Phorie

Im schmerzlichen Bewusstsein, durchaus Teil des Problems zu sein, betrachte ich die Pasterze, die sich dem wandelnden Klima nur ergeben kann und nichts als nackten, viel zu warmen Fels hinterlässt. Ich spüre ein Ziehen im Körper und versuche, die Inkongruenz dieser rundum außergewöhnlichen, beeindruckenden und so wunderschönen Landschaft mit der aufkommenden Traurigkeit ins Gleichgewicht zu bringen und bin erstaunt, dass es gelingt.
Die zwei Tage Alpenlandschaft-Dusche fühlen sich an wie fünf und machen die darauffolgenden 130 Liter Regen bei 4 Grad Außentemperatur bisher nachhaltig erträglich, auch wenn sie dafür scheinbar mein Gehirn verstopfen und bisher verhindern, weiter an meinen Käfigtüren zu feilen.

Käfighaltung

Meine Kreativität tobt sich derzeit eher im visuellen statt literarischen Umfeld aus und versucht sich dort in der Darstellung von Modi und Schemata, die mir vorab als DiGA und daraufhin auch in gebundener Form ziemlich erleuchtende Ein- bis Durchblicke in meine mentale Funktionsweise eröffnet haben.
Zuweilen überfordert von regulierter Hirnchemie und damit einhergehendem Verlangen, fremde Menschen zu schütteln und ihnen lauthals meine nicht anders als f*cking hervorragend zu titulierende Stimmung an die Stirn zu tackern, erledige ich plötzlich Dinge, von denen ich garnicht wusste, dass ich sie vorhabe, nur um nicht komplett zu eskalieren – positiverdings.
Die Gefahr, mich in diesem Zustand unbemerkt mit eben jenen Dingen zu überfordern, einfach weil es geht, ist nicht nur realistisch, sondern wahrscheinlich – aber ey, so geil habe ich mich seit ewig nicht gefühlt!

Synapse

Mit einem funktionierenden, medikamentös induzierten Serotoningleichgewicht stellen sich die letzten 6 Monate als ziemlicher Blindflug heraus. Klar wird mir das, als ich zwischen Kühen und Wildblumen auf 1.500 Metern nicht nur einfach rumstehe, sondern den Berg, die Sonne und auch alles andere fühle. Vielleicht wäre es schlau gewesen, doch schon eher wieder mit den Glüxbärchis anzufangen, aber das letzte Mal fühlte es sich irgendwie … anders an. Stumpfer. Und war hoffentlich den Umständen vor rund eineinhalb Jahren geschuldet.
Jedenfalls ist die Akkustandsanzeige inzwischen auf einem deutlich verträglicheren Niveau und reicht hoffentlich, den ab morgen wieder eingeschalteten Wecker länger als ein paar Tage zu tolerieren.

Manko: Meine Kreativität ist kaputt. Und mein Orgasmus.

Dezibel


Ungefähr eine Million Ameisen latschen emsig auf unserer Terrasse herum und krabbeln hoffentlich nicht an meinen Beinen hoch. Den Job übernimmt schon Mieze, auch wenn ihr – wie mir – schnell zu warm wird und sie sich auf den Tisch neben mir legt. Danke.
Aber nicht nur daran kann man Frühling! auf dem Land erkennen, nein! Viel eher an Nachbar 1, der in der Früh seinem Hochdruckreiniger etwas Sonne gönnt. Oder an Teilzeitnachbarin 2, die ihrem Rasen mittels Mäher Einhalt gebietet. Und nochmal an Nachbar 1, der das natürlich nicht einfach so auf sich sitzen lassen kann und nun ebenfalls seinem Mäher Auslauf gewährt. Oder auch Schatz, der dem Stammholz vor dem Haus mit der Kettensäge zu Leibe rückt, so dass ich ebenjene weder zur Kalmierung etwaiger Nachbar:innen noch deren Gartengeräten verwenden kann.
Und dennoch sitze ich hier, genieße den leichten – wahlweise nach Abgas, Rasenschnitt, Fichte oder auch mal nichts! duftenden – Wind und finds geil. Weil, Frühling! Und, jetzt gerade! Nur Vögelchen 💜