Schlafen wird überbewertet

Ich bin zum Umfallen müde. Zwar habe ich in der letzten Nacht etwas mehr geschlafen, aber trotzdem war es zu wenig. Irgendwie habe ich die Woche überstanden, aber es ist, als würde nun sämtliche Luft aus einem Ballon entweichen.
Außer Schatz wird wohl niemand gemerkt haben, wie es mir geht. Ich bin immer wieder von mir selbst erstaunt, wie hochfunktional ich bin.

Mein Kopf treibt mich in den Wahnsinn. Würde man Seiten damit beschreiben, was ich den ganzen Tag denke, wäre am Abend eine – vor Egozentrik triefende – Bibliothek gefüllt – und anschließend durch den Reißwolf gejagt. Ich habe keine Ahnung, wie ich mich fühle – garnicht! – und kann nicht aufhören, mich zu analysieren und zu zerdenken. Ich drehe mich immer schneller um mich selbst, bis ich in mein eigenes schwarzes Loch falle – also, tiefer, weil drin bin ich ja schon.

Ich ertrinke an mir selbst.

Im Kreis

Fieber ist für mich ein eindeutiges Zeichen, dass etwas nicht stimmt und mein Körper Ruhe braucht. In so einem Fall steht es außer Frage, dass ich nicht arbeiten gehe, sondern zuhause bleibe und ggf. auch zum Arzt gehe.

Bei einer Erkältung wird es schon schwieriger. Vielleicht gehe ich dann mal früher heim. Und ganz vielleicht bleibe ich sogar mal einen Tag zuhause. Zum Arzt? Nö. Nur im Ausnahmefall.

Und wenn mir mein Körper nun – neben den psychischen Symptomen – Schwindelanfälle, Atemprobleme, Muskelverspannungen, Kopfschmerzen und Schlafschwierigkeiten um die Ohren haut? Nehme ich zwar all das wahr, aber deswegen nicht arbeiten? Oder gar zum Arzt? Ein Teil von mir wünscht sich nichts sehnlicher. Der andere, stärkere Teil dagegen schüttelt energisch den Kopf, verweist auf berufliche Termine und Verpflichtungen und schleppt sich durch den Tag. Verletzt, und sich sorgend, andere könnten meinen Zustand nicht ernst nehmen. Meinen, dass ich mich bloß anstelle und gefälligst zusammenreißen soll.
Und heute war da plötzlich eine mögliche Antwort auf die Frage in meinem Kopf, warum es mir so wichtig ist, dass andere (ausgewählte) Personen meinen Zustand ernst nehmen. Weil ich mich selbst nicht ernst nehme… Ich schreibe zwar, es geht mir nicht gut, aber ich sage es nicht und erhalte keine Rückmeldung, also ist es nicht real. Alles Einbildung. Ein Teufelskreis. Oder lächerlich. Weil ich mich nur anstelle.

Nicht-Gedanken

Matsch im Kopf.
Gesternabend ein bisschen verletzt, ABER NICHT GENUG!!! Könnte ich es nur geheim halten, mein Bein sähe anders aus. Ganz anders. So hilft es mir nicht. fuck.
Arbeiten? Ja, war ich – nach einer Nacht, in der ich kaum geschlafen habe, wieder einmal. Mit den Kollegen gescherzt, kompetent Vorgesetztenkram gemacht, Schwindelanfälle überspielt, Druck auf der Brust und anstrengendes Atmen ignoriert. Mich im Gespräch mit Mitarbeitern gefragt, wo zur Hölle eigentlich mein Problem liegt, wenn ich doch meinen Job ganz wunderbar mache und sogar scherzen kann.

Ich sollte zum Arzt gehen. Ich sollte mich mindestens den Rest der Woche krankschreiben lassen und mich selbst in dem Chaos suchen gehen, welches in meinem Kopf herrscht. Ich wünsche mir nichts mehr, als dass Schatz mich genau dazu zwingt, mir keine Wahl lässt. Denn wenn ich sie habe, sagt mein Kopf, ich soll gefälligst nicht den neuen Hausarzt gleich mit sowas überfallen, damit er nicht schlecht von mir denkt oder mich verurteilt. Oder mich gar wirklich krankschreibt. Weil, die Struktur, die arbeiten gehen mir bietet, ist ja doch gut und genau das, was ich brauche. Oder?
Alles ist so widersprüchlich. Jeder Gedanke ist das Gegenteil vom vorigen. Jeder hat Recht.

Und eine kleine Stimme wispert, dass ich bloß Aufmerksamkeit will. Bestätigt wissen will, dass es mir schlecht geht. Also, wirklich. Nicht nur eingebildet. Keine Anstellerei.

(Ab-)Gründe

Mich öffnen. Auch so ein Satz, der angesichts meiner Biografie eindeutig zweideutig ist.

Ich versinke von Tag zu Tag tiefer in dem Loch, in dem gerade stecke. Ich schlafe miserabel. Ich habe dauernd Kopfschmerzen. Mir ist ständig kalt. Ich bekomme schlecht Luft. Und mir ist alles einfach sowas von egal.

Ich treffe Vorbereitungen. Für SV. Und streite mit mir selbst, ob ich es tue oder es weiter aushalte bis es nicht mehr geht, während sich ein großer Teil von mir nach wie vor fragt, wo bitte eigentlich das Problem liegt, wenn ich mich einmal im Jahr verletze und es mir danach vielleicht besser geht. Wirklich, ich verstehe es nicht. Und so tief ich auch in mir wühle, ich finde keinen Teil, der aus voller Überzeugung sagt, dass ich es nicht tun soll – nur den, der auf Schatz Rücksicht nehmen will. Ist das Grund genug?

Farblos

Orange zeigt mir einen Vogel, wenn ich nur daran denke, mir nur 2 Wochen nach meinem Urlaub einen gelben Schein zu holen. Sofort zählt Orange mir meine vielen beruflichen Termine in der kommenden Woche auf und ist geradezu entsetzt, dass ich auch nur in Erwägung ziehe, mich zu erholen blau zu machen. Außerdem redet sie oder ein anderer EgoState, so genau weiß ich das nicht, mir ein, dass es doch garnicht so schlimm ist und ich mich gefälligst nicht so anstellen soll. Hat doch jeder mal nen schlechten Tag an dem er kaum aus dem Bett kommt, alles grau erscheint und er an Rasierklingen denkt – seit Tagen.

Ich bin in meinem Innern auf der Suche nach einer Rechtfertigung, nicht arbeiten zu gehen, lange wach und lange im Bett zu bleiben, mir vielleicht etwas Gutes zu tun – um wieder auf die Beine zu kommen und aus meinem Loch zu krabbeln. Aber da ist nichts. Niemand, der mir zugesteht, das zu tun. Stattdessen imaginäres Rasierklingengefuchtel, weil dann, vielleicht, jemand von Außen zum Fürsprecher wird, der mein Innen überredet – oder zwingt.

Schatten

Schwarz hat, was sie will. Mich, in einem verdammt dunklen Loch, dessen Grund die Sonne, die draußen scheint, nicht einmal ansatzweise erreicht.
Wir kauern zusammen dort unten und diskutieren, ob wir trotzdem spazieren gehen sollen oder stattdessen lieber nach der Rasierklinge suchen, während ich mich immer noch frage, warum ich heute überhaupt aufgestanden bin.

Wie gerne würde ich mich in die Sonne stellen und den Vögeln zuhören, die Bienen beobachten. Aber von hier unten geht das nicht, und anstelle von Bedauern fühle ich nichts.
Heute überrascht mich nicht, denn es ist ja nicht so, als hätte ich die Zeichen, die Schwarz mir die ganze Woche über schon alles andere als dezent mit einem Zaunpfahl um die Ohren gehauen hat, nicht bemerkt. Sie waren mir nur einfach egal.
Eine sarkastische Gedankenstimme meldet sich mit den Worten Wie praktisch, dass du am Montag noch deinem tollen neuen Hausarzt erzählt hast, dass es dir „ganz gut“ geht und du schlafen kannst. Ich antworte nichts, während unzusammenhängende Satzfetzen wie wollte nicht jammern, Vertrauen ist doch nicht so einfach wie gedacht und hoffentlich mag er mich auftauchen.

Ich weiß nicht als Antwort auf alle (un)gestellten Fragen.