69 – Akzeptanz (I)

Mir kam der Gedanke, dass wenn ich meinen Urlaub so verbringe, wie ich und andere es erwarten, nämlich mit Entspannung, Ablenkung und noch mehr Entspannung, ich am ersten Tag zurück in der Arbeit und damit zurück im Hamsterrad, an genau der gleichen Stelle anknüpfe, an der ich Freitag aufgehört habe. Mit Hurra zurück in mein Loch.

Die letzten Alle Urlaube habe ich so verbracht. Mich von meinem Alltag distanziert und möglichst wenig darüber nachgedacht, stattdessen gehofft, das sich irgendetwas ändert. Am Ende eines jeden Urlaubes war da aber nur ein diffuses Gefühl, mich zu wenig mit mir und den Auslösern auseinandergesetzt zu haben, und der ungebremste Sprung zurück ins Alltags-Loch.
In meinem gerade angefangenen Urlaub möchte ich daran etwas ändern und mich mit Akzeptanz beschäftigen.

Eine Analyse.

(Und als ich im Vorfeld darüber nachdachte, was ich hier schreiben möchte, fiel mir auf, wie weit Akzeptanz und mein Streben, alles zu analysieren, auseinanderliegen. Ich fange trotzdem so an.)

Was ich an mir akzeptiere, ist z.B. meine große Narbe am Rücken und die dazugehörige Narbe der Drainage, die von einer OP stammen, die ich als Kind hatte. Ich hatte nie den Gedanken, das könnte mich entstellen, und ich machte auch nie negative Erfahrungen damit.
Auch akzeptiere ich, zumindest zu einem gewissen Grad, dass ich beim Sport nicht immer gleich Leistungsfähig bin, weil mein Körper durch den Zyklus und andere Einflüsse mal besser und mal schlechter drauf ist. Es hat eine Weile gedauert, aber irgendwann fand ich es einfach natürlich, auf meinen Körper zu hören und es dann auch mal langsamer angehen zu lassen.
Dann hört es aber auch schon langsam auf.

Es folgt der Teil, den ich nur still und heimlich für mich “akzeptiere“, aber aus Angst vor Reaktionen von anderen nur bedingt oder garnicht zeige bzw. kommuniziere. Ganz am Schluss sind dann noch die Dinge, die ich auch still und heimlich nicht akzeptieren kann. Den Grund dafür habe ich bisher noch nicht herausgefunden.

Die heimliche Akzeptanz umfasst meine Narben von der Selbstverletzung, die Depression, mein Bedürfnis nach (im Vergleich mit anderen) viel Ich-Zeit und Schlaf, meine Vorliebe für Gammel-Sonntage.
Das sind Dinge, die ich auch vor vertrauten Menschen (zumindest teilweise, abgesehen von Schatz, der so ziemlich alles über mich weiß) ausleben bzw. erzählen kann.

Fehlende Akzeptanz finde ich bei meiner Stresstoleranz, Stressreaktionen und meinem Körper (als reine Äußerlichkeit).

Was ich nicht ganz einzuordnen vermag, ist meine Unsicherheit im Zusammensein mit anderen Menschen. Ich weiß gerade nicht, ob ich es als zu akzeptierende Charaktereigenschaft anerkennen soll (weil ich introvertiert bin), oder es vielmehr eine Reaktion auf meine fehlende Akzeptanz der vorgenannten (und weiterer) Dinge ist. Denn wie soll ich sicher im Umgang mit anderen sein, wenn ich es nichtmal mit mir bin?

Letztenendes geht es mir darum, über die Akzeptanz aller meiner Facetten zu einem entspannteren Umgang mit mir, und damit auch mit meiner Umwelt zu gelangen. Ich will nicht irgendwann einmal auf mein Leben zurückblicken und außer “Ich hatte Depressionen und spielte nur eine Rolle“ nicht viel sagen können (so fühlt es sich gerade an, weil ich mein gesamtes “erwachsenes“ Leben damit verbracht habe).

Ein Anfang.

Ein Anfang ist Ehrlichkeit zu mir selbst. Mir „Schwäche“ nicht nur ein-, sondern zuzugestehen. Die nicht akzeptierten Dinge lehne ich innerlich ab. Also beginne ich hier, und muss mir wahrscheinlich Schatz zur Hilfe nehmen, um weiterzukommen.

Zwei der drei Punkte, die mir gerade als Wichtigste erscheinen, stehen auf meiner Liste. Stresstoleranz und Stressreaktionen.

  • Stresstoleranz: Ich bin nicht endlos stresstolerant. Aber mein Körper ist in der Hinsicht ziemlich robust, was es vermutlich schwerer macht, ein „zu viel“ zu erkennen. Außerdem falle ich ganz schnell – zu schnell – in das Denken, ich würde mich nur anstellen oder zu wenig anstrengen, wenn etwas stressig erscheint. Ich möchte weg von meiner derzeitigen Bewertung, zu wenig stresstolerant zu sein, denn das bin ich objektiv gesehen (auch auf den Job bezogen, hier bekomme ich entsprechendes Feedback) nicht. Ich bin so stresstolerant, wie ich sein kann. Punkt.
  • Stressreaktionen: Zeigt mein Körper und meine Psyche, aber ich nehme sie nicht ernst. Tinnitus und Kopfschmerzen sind nur zwei der körperlichen Symptome, psychisch ist es z.B. Selbstverletzung und, wie jetzt gerade aktuell, Kontrolle übers Essen. Es ist ersteinmal okay, dass ich so reagiere, denn es ist auch nur eine erlernte Strategie. Aber ich sollte mir aller Reaktionen bewusst werden, sie schneller bemerken und gegensteuern. Das geht aber nur, wenn ich Punkt 1 ebenfalls akzeptieren kann.
  •  

Am Beispiel vom Tinnitus lässt sich mein Dilemma vielleicht gut beschreiben. Mein Rauschen wird lauter, je stressiger der Tag ist. An manchen Tagen bemerke ich es kaum, an anderen höre ich es sogar beim Autofahren mit 130km/h. Aber solange es kein Hörsturz ist, kann ich es nicht ernst nehmen, weil ich es mir ja auch einbilden könnte.

Ich bin noch nicht dahinter gekommen, warum ich stets denke, solange etwas nicht ärztlich diagnostizierbar ist (Depression, SV, Essstörung), ist es auch nicht ernstzunehmen und pure Einbildung.

…mir erscheint dieser Beitrag selbst unvollständig. Aber für heute ist es genug, auch wenn in meinem Kopf noch eine Menge zu dem Thema herumspukt.

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