Weil…

Morgen kommt meine Mama. 8 Tage. Ferienwohnung, zum Glück.
Ich habe schon 4 Ansätze hinter mir, einen Beitrag über meine Gedanken dazu zu verfassen und schaffe es nicht. Es stresst mich jetzt schon. Weil sie Fotos von Süßkram schickt, den sie mitbringt (den ich nicht essen werde), weil sie zusammen kochen und essen gehen will (was mich an den Rand der Verzweiflung bringt), weil ich dringend mit ihr reden muss (wovor ich Angst habe), weil ich meine Routinen umstellen muss, weil gleich 2 Wochenenden dafür „draufgehen“.

Immerhin, für Sonntag habe ich sie ganz selbstfürsorglich mit ihrem Mann alleine essen geschickt. Damit ich den Abend für mich habe und nicht zum Spanier muss, bei dem ich nichts auf der Karte finde, was ich essen würde.

82 – Mut oder Wahnsinn?

Mal wieder mache ich mir Gedanken darüber, ob ich mit kurzen Ärmeln in die Arbeit gehe. Der Urlaub ist rum, ab morgen ist also wieder Hamsterrad angesagt. Und, falls es noch keiner bemerkt hat, es ist heiß. Verdammt heiß, und auch wenn ich eine Klimaanlage im Büro habe, heißt das nicht, dass es nicht trotzdem im Gebäude einfach zu warm sein wird – und ich Klimaanlagenluft nicht mag.

Eine Weile…

Seit inzwischen 5 Jahren war ich nicht mehr kurzärmlig in der Arbeit. Seit ich den ersten Schnitt am Arm machte. Inzwischen habe ich eine umfangreiche Sammlung an dünnen leichten Blusen, die auch im Sommer gehen – oder bisher gingen, wenn wir nicht wochenlang Temperaturen jenseits der 30 Grad hatten. Und falls doch mal jemand komisch schaute, sagte ich (nicht ganz unberechtigt), dass ich es nicht mag, wenn meine nackten Arme am Schreibtisch „kleben“.

Weiße Linien

Das letzte Mal, als ich mich am Arm selbstverletzte, war 2015, so dass sämtliche Narben (und das sind nicht viele) als alt zu erkennen sind, auch wenn sie aktuell wegen meiner Bräune besonders gut sichtbar sind.
Die frischere(n) Narbe(n) am Bein lasse ich hier übrigens mal ganz außen vor, da ich abgesehen von kurzen Hosen zum Wandern immer in langen Jeans unterwegs bin.

Pro & Contra

Ich habe mal eine Liste gemacht mit Dingen, die für oder gegen lange Ärmel an meinem Arbeitsplatz sprechen.

Dafür spricht:

  • es ist warm – sehr warm
  • die Narben sind als offensichtlich alt zu erkennen
  • die Narben und deren Ursache gehen niemanden etwas an, und das darf ich auch sagen
  • morgen ist so gut wie jeder andere Tag, und ich möchte nicht den Rest meines Arbeitslebens langärmlig rumlaufen
  • ich habe keinen Kundenkontakt und nur selten mit Externen zu tun – dafür kann ich eine dünne Jacke mitnehmen und bei Bedarf anziehen
  • ich bin auch nur ein Mensch
  • ich bin seit über 8 Jahren in der Firma/Abteilung und alle kennen mich, es ist „nur“ eine Äußerlichkeit
  • wenn der erste Tag erst einmal überstanden ist, wird es wahrscheinlich von Tag zu Tag etwas einfacher
  • vielleicht bemerkt sie niemand – nicht jeder checkt wie ich mit als Erstes die Unterarme von jemandem, den er sieht

Dagegen spricht:

  • man wird hinter meinem Rücken reden
  • komische Blicke, Kommentare und Fragen kommen auf mich zu
  • meine Mitarbeiter und Vorgesetzte könnten mich nicht mehr ernst oder (falsche) Rücksicht nehmen
  • ich bekomme den Stempel „psychisch krank“, „instabil“ und/oder „irre/verrückt“
  • ich habe eine Scheißangst vor den ersten Reaktionen

Und jetzt nochmal – was spricht wirklich dagegen, oder was lässt sich durch gesunden Menschenverstand zumindest reativieren?

  • man wird hinter meinem Rücken reden → man wird immer hinter meinem Rücken reden, weil ich Teamleiterin und Einzelgängerin bin, es unterscheiden sich dann nur die Inhalte dessen
  • komische Blicke, Kommentare und Fragen kommen auf mich zu → zumindest in den ersten Tagen bzw. bei den ersten Begegnungen, es wird nicht ewig so bleiben; außerdem würde auch bei langen Ärmeln bei den Temperaturen wahrscheinlich blöd geguckt
  • meine Mitarbeiter und Vorgesetzte könnten mich nicht mehr ernst oder (falsche) Rücksicht nehmen → Rücksicht wäre nicht das Schlechteste, was mir passieren kann, und bei falscher Rücksicht kann ich intervenieren. Ich will keine weitere „Karriere“ machen, bei der mir das im Wege stehen könnte, und weiß, dass meine zwei nächsten Chefs sehr großes Vertrauen in mich und meine Fähigkeiten haben. Wenn Narben daran etwas ändern, bin ich in der falschen Firma.
  • ich bekomme den Stempel „psychisch krank“, „instabil“ und/oder „irre/verrückt“ → siehe oben
  • ich habe eine Scheißangst vor den ersten Reaktionen → die werde ich immer haben, egal, wann ich mich dazu entschließe. Umgehen könnte ich das nur, wenn ich es nicht wagen würde.

Warum morgen?

Für wichtige Schritte, die ich gehe, brauche ich oftmals einen „besonderen“ Startpunkt, eine Wegmarke. Morgen wäre so ein „besonderer“ Tag, weil es der erste Tag nach 3 Wochen Urlaub ist. Ich weiß, wenn ich es morgen nicht mache, werde ich den nächsten Versuch sehr wahrscheinlich erst 2019 wagen.

Mutig

Es wäre das Mutigste, was ich dieser Tage tun könnte und seit langem getan habe. Ein Schritt in die Richtung, mich bei der Arbeit nicht mehr hinter einem sehr abgegrenzten EgoState zu verstecken, sondern auch zu dieser Seite von mir stehen.

Die Herausforderung wird nun sein, es morgen wirklich durchzuziehen. Die ypsenneunzig Meinungswechsel, die heute unweigerlich kommen werden, auszuhalten und trotzdem an diesem, sagen wir Entschluss, festzuhalten.

Sei mutig. Dir zuliebe.

69 – Akzeptanz (I)

Mir kam der Gedanke, dass wenn ich meinen Urlaub so verbringe, wie ich und andere es erwarten, nämlich mit Entspannung, Ablenkung und noch mehr Entspannung, ich am ersten Tag zurück in der Arbeit und damit zurück im Hamsterrad, an genau der gleichen Stelle anknüpfe, an der ich Freitag aufgehört habe. Mit Hurra zurück in mein Loch.

Die letzten Alle Urlaube habe ich so verbracht. Mich von meinem Alltag distanziert und möglichst wenig darüber nachgedacht, stattdessen gehofft, das sich irgendetwas ändert. Am Ende eines jeden Urlaubes war da aber nur ein diffuses Gefühl, mich zu wenig mit mir und den Auslösern auseinandergesetzt zu haben, und der ungebremste Sprung zurück ins Alltags-Loch.
In meinem gerade angefangenen Urlaub möchte ich daran etwas ändern und mich mit Akzeptanz beschäftigen.

Eine Analyse.

(Und als ich im Vorfeld darüber nachdachte, was ich hier schreiben möchte, fiel mir auf, wie weit Akzeptanz und mein Streben, alles zu analysieren, auseinanderliegen. Ich fange trotzdem so an.)

Was ich an mir akzeptiere, ist z.B. meine große Narbe am Rücken und die dazugehörige Narbe der Drainage, die von einer OP stammen, die ich als Kind hatte. Ich hatte nie den Gedanken, das könnte mich entstellen, und ich machte auch nie negative Erfahrungen damit.
Auch akzeptiere ich, zumindest zu einem gewissen Grad, dass ich beim Sport nicht immer gleich Leistungsfähig bin, weil mein Körper durch den Zyklus und andere Einflüsse mal besser und mal schlechter drauf ist. Es hat eine Weile gedauert, aber irgendwann fand ich es einfach natürlich, auf meinen Körper zu hören und es dann auch mal langsamer angehen zu lassen.
Dann hört es aber auch schon langsam auf.
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