Synapse

Mit einem funktionierenden, medikamentös induzierten Serotoningleichgewicht stellen sich die letzten 6 Monate als ziemlicher Blindflug heraus. Klar wird mir das, als ich zwischen Kühen und Wildblumen auf 1.500 Metern nicht nur einfach rumstehe, sondern den Berg, die Sonne und auch alles andere fühle. Vielleicht wäre es schlau gewesen, doch schon eher wieder mit den Glüxbärchis anzufangen, aber das letzte Mal fühlte es sich irgendwie … anders an. Stumpfer. Und war hoffentlich den Umständen vor rund eineinhalb Jahren geschuldet.
Jedenfalls ist die Akkustandsanzeige inzwischen auf einem deutlich verträglicheren Niveau und reicht hoffentlich, den ab morgen wieder eingeschalteten Wecker länger als ein paar Tage zu tolerieren.

Manko: Meine Kreativität ist kaputt. Und mein Orgasmus.

Resonanz

Es ist Oktober und unsere Obstbäume blühen ins Angesicht einer munter weiter vor sich hineskalierenden Welt, die ich aller gesellschaftlichen Verantwortung zum Trotz zum Erhalt meiner kleinen Fluffblase schlichtweg zu ignorieren versuche.
Der Spr(i/e)ngteufel und ein Kollege machen mir aber einen Strich durch die Rechnung, gefüttert durch die Blauzahnverbindung im neuen Auto, so dass es nun Lieblingsmusik spielen kann. Das Resultat mag weder die Fluffblase, noch ich, weil es Dinge hochholt, die nicht umsonst – und ohne Beschriftung – in die Kiste gestopft sind.
Mit Einfahrt in die Garage und gezogenem Schlüssel sitzt aber wieder jemand brav auf dem Deckel und ich wiege mich in trügerischer Sicherheit. Bis um 3 Uhr morgens, als mein Gehirn plötzlich der Meinung ist, jetzt wäre doch auch wieder ein hervorragender Zeitpunkt, um weiter über den Kollegen nachzudenken, der gerade wild entschlossen ins Burnout rennt, so dass meine Empathie dabei im Dreieck springt, natürlich wiederholt die Gefühlskiste anrempelt und Inhalt unkontrolliert rausschwappt.
Jetzt bin ich mir nicht sicher, ob ich wirklich ihn oder vielmehr mich retten will, wenn ich im Kreis über Möglich- und Notwendigkeiten nachdenke. Und ob ich nicht doch mal die Kiste aufräumen soll.

Aërobatae

(Ab-)Satzfragmente geistern durch meinen Kopf und kollidieren dort in steter Regelmäßigkeit mit Gedanken an Essen, weshalb beides auch ausgesprochen kleinteilig bleibt. Unterdessen diskutiere ich zeitgleich mit Körper und Rosa, weil der eine weiterhin nicht menstruieren mag und nach mehr als nur Safe- und VolumeFood verlangt und die andere ebenjenes verweigert, auch wenn wir Urlaub haben und ich gerne den Afghanen ausprobieren würde. (Nö.)
Da kann ich noch so lange auf und auch nicht auf dem visuell sehr gehaltvollen BuGa-Gelände rumlatschen, Rosa zeigt sich wenig verständnisvoll und besteht auf abgezählte Kalorien. Den Keks zum Latte schmuggle ich an ihr vorbei, aber mehr ist echt nicht drin. Also schmollt nicht nur Körper, sondern auch ich, aber oh mein gott, ich könnte kaum dankbarer sein für den großartigen Job, den Rosa macht. Blöde Kuh.

Inkonklusiv

Mein Ego lässt sich in mentaler Dauerschleife nach wie vor vom Chef den Bauch kraulen, und das schon seit Freitag. So schnurrt es fast zufrieden vor sich hin und hält Orange damit etwas in Schach, die schon länger, aber seit knapp zwei Wochen so richtig hustled und mich auch an diesem Wochenende überaus gerne an die noch folgenden Tage erinnert, weil – es sind nur noch 2 Wochen bis zum Urlaub und ich muss noch dieses und jenes und das am Besten auch noch erledigen. Immerhin, Chef sieht, was ich bisher schon alles jongliere und ich kann ihm sogar sagen, dass es viel ist und ich nicht nur versuche, nur so viel zu machen, wie nachhaltig möglich ist.
Trotzdem bekomme ich so vieles in meinem Kopf nicht sortiert, geschweige denn, aufgeräumt und eigentlich will ich da oben nicht mit mir alleine sein. Aber in das Chaos kann man echt keinen reinlassen, auch wenn ich alles in einen Schrank stopfe und die Tür zu mache. Ich muss davor sitzen bleiben, damit sie zu bleibt – Rosa leistet mit Gesellschaft, streitet sich aber dauernd mit Ratio und Körper und mir.
Dennoch ist es auch irgendwie okay – alter, es ist Sommer, jedes Wochenende Bergtour, ich existiere nicht mehr nur von Wochenende zu Wochenende… Vielleicht ist das einfach Leben. Oder? Oder?

Heute ist es 366 Tage her, dass ich mich aus der Psychiatrie entlassen habe, in die ich mich vor 369 Tagen selbst eingewiesen habe – nur, um elf Tage später wieder an deren Tür zu klopfen. Musste ich nur mal sagen – tatsächlich ohne Hintergedanken.

Anabol

Während ich versuche, meinen Gedankensalat irgendwie sinnvoll einzusortieren, drängt sich eine so simple wie bahnbrechende Erkenntnis relativ dreist dazwischen. Vielleicht ist es ja auch okay, gerade einfach mal fein damit zu sein, wie mein Leben so läuft. Und jetzt steh ich da, vor meinem Salat, dem nur provisorisch eingeräumten Ordnungssystem und dieser Erkenntnis und denke, fuck, sie hat Recht.

Gerade ist echt alles ziemlich okay – hält man die Augen weiterhin hübsch verschlossen vor der Welt – und ich fühle mich auch okay. Echt jetzt!
Arbeit? Läuft.
Sport? Läuft.
Privat? Läuft.

Was ich dennoch gerne einsortieren würde, ist Rosa. Weil, wir arrangieren uns und ich habe Angst, dass sie einfach geht. Ich will sie festhalten, einfach weil halt. Weil Halt, wahrscheinlich. Körper hätte da durchaus ne andere Meinung zu und ist auch ausgesprochen deutlich in seinen Forderungen, was mir wiederum so garnicht in den Kram passt.



Bei 28,3° eine Miezekatze auf dem Schoß zu haben, ist nur so semi 🔥

Dezibel


Ungefähr eine Million Ameisen latschen emsig auf unserer Terrasse herum und krabbeln hoffentlich nicht an meinen Beinen hoch. Den Job übernimmt schon Mieze, auch wenn ihr – wie mir – schnell zu warm wird und sie sich auf den Tisch neben mir legt. Danke.
Aber nicht nur daran kann man Frühling! auf dem Land erkennen, nein! Viel eher an Nachbar 1, der in der Früh seinem Hochdruckreiniger etwas Sonne gönnt. Oder an Teilzeitnachbarin 2, die ihrem Rasen mittels Mäher Einhalt gebietet. Und nochmal an Nachbar 1, der das natürlich nicht einfach so auf sich sitzen lassen kann und nun ebenfalls seinem Mäher Auslauf gewährt. Oder auch Schatz, der dem Stammholz vor dem Haus mit der Kettensäge zu Leibe rückt, so dass ich ebenjene weder zur Kalmierung etwaiger Nachbar:innen noch deren Gartengeräten verwenden kann.
Und dennoch sitze ich hier, genieße den leichten – wahlweise nach Abgas, Rasenschnitt, Fichte oder auch mal nichts! duftenden – Wind und finds geil. Weil, Frühling! Und, jetzt gerade! Nur Vögelchen 💜