doktor und das Blutbild.
Allerdings gibt es da wohl doch einige Lieferschwierigkeiten heute. Nicht, dass das Rosa und mich davon abhalten würde, das übliche Programm im Fitnessstudio einzufordern, aber sagen wir mal so: könnte mich bitte jemand ins Bett tragen? Gut, Schatz hätte das ausgesprochen gerne schon unter der Dusche in die Wege geleitet, aber das ist ganz sehr nicht das, was ich meine – auch wenn ich mir seiner Intimitätenunterversorgung durchaus bewusst bin und das schlechte Gewissen an mir nagt (nein, er fordert hier nichts von mir, um das klarzustellen).

Immerhin, mit Blick auf die Uhr sagt Rosa, ich darf gleich mein – natürlich schon vorgeplantes und dann abgewogenes – Abendessen haben, auch wenn Körper nicht schon von Weitem aussieht, als wäre sie nach wie vor anwesend. Doof ist nur, dass ich für die Zubereitung stehen muss und Körper das gerade nahezu unzumutbar findet.

Physis

°Triumphal ist das Wort, was du suchst°, sagt sie, während ich versuche, ihren Gesichtsausdruck zu beschreiben. Und Rosa hat Recht, etwas anderes fällt mir tatsächlich nicht dafür ein, wie sie so vor mir steht und mit den beiden Vergleichsmessungen der Bioimpedanzanalyse aus dem Studio rumwedelt.
Und in der Tat denke ich, wir haben den heiligen Gral entdeckt. Muskeln auf- und Körperfett abgebaut. Alter, was will man mehr? °Mehr Energie? Menstruation? Käsespätzle?° wirft Körper ein, aber Rosa schüttelt nur selbstgefällig den Kopf und rahmt sich gedanklich den Fortschritt ein.
Allerdings ist da ja noch das Körpergefühl und das ist ne Weile eher so °meh° und dann kommt auch noch meine Mama zu Besuch. Also starten wir zwar sehr enthusiastisch den neu angepassten Trainingsplan, streichen aber gleich mal ne Zwischenmahlzeit – sicher ist sicher.

Und jetzt ist es Heute und Mama auf dem Heimweg und die Zwischenmahlzeit wieder vorsichtig erlaubt. Das heilt zwar Rosa nicht, aber das ist ja schließlich auch nicht das Ziel.

Aërobatae

(Ab-)Satzfragmente geistern durch meinen Kopf und kollidieren dort in steter Regelmäßigkeit mit Gedanken an Essen, weshalb beides auch ausgesprochen kleinteilig bleibt. Unterdessen diskutiere ich zeitgleich mit Körper und Rosa, weil der eine weiterhin nicht menstruieren mag und nach mehr als nur Safe- und VolumeFood verlangt und die andere ebenjenes verweigert, auch wenn wir Urlaub haben und ich gerne den Afghanen ausprobieren würde. (Nö.)
Da kann ich noch so lange auf und auch nicht auf dem visuell sehr gehaltvollen BuGa-Gelände rumlatschen, Rosa zeigt sich wenig verständnisvoll und besteht auf abgezählte Kalorien. Den Keks zum Latte schmuggle ich an ihr vorbei, aber mehr ist echt nicht drin. Also schmollt nicht nur Körper, sondern auch ich, aber oh mein gott, ich könnte kaum dankbarer sein für den großartigen Job, den Rosa macht. Blöde Kuh.