Pharma

Den zweiten Tag in Folge die pharmazeutische Bremse in meine Synapsen zu integrieren, mag gestern durchaus eine berechtigte Notwendigkeit gewesen sein, dient heute dagegen eher dem wenig schmeichelhaften °weil ich halt Bock auf weiteren Fluff hab° Und ich liebs.
Der Mix aus Feier-, Urlaubs- und Arbeitstagen mit glücklicherweise geringsten familiären Verpflichtungen und vielen aus Überzeugung boykottierten und dennoch internalisiert nagenden gesellschaftlichen Erwartungen fordert trotz aufrechterhaltener Routinen seinen psychischen Tribut, dessen Aufarbeitung mir gerade nicht ferner liegen könnte.
Und so sehr auch °keine Lust° auf den ab morgen wieder regelmäßigen Wecker aus jeder meiner Hirnzellen trieft und mein Bewusstsein verklebt, herrscht die Hoffnung vor, dass es genau das ist, was ich brauche.

Konfrontation

Ich könnte einen Laden aufmachen mit Schokonikoläusen, Nussmischungen, Pralinen und selbstgebackenem Stollen, die allesamt sicher kartoniert mindestens 700 Kilometer quer durch die Republik zurückgelegt haben, nur um dann in einer Schublade zu enden, die entweder Schatz nach und nach plündert oder deren Inhalt ihren Weg in die Firmenkaffeeküche finden wird. Fraglich ist, ob ich die gut gemeinte Geste meiner Eltern eher schätze oder hasse, aber ich tendiere zu letzterem, einfach aus Prinzip. Dass für mich heute einfach nur Sonntag und eine mehr als willkommene Anhäufung von Feiertagen ist, wird kaum eine Erwähnung finden im angedrohten fernmündlichen Austausch von Oberflächlichkeiten und der natürlich wichtigsten Frage überhaupt „und was gibt es bei euch heute?„, falls ich ihm nicht – zumindest heute – ganz aus dem Weg gehe, was am Ende dann trotzdem nur dazu führt, das sich der Tempus dieser alles entscheidenden Frage ändern wird.
Die derweil geplante innere Auseinandersetzung mit Gegebenheiten scheitert bisher am selbstgewählten audiovisuellen Reiz-Binge, so dass nur frustrierendes Meta-darüber-Nachdenken-dass-man-sollte übrig bleibt, sich aber nicht durchsetzen kann.

Maunz


Irgendwas ist in meinem Mund gestorben. Ich habe meine Würde und das letzte bisschen übrige Selbstachtung in Verdacht und finde zur Bestätigung ihre Leichen später beim Zähneputzen.
Tod durch freiwilliges Ertränken, stelle ich fest und wundere mich nicht weiter darüber. Hätte ich auch so gemacht.

Rückblick. Nach Tagen nicht enden wollender Cravings fällt mir eine der absurd zahlreich in unserem Vorratsraum vorhandenen Flaschen mit Baldriantropfen in die Hände. Ob sich deren Wirkungsweise tatsächlich auf die Wurzel oder den überraschend hohen Alkoholgehalt von 66% zurückführen lässt, ist nach 2/3 der Flasche mit etwas Wasser und pervers viel zuckerfreiem Getränkesirup einfach nur egal. Schmeckt scheiße, knallt hervorragend. Mit einem seligen Grinsen im Gesicht schlafe ich wie ein Stein. Bis meine Blase mich fast 6 Stunden später weckt und ich zu meiner Verwunderung feststelle, nicht so richtig geradeaus laufen zu können.
Ich komme trotzdem irgendwie am Ziel an und ignoriere den Schmerz in meinem Arm, als das Regal unterwegs mein Schwanken auffängt.

Die Nacht ist irgendwann rum und ich bin mehr als froh, dank geplanter Weihnachtswahnsinnvermeidungsstrategie nicht direkt Arbeiten zu müssen, sondern mein digitales Erscheinen erst für später – nach dem Einkauf – angekündigt zu haben. Wie ich selbiges allerdings überstehen soll, stellt mich vor ein Rätsel.
Die verwesenden Leichenteile in meinem Mund lassen sich nicht vollständig entfernen, was zu unfassbar ekliger Übelkeit führt und mein Kreislauf findet senkrechte Körperpositionen auch nur so semi.
Ratio hält mir vor, dass sie das am Abend schon für eine ganz blöde Idee hielt und ich es nicht anders verdient habe. Der Parasit hat sich irgendwie schuldbewusst in seinem Körbchen eingekringelt und tut so, als würde er schlafen und Rosa verhandelt mit mir darüber, ob ich es mit einem Zwieback versuchen darf. Es werden zwei und sie bewirken ein kleines Wunder.

Die umgekehrt orientierte Peristaltik allein beim Gedanken an (den Geruch von) Alkohol werte ich mal als unbeabsichtigt, aber sinnvoll ein.

Wintersonnenwende + 3

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Ich bin Atheist und habe keinen Weihnachtsbaum. Nicht nur, weil unsere drei Katzen den innerhalb kürzester Zeit zerpflücken würden, sondern vorallem, weil ich keinem Babybaum beim Sterben in unserer Wohnung zusehen möchte (btw, ich mag auch keine Schnittblumen).
Trotzdem habe ich einen Adventskranz und ein bisschen Winterdeko – weil es mir guttut, diese kurzen Tage und langen Nächte in einer gemütlichen Umgebung zu verbringen.
Ich habe eine prima Ausrede, nicht mit meiner Familie feiern zu müssen – sie wohnen 700km entfernt, und es war schon immer so, dass zwar schön, aber auch stressig war und in ekelhafter Völlerei endete. Also gibt es heute Kaffee mit den Schwiegereltern, ein paar Weihnachtsanrufe und heuteabend etwas Besonderes zu essen und zu trinken. Die letzten beiden Punkte davon in Jogginghose mit meinem Lieblingsmensch ♥

Ich wünsche jedem, dass er/sie die Feiertage ebenfalls so verbringen kann, wie er/sie möchte und einfach ein paar schöne freie Tage genießen kann!