Ich halte den Kopf unter Wasser – dann ist mir der Regen egal

Zocken. Gammeln. Nicht an in 1 1/2 Wochen denken. Wenn die Katastrophe in die nächste Runde geht.
Der Termin hat das Potential, mich in Panik zu versetzen, also versuche ich, nicht daran zu denken. Wenn ich es doch tue, sehe ich mich in Gedanken schreien, um mich schlagen und durchdrehen – wieder einmal. Aber ich habe mich in der Gewalt. Ich halte dem schreienden, um sich schlagenden, durchdrehenden Teil das Messer an die Kehle und zwinge ihn zur Ruhe, weil ich nächste Woche funktionieren muss. Daran führt kein Weg vorbei. Also halte ich das Messer versteckt, aber so, dass der Teil es im Rücken spürt, während wir unseren Verpflichtungen nachgehen.
Weder über den einen, noch über den anderen möglichen Ausgang dieses Termins will ich nachdenken. Beide Varianten haben das Potential, meinen Zusammenbruch zu bewirken den sich ein Teil von mir – der mit dem Messer an der Kehle – wünscht, weil loslassen wirklich verlockend klingt.
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Bestandsaufnahme

Müdigkeit wogt durch meinen Kopf. Draussen zwitschern die Vögel in der Frühsommersonne. Mein Ohrgeräusch zwitschert mit und wird für einen Moment so laut, dass das Vogelzwitschern in den Hintergrund tritt. Mein Kiefer ist verspannt.
Ich betrachte das vergangene Wochenende voller Reden, Wandern, Sonne, Erleben und Geselligkeit und frage mich, ob es mir gut geht. Oder nicht.
Am Wochenende ging es mir gut, denn zum Denken hatte ich keine Zeit. Eindrücke aufsaugen in der Natur und in Gesprächen, unterwegs sein, abends gemeinsam essen und spielen.
Jetzt ist da ein Uff! in meinem Kopf, weil es so viel war und ich zwischendurch keine Zeit hatte, alles zu verarbeiten und zu sortieren. Und natürlich die Frage, die ich mir nach solchen Tagen immer stelle. Die, ob ich mich bloß anstelle.
Dass ich einfach dem Ist etwas Raum geben könnte, auf die Idee komme ich garnicht erst. Oder erst jetzt gerade. Ja, ich bin müde. Ja, mein Ohrgeräusch ist da. Ja, mein Kiefer tut weh, weil ich die Zähne mal wieder aufeinanderpresse, ohne es zu merken. Ja, ich zähle die Tage – ich weiß nur nicht, welche genau.

Overload

„Von dir ist ja garnichts mehr übrig, was ist passiert?“ fragt meine Freundin überrascht, als wir uns zum Wanderwochenende treffen. Oh, danke! Sag mir mehr davon! denke ich, während ich relativierend erzähle, dass die Katastrophe schuld ist und das Thema wechsle.

„Du bist nur noch ein Strich, du hast eine Essstörung!“ sagt mein Mann, nachdem ich nach einer kurzen Abwesenheit ein abbrechendes Gespräch mit Blick auf meine rückkehrende Person zwischen ihm und unseren Freunden bemerke und wir wenig später schlafen gehen. Oh, danke! Erzähl mir mehr davon! denke ich, während ich „Blödsinn!“ sage und das Thema wechsle.

Die Bilanz des langen Wochenendes: 0 Ich-Zeit, ~ 55 km in wunderschöner Natur gewandert, zig Zauneidechsen und 2 Schlangen gesehen, 2 kg zugenommen. -.-

Letzteres versaut mir gerade den Tag, auch wenn ich mich an den Gedanken klammere, dass meine Muskeln nach den vier Tagen ordentlich strapaziert sind und ich gerade erst meine Tage hatte – ein Zustand, in dem ich es seit jeher vermeide, mich zu wiegen. Ich konnte mein Essen eigentlich gut kontrollieren, habe das Frühstück ausgelassen, mir meinen Joghurt mit Apfel immer für unterwegs mitgenommen und habe viele Möhren gegessen. Dann kam Samstagabend, und ich hatte einen gefühlten Fressflash, bei dem ich nach meinem überschaubaren Abendessen noch Plätzchen und Schokolade in mich hinein gestopft habe. Zwei Tage wandern bei andauernder Kalorienunterversorgung waren dann doch zu viel für meine Selbstkontrolle. Und auch wenn ich hoffe weiß, dass ich nicht wirklich davon zugenommen haben kann, fühlt es sich scheiße an. Ich hoffe, dass beim regulären Wiegen am Freitag wieder meine gewohnte Zahl dort steht, oder auch weniger, weil 55 km in vier Tagen für meinen Fitness-Zustand doch recht ordentlich sind.

Mein heutiges Frühstücks-Eis* wird jedenfalls den Hühnern gespendet, nachdem ich in Ermangelung von Joghurt eine zweite Banane verwendet habe und nach 3 Löffeln den Gedanken an den ganzen Zucker nicht mehr ertrage – abgesehen davon, dass es in dieser Mischung schlichtweg nicht schmeckt.

* gefrorene Blaubeeren, eine Banane, Joghurt, etwas Milch, Leinsaat, Rosmarin und Zimt

Und sonst? Habe ich Kopfweh und bin unendlich froh, heute und morgen Ich-Zeit zu haben, auch wenn es ein tolles Wochenende war. Ich bin nicht geeignet für 4 Tage Gesellschaft am Stück – so wenig, dass ich gestern die ganze 6-stündige Fahrt nicht lesen konnte, weil mein Kopf so voll von Eindrücken und Reden war, dass nichts mehr hinein passte.

Einigen wir uns auf „instabil“

Weil ich nach wie vor nicht weiß, wie ich meinen Zustand beschreiben soll, habe ich mich intern auf „instabil“ geeinigt. Ja, es wird besser, aber nicht linear, nicht schnell ansteigend. Eher in einem anstrengenden Auf und Ab. Immerhin, das Wetter ist auf meiner Seite. Sonne hilft, dass es Innen heller und wärmer ist, als es ohne wäre.

Ich weiß garnicht, was ich groß schreiben könnte. Ich fühle mich gestresst, weil wir über die Feiertage mit Freunden ein Ferienhaus gemietet haben und wandern wollen, ich dann aber wenig Ich-Zeit habe und wenig routiniert essen kann. Außerdem bekomme ich heute oder morgen meine Tage, die selten nie beschwerdefrei an mir vorübergehen und eher nach Sofa als nach langen Wanderungen schreien. Dafür sind mir meine Narben, von denen sie bisher nichts wissen, die aber bei 20 Grad sicher sichtbar sein werden, erstaunlich egal.
Immerhin, zwei weitere Tage (plus heute) habe ich frei.

Auf zum Atem.

Etikett

An der Frage, ob es tatsächlich heller wird oder ich mich nur an die Dunkelheit gewöhne, beiße ich mir dieser Tage die Zähne aus.

Schatz fragt heute, ob es mir besser geht. Ich zucke zurück wie eine Schnecke, zurück in mein Häuschen, und frage mich, woran er das fest macht.

Ich wüsste so gerne, in welche Kategorie mein Zustand fällt. Denn ich bin einfach nur ratlos, wenn ich in mich hinein schaue…

Schwarzer Frühling

Das Rosa der Kirschblüten, der Duft des Marillenbaums, die Sonnenstrahlen. All das versickert auf dem Weg in mein Inneres unwiederbringlich, bevor es mich wirklich erreicht.
In meinem Kopf laufen die immer gleichen Gedanken in Endlosschleife, ohne dass ich einer Lösung näher käme. Nichts davon scheint Sinn zu ergeben, versuche ich, es aufzuschreiben. Nur das Stell dich nicht so an! schreit mir ins Gesicht.

Selbstmitleid kann ich.