99 – Selbsthilfe.Gruppe?

Ich bin auf der Suche nach einer Selbsthilfegruppe. Die Therapie endet bald, und ich denke, dass es mir helfen würde, weiterhin einen Ort zu haben, an dem ich über die Depression reden kann.
Also suchte ich mir im Internet die Finger wund, und bat auch Frau Therapeutin um Hilfe. Das Ergebnis?

Nö.

Es gäbe zwei Möglichkeiten. Einmal in der Stadt, in der ich arbeite. Jeden zweiten Mittwoch von 18-20 Uhr – da sich dann heimfahren nicht lohnt, hätte ich mit Fahrzeit einen 15-Stunden-Tag vor mir und brauche dann erst recht eine Selbsthilfegruppe 😉 Oder in der nächstgrößeren Stadt, 18.30-20 Uhr. Genauso sinnfrei, da 35 km entfernt, dann fahre ich bloß hin und her an den Tagen.

Ich wohne nahe einem Ort (8km entfernt), in dem es gefühlte 20 psychosomatische Kliniken gibt. Aber keine SHG, weil das Einzugsgebiet deutschlandweit ist.

Landleben halt.

Das ist der Preis vom Landleben. Eine Therapeutin habe ich dank der Kliniken etc. zum Glück schnell gefunden, aber jetzt…
Ich fühle mich wie besessen von dem Gedanken, eine SHG zu brauchen (vielleicht würde es mir nichtmal taugen, wer weiß?), und ich fühle mich total hilflos, dass ich nichts brauchbares finde…

97 – Fluchtgedanken

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Ich will weg. Eine Tasche packen, mir den Autoschlüssel schnappen, und still und heimlich (n)irgendwo hin fahren. Niemandem sagen, wo ich bin – niemandem sagen, wer ich bin.
Schlafen, essen, denken, mit mir allein sein. Sonst nichts.

Raus!

Diese Phasen habe ich öfter mal. Dann will ich alles hinschmeißen und abhauen. Nicht, dass ich ein Ziel hätte, oder wüsste, was ich dann tun würde – oder für wie lange. Einfach raus.

Natürlich (?) kann ich das nicht einfach so in die Tat umsetzen. Es würde, gerade in Anbetracht der „Katastrophe“, Schatz aus der Bahn werfen. Außerdem habe ich einen Job, muss Geld verdienen und kann nicht einfach untertauchen. Und es ist nicht so, dass ich Schatz verlassen will, ganz und garnicht.

Ein Tagtraum

So ist und bleibt das Ganze ein Tagtraum. In dem ich mich nicht mit den Konsequenzen meines Handelns herumschlagen oder mich rechtfertigen muss. In dem ich nicht meinen Job, meinen Mann oder mein Haus verliere. Oder und.
In dem ich abhauen und alles hinter mir lassen kann – nicht nur die „Katastrophe“ und Probleme, sondern auch die Depression, und den Rest meines Ichs, das ich loswerden will. Und in dem sich andere um mich sorgen, weil sie nicht wissen, wo ich bin und warum ich das getan habe. Wann ich wiederkomme. Ob ich wiederkomme.
In dem ich eine Rasierklinge dabei habe.

60 – Kontakt

Ich habe den Kontakt zu meinem Leben verloren. Ich habe ein Bild im Kopf, aber ausnahmsweise will sich daraus keine Geschichte machen lassen. Bis vor 5 1/2 Wochen hielt ich in der einen Hand das Seil, dass mich mit der Vergangenheit verband, in der anderen jenes, das in die Zukunft führte. Dann kam die Katastrophe, und unterbrach den Kontakt. Jetzt erkenne ich immernoch meine Vergangenheit, aber die Zukunft ist irgendwo verloren gegangen, ich sehe sie nicht. Mein Leben läuft weiter, aber ich schaue nur von unten dabei zu.

Heute in der Therapie – ja, ich war da – haben wir mein Loch analysiert. Ich bin gefangen in altbekannten Mustern, Konfliktvermeidung deluxe. In mir tobt ein Widerstreit, der mich gerade nur noch mehr belastet.
Ich kenne die Muster, aber ich erkenne sie wie immer nicht, wenn ich davor stehe.
Also habe ich es in der Hand – mich beobachten, sie erkennen und gegenläufig handeln, auch wenn es schwer fällt und meiner Überlebensregel widerspricht.
Aber, habe ich es wirklich in der Hand? Bin ich nur selbst schuld, dass mein Loch gerade so tief ist, weil ich es ja “einfach nur“ ändern müsste? Wenn gerade alles so schwer fällt, ist es dann nicht legitim, den (vermeintlich?) einfacheren Weg zu gehen und erst bis zum Wochenende, dann bis zum Urlaub durchzuhalten?
Ich weiß es nicht. Beides klingt logisch, in beiden Fällen bin ich gerade das Opfer – und in einem auch der Täter.

Ich will doch nur, dass mein Kopf Ruhe gibt, die Situation, die zu alldem geführt hat, endlich vorbei ist, und ich mich langsam wieder an ein nicht nur nach außen normales Leben rantasten kann.

Ich las gerade einen anderen Blog über Achtsamkeit und eine geschlossene Tür ohne Schlüssel, die aber nie abgeschlossen war. Ich wünsche mir, dass ich auch bald die Klinke ergreifen und sie runterdrücken kann.

22

Ein Stein weiß nicht, dass er ein Stein ist. Und trotzdem ist er ein Stein. Auf der Suche nach mir selbst bin ich vermutlich mehr als ein dutzend Mal an mir vorbei gelaufen, ohne mich zu bemerken. Auch wenn ich mir noch so fest vorstelle, ein Stein zu sein, ich bin keiner. Wer also bin ich? Eine Lichtmalerei zwischen den Zeilen der Zeit, eine Ansammlung von Sternenstaub im Universum, ein zufälliger Gedanke?

28.02.2016