Projekt #mentalhealth

mentalhealth
Ich habe meine #mentalhealth, die ich lieber mit Stabilität denn Gesundheit übersetzen möchte, in meinem Kopf zum Projekt erhoben. Keine Ahnung, warum, aber ich hoffe, dass es so einen anderen Stellenwert einnehmen kann. Ein Projekt klingt netter als ein schnödes es muss sich was ändern.

Einen detaillierten Projektplan gibt es nicht – wird es auch nicht geben. Aber ein paar Punkte finde ich wichtig:
[x] einen Termin bei der Kinesiologin machen
[x] mich um einen Therapeuten kümmern
[ ] zum Therapeuten hingehen
[ ] zum Therapeuten ehrlich sein und Wünsche formulieren, z.B. dass ich mit Vornamen angesprochen werde (wenn auch das „Sie“ so bleibt)
[ ] zu meiner Familie offen und ehrlich sein, z.B. das Alkohol-Thema erwähnen
[ ] mir überlegen, wie ich künftig im beruflichen Umfeld mit dem Thema umgehe
[ ] möglichst jeden Abend mindestens in den Garten gehen
[ ] einmal die Woche etwas früher Feierabend machen
[ ] mir die Arbeit wieder angenehmer gestalten
[ ] Alkohol ist nur noch am Wochenende erlaubt

Das klingt in meinen Augen nicht nur ambitioniert, das ist es auch. Und vielleicht klappt es nicht. Aber vielleicht doch, und wenn es nur für einen schönen Sommer reicht.

F32.1G

Gestern ist mein Zombie-Ich für mich arbeiten. Während ich damit beschäftigt bin, zwischen Schwindel, Kopfschmerzen und allerlei anderem unlustigen Körperkram mein Leben zu zerdenken, tut es so, als würde es seinen Job machen.
Dass andere das wirklich als „Arbeit“ auffassen könnten, was ich da gerade vor mich hin fabriziere, erscheint mir allerdings unmöglich. Ich tue es ja selbst nicht.

Ich schlafe kaum, stattdessen verbringe ich die Nacht, die wieder einmal promillelastig beginnt, damit, weiter alles zu zerdenken, was mir in den Sinn kommt – vorallem die Frage, ob ich heute zum Arzt gehe, obwohl mich niemand dazu zwingt. Als der Arbeitswecker geht, habe ich meine Entscheidung ungefähr 12573 Mal negiert, aber jetzt aufzustehen erscheint mir noch viel unmöglicher, als später beim Doc zu sitzen.

Und auch, wenn ich die Hälfte von dem, was ich mir nachts seitenweise zu sagen ausgedacht habe, vergesse, hört er mir zu und schmeißt mich wider Erwarten nicht mit den Worten, ich solle mich gefälligst nicht so anstellen, raus. Sogar eine AU, die ich meinem ungläubigen Ich vor die Nase halten kann, habe ich nun. Zwei Tage, in denen ich mich mir zuwenden darf und soll. Zwei Tage, in denen ich mich um neue therapeutische Hilfe kümmern soll, und um Termine für Kinesiologie. Gerade spüre ich einen Hauch Zuversicht. Einen klitzekleinen.

Sackgasse

Wenn es so weitergeht – wie soll es dann weitergehen?

Ich bin nicht arbeiten heute. Beschlossen habe ich das gestern schon, ohne zu wissen, ob es so besser ist, oder ob nicht ein geregelter Tag eigentlich das wäre, was jetzt richtig wäre. Aber nichts ist richtig zur Zeit.
Nicht, dass ich an vier von sieben Abenden einer Woche angetrunken bin. Nicht, dass ich es gerne an sieben Abenden und auch noch ein bisschen öfter wäre. Nicht, dass ich immer gereizt bin, und nicht, dass ich entscheidungsunfähig bin. Nicht, dass mir alles egal ist, und nicht, dass ich mich in Stücke hacken möchte. Nicht, dass ich nicht ans Telefon gehen kann, und nicht, dass mein Tinnitus Party feiert. Nichts davon ist richtig oder ergibt irgendeinen Sinn.
Schwarz bettelt, ich sollte all das meinem Hausarzt erzählen und ihn die Entscheidung treffen lassen dass ich bloß ein Simulant bin, der nur ein paar freie Tage erjammern will. Bloß keine Verantwortung mehr tragen. Grün sagt, dass ich übertreibe und mich anstelle. Und Grün hat Angst, dass der HA genau das bestätigen könnte. Orange wird panisch, weil ich nicht arbeiten bin – gerade jetzt, wo die Hütte brennt. (Meine Hütte brennt auch – aber das interessiert keinen, mich ja irgendwie auch nicht, oder doch, so halb halt… ach, keine Ahnung).

Ich weiß nicht, was ich will. Ich sitze in meiner immer enger werdenden Sackgasse und will überhaupt etwas wollen wollen. Glaube ich. Und jemanden, der mir sagt, was ich tun soll.

Hulk

Seit 1 1/2 Wochen sitze ich nun überfordert vor meinem Leben, welches seit ziemlich genau einem Jahr unter Schutt und Asche in Scherben vor mir liegt.
Die Teile sind wild verstreut, dreckig und teilweise winzig klein. Ich habe das dringende Bedürfnis, etwas zu tun, ohne zu wissen, wo und wie ich eigentlich anfangen soll. Also suche ich mühsam und wenig strukturiert Stück für Stück aus dem Haufen heraus und versuche, das was ich finde irgendwie zu sortieren.
Vielleicht würde mir das sogar gelingen, wären da nicht andere, welche weder meinen unsortierten Sortierhaufen noch den Schuttberg sehen (können), die mir seither mit beeindruckender Effektivität wieder alles durcheinander bringen, mir den Kleber wegnehmen und Teile, die ich schon rausgezogen und zumindest bis zur Erkennbarkeit gereinigt hatte, wieder zurück in den Dreck kicken.

Seit Tagen schaue ich diesem Schauspiel nun zu – höflich bis freundlich lächelnd, funktionierend, unbeteiligt. Ignoriere, dass mein Körper nur auf eine Gelegenheit wartet, mir den Dienst endgültig zu verweigern. Zwinge ihn dazu, weiterzumachen, obwohl er lauthals Pause! brüllt und sehr kreativ darin ist, mir die Notwendigkeit einer solchen begreiflich zu machen.

Es fehlen einige Teile, die ich bisher nicht ausmachen konnte unter all dem Müll, der vor mir liegt. Ich habe den Verdacht, die Befürchtung, dass es sie bei dem großen Knall damals pulverisiert und irgendwo hin verweht hat.

Ich bin wütend, aber darf es nicht sein. Wütend auf Menschen, auf die ich nicht wütend sein darf. Wütend auf das, was passiert ist, ohne es ändern zu können. Wütend auf mein Leben, dass es einfach dort rumliegt und so durcheinander ist. Wütend auf mich, weil ich so viel verloren habe. Wütend auf meinen Kopf, der nicht mehr richtig funktioniert. Ich bin so unendlich wütend, dass ich mich selbst in Stücke hacken und neben die Scherben legen will, denn dann passt es wenigstens zusammen.

Nichts darf raus.
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Ich stehe am Rande des Nervenzusammenbruchs. Und alles, was ich denke, ist: och, eigentlich könnte ich mich auch mal setzen.

Puzzlearbeit

Ich versuche gerade herauszufinden, was von mir übrig ist. Und wer ich vor der Katastrophe war, denn so genau weiß ich das nicht mehr.
Ich lese alte Beiträge und mein Tagebuch, aber viel finde ich dort nicht. Dunkel erinnere ich mich, dass ich mich auf dem richtigen Weg wähnte. Aber wie sieht er aus, der richtige Weg? Ein langsames Herausarbeiten aus der Depression depressiven Phase, ein langsames Hineinarbeiten in meine Rolle als Führungskraft. Und weiter? Was war da noch?

Gerade finde ich nichts. Statt von Erleichterung überwältigt zu werden, sitze ich da und denke ein Geräusch, dem ein Uff sehr nahe kommt. Mein Körper und mein Kopf sind erschöpft und ich spüre, wie beide heimlich darüber nachdenken, sich einfach mal für eine Weile auszuklinken. Irgendwo in mir drin lauert unendliche Erschöpfung und eine körperliche Schwäche, die ich weder in Worte, noch sonstwie fassen kann.

Windungen

Manchmal bestimmte der Dämon ihr Leben. Er war es, der ihre Gedanken lenkte, ihre Gefühle verschlang und ihr Leben lebte, während sie sich verkroch und hoffte, dass es bald vorbei war. Düsternis umgab ihn, das Licht zog sich scheu in den Schatten zurück. Er durchsetzte sie mit einer solchen Gleichgültigkeit, dass auch die Kälte nicht mehr schmerzte, sondern bloß noch war.
Wenn er langsam verblassend verschwand, empfand sie neben Erleichterung doch auch immer so etwas wie Sehnsucht, die niemand verstand – am wenigsten sie selbst. Bei jeder seiner Heimsuchungen nahm er einen Teil von ihr mit und ließ Dunkelheit zurück. Vielleicht war es diese nun einsame Dunkelheit, die sich vor dem Licht fürchtete und der Wärme misstraute, die sich den Dämon zurückwünschte, weil er manches so viel leichter machte mit der Schwere, unter der er alles begrub. Die ihn umwarb und bezirzte, doch noch einmal zurückzukommen und sie in seine erbarmungslose, eiserne und doch sichere Umarmung zu nehmen.
Ein Tanz mit dem Teufel. Ein Tanz, der schnell in einer neuerlichen Geiselnahme enden konnte. Ein Tanz, den sie nur vermeintlich beherrschte und der ihr Angst machte, weil sie ihn nicht verstand, sondern nur fühlte.