Hm

°Triggerwarnung°
Ich fühle mich entschleunigt, auch wenn ich das Wort nicht mag. Die weitgehende Planlosigkeit dieses Urlaubs tut mir gut.
Dennoch rumort irgendetwas in mir. Ungedachte Gedanken, unausgesprochene Worte, unbefriedigte Bedürfnisse. Äußern tut sich das ganze in subtilem Kopfweh, einem vor unbewusster Anspannung schmerzenden Kiefer und steigendem Selbstverletzungsdruck – letzteres ein für mich gerade nicht einmal negativ besetztes Gefühl, eher ein Sehnen danach.

Mein Kopf fühlt sich unsortiert an. Tagsüber komme ich nicht zum Denken, dabei hätte ich Zeit genug, aber es will irgendwie nicht. Abends im Bett fängt es dann an, von selbst loszulaufen, wo ich es so gut ich kann unterbinde. Irgendwas ist da, aber es kommt nicht an die Oberfläche. Es lässt sich nicht denken, versteckt sich, entzieht sich meinem Zugriff. Schneiden würde helfen, denkt ein Teil von mir – weil es das bisher immer getan hat. Als würde ein Schalter umgelegt, kann ich danach Dinge anders sehen, anders denken als vorher.

Da ist es also wieder. Das Problem, dass ich Skills und Strategien kenne, es nicht zu tun. Aber das, was tiefer liegt, erreiche ich dadurch nicht.

F wie …

Ich tue es schon wieder. Mich in Diagnosen verlieren, ICD-F-Diagnoseschlüssel aus meiner Patientenakte vom Hausarzt googeln, mich darin suchen und fragen, ob ich überhaupt krank bin, weil ich auch heute schon wieder (!) einen eigentlich recht guten Tag habe. Ob es dann noch eine Rechtfertigung für das, was in meinem Kopf passiert, gibt.
Einen guten Tag einfach als solchen hinnehmen? Ging gestern einigermaßen gut, heute eher so mittel bis schlecht.

Für nächste Woche habe ich jetzt einen Termin bei meinem vielleicht neuen Hausarzt Herr Dr. Ganzheitlich gemacht, gleich mal Vorsorge inkl. Hautkrebs-Screening. Dann weiß er gleich, woran er ist und ich habe mir fest vorgenommen, ihn sehr offensiv zu fragen, ob die Diagnosen ein Problem für ihn sind. Ob ich mit Vorwürfen rechnen muss, wenn es doch mal wieder zu SV kommt, weil ich nicht versprechen kann, dass es nie wieder passiert.

Sonntagsgedanken

Heute geht es mir etwas besser. Und ich hasse es, das zu schreiben, weil es in meinem Kopf impliziert, dass ich mich die letzten Tage nur angestellt habe. Reingesteigert. Überreagiert.
Dabei ist dieses etwas ein sehr fragiles Gebilde. Ein Wie fühlst du dich kann ich nicht eindeutig beantworten. Etwas besser, trotzdem nicht gut vielleicht.

Ich habe nach wie vor den Gedanken, mich verletzen zu wollen. Ich esse nur einmal am Tag und habe weiter abgenommen nehme weiter ab. Ich antworte nicht auf Nachrichten und gehe nicht ans Telefon, weil ich bei einem weiteren Halt(et) die Ohren steif entweder in Tränen ausbrechen oder losbrüllen würde.
Ich will nicht stark sein und funktionieren müssen. Ich will leiden dürfen, weil ich es tue. (Keine Ahnung, ob jemand versteht, was ich meine – es ist ein sehr abstrakter, kaum erklärbarer Gedanke in meinem Kopf).

Ich weiß, dass die Kontrolle übers Essen (die mir dank fehlendem Appetit nicht wirklich schwer fällt) andere destruktive Verhaltensweisen – vorrangig SV – nur (unzulänglich, btw) ersetzt. Und, so erbärmlich es klingt, auch ein kleines bisschen darauf abzielt, dass andere sehen, dass etwas nicht stimmt. Etwas, das ich mit SV nie bezwecken wollte.

Dunkelschwarz

Ich will wegrennen. Loslassen.
Ich bin mir sicher, würde ich loslassen, meine Selbstkontrolle nur eine Sekunde aus den Augen lassen, würde ich in der Psychiatrie enden. Und es klingt so verlockend. Die Verantwortung abgeben, mich um nichts kümmern müssen. Durchdrehen, wann immer ich will.
Wegrennen klingt ebenfalls gut. Ein paar Sachen packen und untertauchen. Zur Ruhe kommen. Einen Weg finden, mit der Unsicherheit des laufenden Verfahrens – der Katastrophe – zu leben.
Aber ich habe Verpflichtungen. Persönliche. Berufliche. Finanzielle. Vorallem finanzielle. Da kann ich nicht einfach abhauen, es würde alles nur noch schlimmer machen.
Falls das geht.

Das ist alles so … absurd. Falsch. Unfair. Wie ich dabei nicht zusammenbrechen soll, ist mir ein Rätsel. Kann man so etwas überhaupt aushalten? Ohne zu schreien, zu heulen, wegzurennen, sich zu verletzen oder zu beschließen, dass es genug war?

Ich will das alles nicht. Aber jedes Mal, wenn ich aufwache, muss ich feststellen, dass der Albtraum keiner war, sondern sich Leben nennt.

Skilling me softly

Nach gestern Abend fühle ich mich eklig. Mir ist – und dabei ist es egal, ob vom Essen oder vom Likör – übel, ich habe Kopfweh. Ich würde nicht so weit gehen, das als Kater zu bezeichnen, aber trotzdem geht es mir nicht so richtig gut.
Aber der Rausch… derzeit würde ich so ziemlich alles nehmen, was irgendwie den Kopf ausschaltet. Alles, damit ich mich ja nicht verletze, weil das ist ja böse. *AchtungIronie*

Skills, um inneren Druck abzubauen, gibt es listenweise. Verstanden habe ich das nie. Dabei kann ich es, siehe Mittwoch. Als die Anderen Schatz und mir noch einmal mit Anlauf in die Rippen getreten haben. Mein Puls lag nach diesem Brief weit jenseits der 120, und unser Weg richtung Bett, den wir eigentlich eingeschlagen hatten, war undenkbar. Also putzte ich die Küche, räumte meinen Kleiderstapel im Schlafzimmer und auch das Wohnzimmer auf. Dinge, die ich unter der Woche sonst nie mache, aber die ich da einfach tun musste.
Aber genau das ist der Punkt. Ich hatte das Bedürfnis, genau das zu tun. Nicht SV, nicht etwas trinken, sondern aufräumen. Danach fühlte ich mich etwas besser, es hat geholfen.

Ich will nicht denken. Ich will nicht fühlen. Ich will, dass der Tag das Wochenende die Tage bis zum Termin das Alles schnell vorbei ist. Und nach einem Triggermoment bei einer OnlineTV-Sendung vorhin will ich mich verletzen. Ja, ein Rausch wäre auch toll, aber ich weiß, eine Verletzung würde – im Sinne der Wirksamkeit – länger vorhalten. Immerhin, das letzte Mal war vor 8 1/2 Monaten.

Ich skille jetzt schaue jetzt TV.

Chaos

°Triggerwahrnung°

Rot ist immernoch präsent. Immernoch wütend. Immernoch auf der Suche nach einem Grund, auszurasten.
Ich habe alle Hände voll zu tun, ihr nicht das Steuer zu überlassen. Sie zu beschwichtigen und davon zu überzeugen, dass es nicht sinnvoll ist, die Adern, die sich heute beim Sport so schön an meinen Unterarmen abzeichneten (und die mir zeigen, was Rot mit meinem Körper macht, weil sie das sonst nicht so stark tun), aufzuschneiden und ihnen beim Bluten zuzusehen.

Ich habe das Gefühl, massiv abzurutschen. Die Nacht war kurz und scheiße, und es brauchte zwei Stunden, mich davon zu überzeugen, doch mal aufzustehen. Schwarz ist auch da, und möchte heulen und sich verkriechen.

Ich muss daran denken, dass ich am Mittwoch zum ersten Mal bei einer Depressions-Selbsthilfegruppe war (ich denke, ich werde wieder hingehen) und ein kurzes, aber interessantes Gespräch über meine auslaufende Verhaltenstherapie, die längere, aber doch abgebrochene tiefenpsychologische Therapie, reine Symptombehandlung und tieferes Verständnis innerer Vorgänge hatte.
Mir fehlt gerade jegliche Geduld, mehr von meinen Gedanken dazu zu schreiben (vielleicht ein andernmal). Aber ich erlebe gerade, dass Symptombehandlung zwar sinnvoll ist, damit Rot vorerst nicht zur Klinge greift und Schwarz sich nicht verkriecht, sondern zumindest 10 Minuten Sonne und frische Luft abbekommt, aber das Grundproblem nicht löst, weil ich es nichtmal verstanden habe.

Ich sehe Schemen und meine, ein Muster zu erkennen, aber sicher bin ich mir nicht. Schwarz habe ich seit Wochen eher klein gehalten, ihr Ruhe- und Rückzugsbedürfnis mit zu vielen und zu dicht aufeinanderfolgenden Terminen ignoriert, genau wie die täglichen Gedanken an SV und Alkohol – auch wenn ich letzterem zu oft aber mit zu geringen Mengen nachgebe und nicht nur daran denke. Also kommt jetzt Rot daher, weil sie Schwarz beschützen will und mit ihrer lauten Art eher die Aufmerksamkeit bekommt, die sie haben will.

In meinem Inneren ist gerade so viel los, dass ich mich garnicht näher und tiefergehend damit beschäftigen kann. Mein Plan für heute ist, mich abzulenken und lauter Zeug online anzuschauen, um nicht mit Rot zu streiten, ob sie sich schneiden darf, weil ich weiß, wer am Ende verlieren wird.
Ich habe keine Ahnung, ob ich morgen arbeitsfähig sein will werde, aber auch damit kann ich mich nicht beschäftigen. Irgendetwas kippt in meinem Inneren, und es fühlt sich gefährlich an.