Synapse

Mit einem funktionierenden, medikamentös induzierten Serotoningleichgewicht stellen sich die letzten 6 Monate als ziemlicher Blindflug heraus. Klar wird mir das, als ich zwischen Kühen und Wildblumen auf 1.500 Metern nicht nur einfach rumstehe, sondern den Berg, die Sonne und auch alles andere fühle. Vielleicht wäre es schlau gewesen, doch schon eher wieder mit den Glüxbärchis anzufangen, aber das letzte Mal fühlte es sich irgendwie … anders an. Stumpfer. Und war hoffentlich den Umständen vor rund eineinhalb Jahren geschuldet.
Jedenfalls ist die Akkustandsanzeige inzwischen auf einem deutlich verträglicheren Niveau und reicht hoffentlich, den ab morgen wieder eingeschalteten Wecker länger als ein paar Tage zu tolerieren.

Manko: Meine Kreativität ist kaputt. Und mein Orgasmus.

Samhain

Körper denkt sich, zu Halloween gehört sich gegruselt, also blutet er nach 274 Tagen einfach mal. Super Idee. Nicht.
Rosa und ich werten es einvernehmlich als persönliches Versagen, vor allem weil eigentlich nix anders läuft (außer der Mens) und wir uns fragen, warum? Braucht schließlich kein Mensch und Osteoporose bekommen eh nur die anderen.
Immerhin erklärt sich auf diesem Wege aber mein dermatologisches Aufblühen der letzten Tage und vielleicht auch das schwappende Gefühl in meinen Beinen – beides auf wundersame Weise seit gestern verschwunden.
Nicht verschwunden ist dagegen das ausgeschaltete Licht in mir drin. Pünktlich zum Urlaub hat nämlich jemand auf den Hauptschalter gedrückt und jetzt sitze ich hier im Finstern und finde den fucking bunten Herbst bei Sonnenschein halt ungefähr genauso geil wie die Halloweenüberraschung.

Karaoke

Während meiner Einzelpersonenbeförderung ist es ja zum Glück relativ egal, dass ich meine gesanglichen Fähigkeiten nicht ganz zu Unrecht als eher so mittel beschreiben würde, so lange ich die Fenster geschlossen halte. Aber seit wenigen Wochen kann ich überhaupt wieder etwas Radio hören, wenn ich im Auto unterwegs bin, ohne mich maßlos überfordert zu fühlen, und damit kommt auch – wie bereits gelegentlich beim Putzen daheim – die Lust zurück, lauthals und entsprechend schief mitzusingen. Sing like no one is listening – because no one is listening – lautet die theoretische Devise. Praktisch hört immer diejenige in meinem Kopf mit, die gerade auf der Gefühlskiste sitzt – und die reißt es jedes. einzelne. Mal. dazu hin, aus nicht näher definierten Gründen jubilierend aufzuspringen. So dann auch eben jene Gefühlskiste, deren pharmazeutische Ketten ja nun schon vor einer Weile entfernt wurden. Und die knallt mir dann ihren Inhalt ebenso unaufgefordert wie schonungslos um die Ohren, wodurch ich spätestens beim ersten Refrain die Wahl habe: umgehend meinen Mund halten oder – vollkommen genreunabhängig – heulend zusammenbrechen, ohne auch nur den Grund dafür zu erahnen. Also, die theoretische Wahl. Weil, natürlich hat die innere Laola umgehend alles wieder restlos einzusammeln und sich hinzusetzen. Hab ja schließlich besseres zu tun. An einem Sonntag nach dem °ich.bin.so.dumm.schaueinmeineFirmenmailsundentdeckeeineunumgänglicheEssens“einladung“° durchdrehen zum Beispiel.

Anabol

Während ich versuche, meinen Gedankensalat irgendwie sinnvoll einzusortieren, drängt sich eine so simple wie bahnbrechende Erkenntnis relativ dreist dazwischen. Vielleicht ist es ja auch okay, gerade einfach mal fein damit zu sein, wie mein Leben so läuft. Und jetzt steh ich da, vor meinem Salat, dem nur provisorisch eingeräumten Ordnungssystem und dieser Erkenntnis und denke, fuck, sie hat Recht.

Gerade ist echt alles ziemlich okay – hält man die Augen weiterhin hübsch verschlossen vor der Welt – und ich fühle mich auch okay. Echt jetzt!
Arbeit? Läuft.
Sport? Läuft.
Privat? Läuft.

Was ich dennoch gerne einsortieren würde, ist Rosa. Weil, wir arrangieren uns und ich habe Angst, dass sie einfach geht. Ich will sie festhalten, einfach weil halt. Weil Halt, wahrscheinlich. Körper hätte da durchaus ne andere Meinung zu und ist auch ausgesprochen deutlich in seinen Forderungen, was mir wiederum so garnicht in den Kram passt.



Bei 28,3° eine Miezekatze auf dem Schoß zu haben, ist nur so semi 🔥

Dezibel


Ungefähr eine Million Ameisen latschen emsig auf unserer Terrasse herum und krabbeln hoffentlich nicht an meinen Beinen hoch. Den Job übernimmt schon Mieze, auch wenn ihr – wie mir – schnell zu warm wird und sie sich auf den Tisch neben mir legt. Danke.
Aber nicht nur daran kann man Frühling! auf dem Land erkennen, nein! Viel eher an Nachbar 1, der in der Früh seinem Hochdruckreiniger etwas Sonne gönnt. Oder an Teilzeitnachbarin 2, die ihrem Rasen mittels Mäher Einhalt gebietet. Und nochmal an Nachbar 1, der das natürlich nicht einfach so auf sich sitzen lassen kann und nun ebenfalls seinem Mäher Auslauf gewährt. Oder auch Schatz, der dem Stammholz vor dem Haus mit der Kettensäge zu Leibe rückt, so dass ich ebenjene weder zur Kalmierung etwaiger Nachbar:innen noch deren Gartengeräten verwenden kann.
Und dennoch sitze ich hier, genieße den leichten – wahlweise nach Abgas, Rasenschnitt, Fichte oder auch mal nichts! duftenden – Wind und finds geil. Weil, Frühling! Und, jetzt gerade! Nur Vögelchen 💜

Tektonik


Jetzt ist sie also auch offiziell an die Wand genagelt, meine Teamleitungsposition. Zusammen mit einem vielleicht nicht so selbst auferlegten Rollenbild, das sich ganz wunderbar daneben macht. Mein nun nicht mehr nur pharmaziebefreites Ich nutzt diesen Umstand gnadenlos aus und tut weder ach so geduldig oder sehr interessiert an Unfähigkeiten oder Anbiederungsversuchen, und es fühlt sich schlichtweg großartig an.

Probleme kann ab sofort bitte jede:r einfach behalten oder jemand anderem aka. unserem Chef ans Knie nageln, ich nehme nur noch die lösbaren, weil fachlichen Dinge an. Und bin fantastisch darin.