„ … “

Ich versuche, zu verstehen, warum ich es niemandem sagen kann. Fünf einfache Worte. Es geht mir nicht gut. Nicht Mama. Nicht Schatz.
Nicht reden, weil es ja stimmen könnte. Erst recht nicht reden, weil es ja Einbildung sein könnte.
Lauter einzelne Gedanken, die durch meinen Kopf hüpfen und sich nicht aufschreiben lassen wollen. Funktionieren. Weitermachen. Abwarten und hoffen, dass es in 1 1/2 Wochen anders wird, besser vielleicht. Dass sich dann all meine Probleme in Luft auflösen.

Mein roter Faden

Unter einem roten Faden versteht man ein Grundmotiv, einen leitenden Gedanken, einen Weg oder auch eine Richtlinie. „Etwas zieht sich wie ein roter Faden durch etwas“ bedeutet beispielsweise, dass man darin eine durchgehende Struktur oder ein Ziel erkennen kann.

Quelle:Wikipedia

Der rote Faden, der sich durch meinen gerade geschriebenen Entwurf für einen Blogbeitrag zieht, ist nicht erkennbar. Er dreht sich um Rückenschmerzen, einen vielleicht bevorstehenden Hexenschuss, Pflichtbewusstsein und irgendetwas kaputt gegangenes bei der Katastrophe vor über 7 Monaten, was sich nicht reparieren lassen will und dazu führt, dass ich jeden Tag weniger Lust auf meine Arbeit habe. Aber auch um wieder allmorgendliche Gedanken an Selbstverletzung, hypothetische Gefühle, Angst und Hoffnung.

Der rote Faden, der sich durch mein Leben zieht – mein roter Faden – dagegen ist wunderbar erkennbar, weil sich vor über 7 Monaten zusätzlich die Katastrophe dort herumgewickelt hat. Und sie ist jeden einzelnen verf*ckten Tag so präsent, als würde sich der Faden heiß glühend in meinem Gehirn in jede einzelne Windung brennen, tiefer und tiefer.

Das Gras wächst immer höher
und du beißt fast hinein

Enno Bunger

In etwas über einem Monat löst sich – vielleicht, ganz vielleicht, hoffentlich vielleicht, bitte bitte vielleicht – die Katastrophe wieder vom Faden. Dann muss ich schauen, was davon noch übrig ist.

 

Es ist leichter, mich schlecht zu fühlen…

…und es nervt mich. Warum muss es Arbeit sein, mich ok oder gar gut zu fühlen? Bei anderen geht das doch auch einfach so?

Ich weiß, dass es nicht immer so war und nicht immer so bleiben wird. Und dass ich mich nicht mit anderen vergleichen sollte. Aber jetzt gerade (und schon seit viel zu langer Zeit) ist es so, und es kotzt mich an. Weil es so leicht ist, mich wahlweise schlecht oder nichts zu fühlen, und es so sehr anstrengt, jeden Tag aufs Neue dagegen anzugehen. Und wenn ich es nicht tue, denke ich daran, dass es nur hätte versuchen müssen, statt in Selbstmitleid und einer Diagnose zu versinken.

Leck mich, Welt.

Leben als Selbstzweck?

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Ich habe Urlaub und fühle mich sinnbefreit. Ich habe keinerlei Pläne für diese eine Woche und finde mich daher tagtäglich auf der Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung wieder, um nicht in meinen Gedanken zu ertrinken. Dabei war Gammeln alles, was ich an meinen freien Tagen tun wollte, aber es ist anstrengend, dabei nicht unterzugehen.
Mir wird mehr und mehr klar, dass es mir vor der Katastrophe langsam besser ging. Ich konnte mich beschäftigen, konnte entspannen, hatte Pläne, eine Perspektive. Ich glaube, wäre sie nicht passiert, hätte ich diesen Sommer einen Weg aus der letzten depressiven Episode gefunden.
Aber es kam anders, und alle Pläne wurden von den Anderen an die Wand gestellt und erschossen. Ohne Zigarette, ohne Augenbinde, ohne Vorwahrnung.

Seither ist jeglicher Sinn aus meinem Leben verschwunden. Ich stehe auf, bestreite meinen Alltag, ich gehe schlafen. Alles nur, damit der Tag irgendwie vorüber geht und mich einen Tag weiter weg von der Katastrophe und einen Tag näher an den wie.auch.immer-gearteten Abschluss des Ganzen bringt.
Ich überlebe. Mehr nicht.

Ich ertappe mich dabei, wie ich alle Ideen, alle Pläne, die aufkommen, nehme und in eine Kiste werfe, bei der sich erst noch herausstellen wird, ob ich sie je wieder öffne, oder sie Mitte Dezember gleich anzünde. Und ich frage mich, wie ich bis dahin weitermache, wenn Leben nur Selbstzweck und Hoffnung eine quälende Flamme ist, die ich aus Angst immer wieder zu löschen versuche, weil ich sie nicht von den Anderen ermordet sehen will.

Einen Versuch war es wert

Nicht.
Gestern. Der Kaffee ist alle, der Cursor blinkt, aber meine Finger tippen keine Worte mehr. Ich fahre den Laptop herunter, bringe meine leere Tasse zur Spüle und gehe zur Toilette. Krame im Medikamentenschrank nach dem verschreibungspflichtigen Muskelrelaxans, das bei mir Watte im Kopf verursacht, und nehme eins. Komme aus dem Bad, nehme meine leere Tasse und fülle sie fast zur Hälfte mit Kräuterlikör und Obstbrand. Setze mich aufs Sofa, schalte den Fernseher ein und trinke in langsamen Schlucken. Lecker ist es nur am Anfang.
Die Wirkung von beidem potenziert sich, mein Kopf geht endlich aus. Nein, kein Filmriss, aber das früher als so unangenehm empfundene Gefühl des Schwindels und der falschen Leichtigkeit breitet sich – sehr langanhaltend – aus und ich genieße es.
Der erste Dämpfer? Als ich mein Abendessen esse, kommen die Geschmäcker nicht in meinem Kopf an, was mich ärgert, weil ich das wenige, was ich esse, wenigstens richtig schmecken möchte.
Der zweite Dämpfer? Sehr viel später. Ich liege im Bett und brauche Finalgon, um nicht durchzudrehen. Ich kann nicht schlafen, und mir wird kotzübel. So bleibt es eine ganze Weile, bis ich doch irgendwann unruhig einschlafe.
Meine Augenringe heutefrüh sprechen neben dem Kopfweh (das ich aber wirklich nur auf den schlechten Schlaf zurückführe) eine eindeutige Sprache.
Ich fühle mich schlecht und schuldig, weil ich mich doch dazu habe hinreißen lassen. Und ich ekle mich vor mir selbst, weil ich bitte nie nie nie ein Alkohol- oder Medikamentenproblem haben möchte. Und ich schäme mich, während ich das hier aufschreibe.
Aber vielleicht war diese Erfahrung nötig. Denn die Tabletten, die ich gestern schon in meine Kulturtasche für meine mehrtägige Dienstreise kommende Woche getan hatte, habe ich wieder rausgenommen, und meinen Plan, mir für abends irgendetwas zum Trinken zu besorgen, in ein wenig leckeres Essen(-gehen) und auf dem Hotelbett Musik hören umgewandelt.
Dann ist auch Scham ein Gefühl, das zu irgendwas gut ist.