Einigen wir uns auf „instabil“

Weil ich nach wie vor nicht weiß, wie ich meinen Zustand beschreiben soll, habe ich mich intern auf „instabil“ geeinigt. Ja, es wird besser, aber nicht linear, nicht schnell ansteigend. Eher in einem anstrengenden Auf und Ab. Immerhin, das Wetter ist auf meiner Seite. Sonne hilft, dass es Innen heller und wärmer ist, als es ohne wäre.

Ich weiß garnicht, was ich groß schreiben könnte. Ich fühle mich gestresst, weil wir über die Feiertage mit Freunden ein Ferienhaus gemietet haben und wandern wollen, ich dann aber wenig Ich-Zeit habe und wenig routiniert essen kann. Außerdem bekomme ich heute oder morgen meine Tage, die selten nie beschwerdefrei an mir vorübergehen und eher nach Sofa als nach langen Wanderungen schreien. Dafür sind mir meine Narben, von denen sie bisher nichts wissen, die aber bei 20 Grad sicher sichtbar sein werden, erstaunlich egal.
Immerhin, zwei weitere Tage (plus heute) habe ich frei.

Auf zum Atem.

Unzeit

Zeit ist bedeutungslos.
Am – zu frühen, zu unausgeschlafenen – Beginn des Tages hoffen, dass er schnell vorüber geht. Ihn füllen mit Nichts, ablenkendem, zeitschindendem, bedeutungslosem Nichts. Gegen Ende froh sein, dass er vergangen ist, aber die Zeit suchen. Eine Bedeutung suchen.
Nichts.

Schwarzer Frühling

Das Rosa der Kirschblüten, der Duft des Marillenbaums, die Sonnenstrahlen. All das versickert auf dem Weg in mein Inneres unwiederbringlich, bevor es mich wirklich erreicht.
In meinem Kopf laufen die immer gleichen Gedanken in Endlosschleife, ohne dass ich einer Lösung näher käme. Nichts davon scheint Sinn zu ergeben, versuche ich, es aufzuschreiben. Nur das Stell dich nicht so an! schreit mir ins Gesicht.

Selbstmitleid kann ich.

Schlafen wird überbewertet

Ich bin zum Umfallen müde. Zwar habe ich in der letzten Nacht etwas mehr geschlafen, aber trotzdem war es zu wenig. Irgendwie habe ich die Woche überstanden, aber es ist, als würde nun sämtliche Luft aus einem Ballon entweichen.
Außer Schatz wird wohl niemand gemerkt haben, wie es mir geht. Ich bin immer wieder von mir selbst erstaunt, wie hochfunktional ich bin.

Mein Kopf treibt mich in den Wahnsinn. Würde man Seiten damit beschreiben, was ich den ganzen Tag denke, wäre am Abend eine – vor Egozentrik triefende – Bibliothek gefüllt – und anschließend durch den Reißwolf gejagt. Ich habe keine Ahnung, wie ich mich fühle – garnicht! – und kann nicht aufhören, mich zu analysieren und zu zerdenken. Ich drehe mich immer schneller um mich selbst, bis ich in mein eigenes schwarzes Loch falle – also, tiefer, weil drin bin ich ja schon.

Ich ertrinke an mir selbst.

Im Kreis

Fieber ist für mich ein eindeutiges Zeichen, dass etwas nicht stimmt und mein Körper Ruhe braucht. In so einem Fall steht es außer Frage, dass ich nicht arbeiten gehe, sondern zuhause bleibe und ggf. auch zum Arzt gehe.

Bei einer Erkältung wird es schon schwieriger. Vielleicht gehe ich dann mal früher heim. Und ganz vielleicht bleibe ich sogar mal einen Tag zuhause. Zum Arzt? Nö. Nur im Ausnahmefall.

Und wenn mir mein Körper nun – neben den psychischen Symptomen – Schwindelanfälle, Atemprobleme, Muskelverspannungen, Kopfschmerzen und Schlafschwierigkeiten um die Ohren haut? Nehme ich zwar all das wahr, aber deswegen nicht arbeiten? Oder gar zum Arzt? Ein Teil von mir wünscht sich nichts sehnlicher. Der andere, stärkere Teil dagegen schüttelt energisch den Kopf, verweist auf berufliche Termine und Verpflichtungen und schleppt sich durch den Tag. Verletzt, und sich sorgend, andere könnten meinen Zustand nicht ernst nehmen. Meinen, dass ich mich bloß anstelle und gefälligst zusammenreißen soll.
Und heute war da plötzlich eine mögliche Antwort auf die Frage in meinem Kopf, warum es mir so wichtig ist, dass andere (ausgewählte) Personen meinen Zustand ernst nehmen. Weil ich mich selbst nicht ernst nehme… Ich schreibe zwar, es geht mir nicht gut, aber ich sage es nicht und erhalte keine Rückmeldung, also ist es nicht real. Alles Einbildung. Ein Teufelskreis. Oder lächerlich. Weil ich mich nur anstelle.

Nicht-Gedanken

Matsch im Kopf.
Gesternabend ein bisschen verletzt, ABER NICHT GENUG!!! Könnte ich es nur geheim halten, mein Bein sähe anders aus. Ganz anders. So hilft es mir nicht. fuck.
Arbeiten? Ja, war ich – nach einer Nacht, in der ich kaum geschlafen habe, wieder einmal. Mit den Kollegen gescherzt, kompetent Vorgesetztenkram gemacht, Schwindelanfälle überspielt, Druck auf der Brust und anstrengendes Atmen ignoriert. Mich im Gespräch mit Mitarbeitern gefragt, wo zur Hölle eigentlich mein Problem liegt, wenn ich doch meinen Job ganz wunderbar mache und sogar scherzen kann.

Ich sollte zum Arzt gehen. Ich sollte mich mindestens den Rest der Woche krankschreiben lassen und mich selbst in dem Chaos suchen gehen, welches in meinem Kopf herrscht. Ich wünsche mir nichts mehr, als dass Schatz mich genau dazu zwingt, mir keine Wahl lässt. Denn wenn ich sie habe, sagt mein Kopf, ich soll gefälligst nicht den neuen Hausarzt gleich mit sowas überfallen, damit er nicht schlecht von mir denkt oder mich verurteilt. Oder mich gar wirklich krankschreibt. Weil, die Struktur, die arbeiten gehen mir bietet, ist ja doch gut und genau das, was ich brauche. Oder?
Alles ist so widersprüchlich. Jeder Gedanke ist das Gegenteil vom vorigen. Jeder hat Recht.

Und eine kleine Stimme wispert, dass ich bloß Aufmerksamkeit will. Bestätigt wissen will, dass es mir schlecht geht. Also, wirklich. Nicht nur eingebildet. Keine Anstellerei.