Sun-Day

Bist du heile? fragt Schatz und meint damit, ob ich mich selbst verletzt habe. Ja antworte ich. Während ich barfuß durch die Scherben in meinem Kopf gehe, frage ich mich, warum meine körperliche Unversehrtheit so viel bedeutet.

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Kaffee. In der Sonne. Im Garten. Vogelgezwitscher. Wärme, die nur meinen Körper erreicht, aber die Scherben nicht. Ich möchte weinen deswegen, und versinke in mir selbst.

(Ab-)Gründe

Mich öffnen. Auch so ein Satz, der angesichts meiner Biografie eindeutig zweideutig ist.

Ich versinke von Tag zu Tag tiefer in dem Loch, in dem gerade stecke. Ich schlafe miserabel. Ich habe dauernd Kopfschmerzen. Mir ist ständig kalt. Ich bekomme schlecht Luft. Und mir ist alles einfach sowas von egal.

Ich treffe Vorbereitungen. Für SV. Und streite mit mir selbst, ob ich es tue oder es weiter aushalte bis es nicht mehr geht, während sich ein großer Teil von mir nach wie vor fragt, wo bitte eigentlich das Problem liegt, wenn ich mich einmal im Jahr verletze und es mir danach vielleicht besser geht. Wirklich, ich verstehe es nicht. Und so tief ich auch in mir wühle, ich finde keinen Teil, der aus voller Überzeugung sagt, dass ich es nicht tun soll – nur den, der auf Schatz Rücksicht nehmen will. Ist das Grund genug?

Farblos

Orange zeigt mir einen Vogel, wenn ich nur daran denke, mir nur 2 Wochen nach meinem Urlaub einen gelben Schein zu holen. Sofort zählt Orange mir meine vielen beruflichen Termine in der kommenden Woche auf und ist geradezu entsetzt, dass ich auch nur in Erwägung ziehe, mich zu erholen blau zu machen. Außerdem redet sie oder ein anderer EgoState, so genau weiß ich das nicht, mir ein, dass es doch garnicht so schlimm ist und ich mich gefälligst nicht so anstellen soll. Hat doch jeder mal nen schlechten Tag an dem er kaum aus dem Bett kommt, alles grau erscheint und er an Rasierklingen denkt – seit Tagen.

Ich bin in meinem Innern auf der Suche nach einer Rechtfertigung, nicht arbeiten zu gehen, lange wach und lange im Bett zu bleiben, mir vielleicht etwas Gutes zu tun – um wieder auf die Beine zu kommen und aus meinem Loch zu krabbeln. Aber da ist nichts. Niemand, der mir zugesteht, das zu tun. Stattdessen imaginäres Rasierklingengefuchtel, weil dann, vielleicht, jemand von Außen zum Fürsprecher wird, der mein Innen überredet – oder zwingt.

Schatten

Schwarz hat, was sie will. Mich, in einem verdammt dunklen Loch, dessen Grund die Sonne, die draußen scheint, nicht einmal ansatzweise erreicht.
Wir kauern zusammen dort unten und diskutieren, ob wir trotzdem spazieren gehen sollen oder stattdessen lieber nach der Rasierklinge suchen, während ich mich immer noch frage, warum ich heute überhaupt aufgestanden bin.

Wie gerne würde ich mich in die Sonne stellen und den Vögeln zuhören, die Bienen beobachten. Aber von hier unten geht das nicht, und anstelle von Bedauern fühle ich nichts.
Heute überrascht mich nicht, denn es ist ja nicht so, als hätte ich die Zeichen, die Schwarz mir die ganze Woche über schon alles andere als dezent mit einem Zaunpfahl um die Ohren gehauen hat, nicht bemerkt. Sie waren mir nur einfach egal.
Eine sarkastische Gedankenstimme meldet sich mit den Worten Wie praktisch, dass du am Montag noch deinem tollen neuen Hausarzt erzählt hast, dass es dir „ganz gut“ geht und du schlafen kannst. Ich antworte nichts, während unzusammenhängende Satzfetzen wie wollte nicht jammern, Vertrauen ist doch nicht so einfach wie gedacht und hoffentlich mag er mich auftauchen.

Ich weiß nicht als Antwort auf alle (un)gestellten Fragen.

Was mich nicht umbringt, macht mich …

…stärker // …wahnsinnig // …schlaflos // …verzweifelt // …fertig // …hilflos // …krank // …selbstschädigend //

Jemand, der von der Katastrophe weiß, sagte mir, er habe den Eindruck, sie habe mich stärker gemacht.
Ich frage mich, ob es wirklich so ist, oder ob ich nicht vielmehr meine ohnehin schon guten Fähigkeiten, Dinge zu verdrängen, einfach perfektioniert habe, um irgendwie weitermachen zu können. Oder ob mir manche Dinge einfach egaler sind, weil sie relativiert wurden durch all das. Beides, wahrscheinlich, so dass andere es mit Stärke verwechseln, während ich mein Aufrecht-stehen zu einem nicht unerheblichen Teil aus dem Gedanken ziehe, nicht alles überleben zu müssen.

Nach aktuellem Stand der Katastrophe denke ich: wir sind am Arsch. Wir haben nichts getan, können aber genau das nicht beweisen. Die Anderen das Gegenteil auch nicht, aber wir sind am Ende die, die verlieren werden. Ich habe eine Scheißangst. Klar, ich kann sie beiseite schieben und ein einigermaßen funktionales Leben führen, aber ist das Stärke?
Ist es Stärke, wenn ich bei alltäglichen Katastrophen Kleinigkeiten denke, ist doch egal, machen wir’s so und sehen, was passiert?
Ist es Stärke, das Sehnen nach SV zu ignorieren, um für Schatz stark zu wirken?
Ist es Stärke, restriktiv zu Essen, um wenigstens das Gefühl von Kontrolle zu haben?
Ist es Stärke, die eigene Verzweiflung zur Seite tu schieben und einfach weiterzumachen?
Ist es Stärke, die so verdammt intensiven spärlichen Gefühle auszuschalten und stattdessen reizbar, unkonzentriert und orientierungslos zu sein?
Ist es Stärke, sich jeden Abend Alkohol zu wünschen und ihn sich nur aus Angst vor einer Sucht noch oft genug zu verweigern?

Ist es Stärke, stark zu sein – um jeden Preis?

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Ich habe gelesen, dass sich zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr die eigene Identität herausbildet und festigt. Man probiert aus – das Leben, Beziehungen, Grenzen, sich selbst.
Ich habe diese Jahre im Dunkeln verbracht. Ich habe mich nicht ausprobiert, sondern überlebt.

Und jetzt stehe ich hier und weigere mich, das Leben an mich heran und die Depression und SV gehen zu lassen. Weil ich mich mit ihr identifiziere, sie ist mein Leben. Aussprechen würde ich das nie.

Jeden Tag frage ich mich aufs Neue, ob ich noch die Kriterien für F33.8 noch erfülle und gleichzeitig, was ich davon habe, wenn es so ist – oder auch nicht. Ich habe keine Ahnung, wie ich mich davon lösen soll. Das war nie Bestandteil einer der Therapien und ist nichts, über das ich sonst mit irgendjemandem sprechen würde.
Ich suche Beweise und Bestätigung, fülle VDS30- und VDS90-Fragebögen aus, erhalte Grenzwerte und ignoriere zeitgleich, dass ich zu oft an Alkohol denke trinke, nicht Essen nach wie vor ein Thema ist und mein Gehirn nicht immer das macht, was es soll.

Das schwarze Loch in meinem Innern verschluckt mich immer wieder aufs Neue. Manchmal lässt es mich raus – zum Spaß, scheinbar, weil es das erneute Verschlucken lustig findet, und dabei genüsslich auf mir rumkaut. Ich nicht so – aber wenn ich den Absatz drüber lese, stehe ich wohl doch drauf.

Ich sollte darüber nachdenken, weiter irgendeine Therapie zu machen.