92 – Blind

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Ich frage mich, was mein Gehirn momentan eigentlich die ganze Zeit so tut. Mit Wahrnehmung(sverarbeitung) ist es jedenfalls nicht beschäftigt. Zumindest fühlt es sich seit einigen Tagen so an – als hätte ich einen Tunnelblick und Watte in den Ohren.

Dazu muss ich vielleicht erwähnen, dass ich mich für hochsensibel (HS) halte. Für mich ist das keine Diagnose, sondern lediglich die Beschreibung einiger meiner Eigenschaften, wie es z.B. auch „unmusikalisch“ wäre. Es beschreibt einen Teil von mir – ich trage es ich nicht auf einem blinkenden Schild um den Hals und ist für mich weder Ersatzreligion noch Misssionierungsgrundlage.

Auf das Thema gestoßen bin ich vor rund 3 1/2 Jahren. Ich las eine Zeit lang alles darüber, was ich finden konnte, nachdem das erste Buch eine Offenbarung für mich war. Ich musste weinen, weil ich auf einmal so viel verstand.
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70 – Ein Anfang

Ich (ver-)zweifle an meinem Leben. Weil es keins ist, sondern ein Schauspiel, in dem ich mitwirke und genau das tue, was von mir erwartet wird. Aber wenn der Vorhang fällt und ich alleine bin, oder daheim keine Rolle zu erfüllen habe, geht auch das Licht aus, und ich sitze im Dunkeln. Überlege, ob das alles ist, oder da noch mehr sein könnte.
Seit inzwischen 15 Jahren läuft das so, und es kotzt mich einfach nur noch an. Ich will mein Leben wiederhaben.

Ein Anfang.

Für den Urlaub habe ich mir etwas vorgenommen: reden. Mit Schatz und mit unseren Freunden. Nicht mit allen, aber für den Anfang mit Zweien. Ich hoffe, ich kann mich dazu durchringen, und ehrlich sein. Damit meine ich, auf die Frage, wie es mir geht, nicht mit meinem üblichen „Basd scho“ zu antworten, sondern tiefer zu gehen. Kein „Basd scho“, kein automatisches Lächeln und ablenken, sondern reflektieren und sagen, was gerade wirklich los ist. Auch wenn da im Hinterkopf der Gedanke ist, zu übertreiben, oder dass mein Gegenüber dann etwas schlechtes über mich denken könnte. Und wer weiß, vielleicht ergeben sich dann im Gespräch neue Perspektiven, die mich tatsächlich weiterbringen.

Für mich stellt das eine riesen Herausforderung dar. Ich habe das Reden verlernt in den letzten 15 Jahren, stattdessen habe ich tausende von Unterhaltungen nur in meinem Kopf geführt und bin nur immer wieder an meinen eigenen Grenzen gescheitert.

Reden.

Vielleicht Hoffentlich ein Weg zu mehr Akzeptanz meiner Gefühle und der Reflektion über die Angemessenheit, die die anderen Perspektiven bieten.

54 – Wo fange ich an?

Und das meine ich wörtlich. Wo fange ich an, wo hört die Depression auf? Was ist Teil meiner Persönlichkeit, was gehört zur Krankheit?

Das frage ich mich öfter, in letzter Zeit. Wahrscheinlich auch, weil ich über Antidepressiva nachdenke, die ich bisher noch nie genommen habe, und Angst vor Persönlichkeitsveränderungen habe – dass ich dann nicht mehr ich selbst bin. Und, weil ich – ausgelöst durch die Katastrophe und das Loch, das gerade eher tiefer als flacher wird – immer mehr zu der Einsicht komme, dass ich so nicht weitermachen möchte. Ich will mein Leben zurück, will Gefühle spüren, Energie haben, Pläne machen. Wenn es auch nur etwas Gutes an der Situation gibt, die Schatz und ich durchmachen, dann diese Erkenntnis(se).

Zur Zeit bin ich die wandelnde Planlosigkeit. Mir ist das Meiste egal, ich will nur, dass der Tag möglichst bald vorbei geht und ich wieder ins Bett kann, wo ich hoffentlich einigermaßen schlafen kann. Ich kann mir nicht merken, welcher Tag eigentlich ist, vergesse Termine in der Arbeit, kann nicht denken und will nur, dass das alles vorbei geht.

Ich weiß, ich kann akut nichts daran ändern, wie ich mich fühle. Ich kann auf meine Gedanken achten und kann mir Gutes tun, aber all das wird nicht dazu führen, dass ich morgen aufwache und alles anders ist. Auch nicht übermorgen. Aber in einigen Wochen, vielleicht. Das macht das Durchhalten nicht weniger anstrengend.

Ein Lichtblick: den Urlaub, den wir uns bald gönnen werden. Eigentlich sah unsere Jahresplanung anders aus, aber “eigentlich“ war, bevor all das passiert ist. Und uneigentlich sind wir schon jetzt reif für die Insel/Klappse/Auszeit/wasauchimmer, und wollen nur noch raus.

Es gibt diesen blöden Spruch: besser ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende. Ich weiß gerade nicht, was es ist, hoffe aber auf das Erstere.

Das Gras wird gebeten, über die Sache zu wachsen. Das Gras bitte!