Den Eindruck gewinne ich zumindest, wenn ich die derzeitige Fernsehwerbung so sehe. Egal, ob Stress im Beruf, in der Familie oder sonstwo – nimm XY, und du bist wieder leistungsfähig. Und wenn es doch schon zu nem Tinnitus geführt hat, gibts dagegen jetzt auch was.
Und am Ende jedes dieser Werbespots heißt es sinngemäß, “viel los ist immer noch, aber so macht es mir garnichts mehr aus!“.
Hm. Also lieber Tabletten, als etwas am Grundproblem ändern. Super Idee.
Der Vergleich hinkt etwas, aber weil ich schon länger etwas dazu schreiben wollte: ein bisschen erinnert es mich an Verhaltenstherapie. Es ist eigentlich der Grund, warum ich keine Verlängerung beantragt habe – weil es die Ursache nicht oder nur bedingt behebt. Natürlich, ich habe Skills gelernt, bin selbstbewusster geworden durch kleine Aufgaben, die ich gestellt bekam, habe mich selbst mehr beobachtet und kann dadurch Verhaltensmuster ändern, die mich stören. Für viele sicher ein guter Weg, um besser zurecht zu kommen – wie auch in manchen Punkten für mich. Aber letztenendes zielt sie darauf ab, dass ich wieder funktioniere, leistungsfähig bin und in allen Stressvermeidungs- und -abbaustrategien in die Gesellschaft passe. Wenn ich mich durch das Gelernte auch noch wohler und sicherer fühle, umso besser.
Aber ich möchte verstehen, warum gewisser Stress bei mir negativ wirkt und ich in negative Denk- und Verhaltensmuster falle, während mich andere Dinge eher wenig in diese Richtung bringen. Ich möchte verstehen, warum ich die Krise bekomme, wenn ich nur an gewisse Dinge denke. Und ich möchte verstehen, wer ich bin und warum.
Ich möchte verstehen, warum es mir gerade ziemlich/erstaunlich/erschreckend gut geht und es mich so sehr verunsichert. Da war keine Pille. Zumindest weiß ich von keiner.