Mankei

Es geht mir gut, auch wenn es da ein mehr oder weniger scharf abgegrenztes Aber gibt, das ständig vor mir im Weg rumsteht.
Eigentlich steht es da ja ganz gut, weil es auf dem unheimlich anmutenden Loch steht, in das ich garnicht so genau reinsehen möchte. Aber Loch und Aber sind auch ziemlich anhänglich, so dass ich sie fast immer im Blickfeld habe, außer wenn ich etwas mache. Egal was, hauptsache es ist was mit Bewegung. Wandern, Spazieren, Studio. Aber Abends ist das Aber dann meistens ziemlich angepisst und fragt mich mit hochgezogener Augenbraue und einem passiv-aggressiven Unterton, ob ich nicht vielleicht auch einfach mal Nichts machen könnte. So richtig echt gammeln. Und abends stimme ich überzeugt zu, mit dem festen Willen, den Wecker heutefrüh nur und ausschließlich dazu zu nutzen, Schatz zu sagen, dass ich nicht aufn Berg latschen, sondern den Tag im Bett oder maximal auf der Couch verbringen möchte – muss! – weil die sonst weint und sich nutzlos fühlt.
Aber dann geht der Wecker und es ist früh und Sommer und die schönste aller Tageszeiten und ich habe Energie und Lust und hey, es ist halt schön aufm Berg! Also gehen wir, sehen handgroße Libellen, flauschige Murmeltierhintern und keine Gämsen, aber davon hatten wir dafür beim letzten Mal schon Vier und unser Kontingent ist wahrscheinlich damit erst einmal erschöpft. Ja, es ist verdammt scheißschön aufm Berg.
Und jetzt kann ich gammeln. Keinen ganzen Tag, nichtmal einen halben, aber das Aber wird ein bisschen kleiner und es scheint etwas Sonne ins Loch. So gruslig ist es garnicht. Ich muss nur ab und zu mal reinsehen.

Meta

Ich wollte das in Ruhe mit den Beiden diskutieren. Mit Rosa die Tatsache, dass dreistellige Tagesbilanzen dann echt ein bisschen arg wenig sind und mit dem Parasit, dass die Pflaster am Arm bei dem Wetter auf Dauer blöde weiße Flecken hinterlassen. Allerdings sind beide nicht besonders sachlich und finden meine gar nicht so wenigen Argumente nur so semi.
Also gut. Unsachlich kann ich auch.
Aber es endet dann doch nur damit, dass wieder einmal darüber nachdenke, nachdenken zu müssen. Und endlich reden sollte, ich aber keinen Schimmer habe, wie ich das anstellen soll, ohne dass ich die beiden vorher Genannten gemeinsam mit meinen Hemmungen unter den Tisch trinke.

Lost

Es ist nicht so, dass mir die gesprungene Schallplatte nicht selbst unfassbar sehr auf den Keks geht.
Aber.
Ich bin durch für heute. Könnte am Hangover durch die Bedarfsmedikation von gestern oder am ~4-stelligen Kaloriendefizit oder an der nicht unerheblichen Anämie in Kombination mit einem eher lächerlich anmutenden 6,5-Kilometer-Spaziergang liegen. Oder und.
Ich bin mir nicht sicher, ob die Kapitulation schleichend kam oder *puff* plötzlich einfach da war. Das Ergebnis bleibt das Gleiche. Unglaublich viel ist mir unglaublich egal – sofern es nicht in Rosas Zuständigkeitsbereich fällt – und dazu zählt auch, dass ich einfach allen sage, was sie hören wollen, nur damit ich meine Ruhe habe.
Ausmaße kennt daher niemand und geschenktes Vertrauen wird ohne große Skrupel angenommen, nur um postwendend schändlich missbraucht zu werden.
Der Parasit schmiedet derweil Pläne und erwägt Gelegenheiten, während ich nur noch müde darauf verweise, dass Restless Legs garkein Ausdruck für das Gefühl in mehr als nur meinen Beinen sind und wir uns für die blöden, langsam wirkenden Eisentabletten – die wir auch erst morgen bekommen – statt einer Infusion entschieden haben. Wissend, dass ihn das äußerst wenig interessiert – wie auch die deutlich kritischeren Konsequenzen, wenn er noch lange so weitermacht.

Dysmorphie

Nachdem Rosa die Wiedereingliederung übersprungen hat und bereits wieder unauffällig, aber überaus fest in meinem Alltag installiert ist, steckt Orange gerade mittendrin und zettelt einen handfesten Streit an. Und sie hat verdammt gute Argumente, die Rosa garnicht lustig findet – und ich noch viel weniger. Weil es nunmal so fragwürdig wie verlockend ist, wenn ich nach heutigem Wiegeergebnis in hochgerechnet spätestens 3 Monaten am selben Punkt sein könnte wie vor der Klinik.

Mein neuer Hausarzt geht wahrscheinlich aus Versehen davon aus, dass ich erwachsen – und noch dazu vernünftig – bin, weil ich nur 4 Jahre jünger bin als er. Und weil ich seltsamerweise diesen Schein waren möchte, nehme ich nach der aktuellsten Blutbildbesprechung mit weiterhin – Sie wissen ja, warum – bestehender Anämie und leeren Eisenspeichern das Rezept für die Tabletten statt die alternativ angebotene Infusion, die der Parasit viel cooler fände. Später kann ich immer noch sagen, dass ich die nicht vertrage.

Der Parasit überlegt, wie weit er es noch treiben kann. Wer schneller ist, Rosa oder er. Beide Varianten finde ich unglaublich beruhigend. Aber dann kommt Orange und der Kreis schließt sich. Wir streiten.

Ich verstehe mich nicht. Warum ich mich so wissent- wie willentlich mit sorgsamer Akribie langsam aber sicher selbt zerstöre. Nicht nur töte, sondern zerstöre. Stück. Für. Stück.

Inkongruent

Körper tut, was Körper halt den ganzen Tag so tun. Geht auf Fototour. Sitzt beifahrend im Auto. Häkelt. Macht seinen Teil des Haushalts. Blutet – wieder einmal. Bei alldem ist er so nett, mir zumindest einige der visuellen Eindrücke ins Bewusstsein weiterzuleiten – der Rest aller Reize versickert irgendwo auf dem Weg dorthin, wenn gewisse Grenzen nicht überschritten werden. Also sitze ich da so semi-interessiert in meinem Kopf herum und verfolge mal mehr, mal weniger aufmerksam den Film, der da draußen so passiert.
So richtig identifizieren kann ich mich nicht mit alldem, was so verdammt normal und mitunter alltäglich scheint. Gespräche werden geführt und vergessen. Tätigkeiten werden ausgeübt, damit der Tag vergeht. Gedacht wird immer, aber nur selten finden sich Zusammenhänge zwischen dem Film und meiner Wirklichkeit.
Die Statisten um mich herum machen Feststellungen, beantworten ihre eigenen Fragen und geben sich mit nicht näher definierten Lautäußerungen zufrieden, deren Interpretation überraschenderweise stets ins Drehbuch passt.
Wer selbiges geschrieben hat, ist mir jedoch ein Rätsel. Ich war es jedenfalls nicht, weil ich garnicht schreiben kann, während ich so entfremdet und körperlos in meinem Kopf herumsitze und nichts damit anzufangen weiß, was Körper so tut.
Unausprechlichkeiten türmen sich vor mir auf, aber mindestens eine glänzt unfassbar beruhigend im fahlen Restlicht.

Pyroman

Ich spiele mit dem Feuer. Und es ist mir egal, dass ich in einer Pfütze Benzin stehe, denn das Züngeln der roten Flammen, der beißende Rauch, das bedrohliche Knistern, die glühende Hitze, all das fasziniert mich viel zu sehr. Außerdem habe ich ein Glas Wasser neben mir stehen. Das wird das Inferno schon bändigen, sollte es nötig sein. Sollte ich es für nötig befinden.