54 – Wo fange ich an?

Und das meine ich wörtlich. Wo fange ich an, wo hört die Depression auf? Was ist Teil meiner Persönlichkeit, was gehört zur Krankheit?

Das frage ich mich öfter, in letzter Zeit. Wahrscheinlich auch, weil ich über Antidepressiva nachdenke, die ich bisher noch nie genommen habe, und Angst vor Persönlichkeitsveränderungen habe – dass ich dann nicht mehr ich selbst bin. Und, weil ich – ausgelöst durch die Katastrophe und das Loch, das gerade eher tiefer als flacher wird – immer mehr zu der Einsicht komme, dass ich so nicht weitermachen möchte. Ich will mein Leben zurück, will Gefühle spüren, Energie haben, Pläne machen. Wenn es auch nur etwas Gutes an der Situation gibt, die Schatz und ich durchmachen, dann diese Erkenntnis(se).

Zur Zeit bin ich die wandelnde Planlosigkeit. Mir ist das Meiste egal, ich will nur, dass der Tag möglichst bald vorbei geht und ich wieder ins Bett kann, wo ich hoffentlich einigermaßen schlafen kann. Ich kann mir nicht merken, welcher Tag eigentlich ist, vergesse Termine in der Arbeit, kann nicht denken und will nur, dass das alles vorbei geht.

Ich weiß, ich kann akut nichts daran ändern, wie ich mich fühle. Ich kann auf meine Gedanken achten und kann mir Gutes tun, aber all das wird nicht dazu führen, dass ich morgen aufwache und alles anders ist. Auch nicht übermorgen. Aber in einigen Wochen, vielleicht. Das macht das Durchhalten nicht weniger anstrengend.

Ein Lichtblick: den Urlaub, den wir uns bald gönnen werden. Eigentlich sah unsere Jahresplanung anders aus, aber “eigentlich“ war, bevor all das passiert ist. Und uneigentlich sind wir schon jetzt reif für die Insel/Klappse/Auszeit/wasauchimmer, und wollen nur noch raus.

Es gibt diesen blöden Spruch: besser ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende. Ich weiß gerade nicht, was es ist, hoffe aber auf das Erstere.

Das Gras wird gebeten, über die Sache zu wachsen. Das Gras bitte!

46

Ein Flackern. Sie fand kein besseres Wort dafür, auch wenn es nur unzureichend beschrieb, was sie empfand.
Mal hell, mal dunkel, mal schnell, mal langsam. Und in einer Intensität, die sie schier verrückt machte.
Hell. Warm. Sie sah ihre Umgebung, das Grün, das Blau, einfach alles. Sie wurde fast geblendet, war aber auch euphorisiert und konnte gar nicht anders, als ihren Blick auf all das Schöne um sie herum zu richten. Intensiv, war die beste Beschreibung, die ihr dazu einfiel.
Dunkel. Kalt. Schwärze um sie herum, nur die entfernten Feuer erhellten den Horizont und zogen ihren Blick auf sich. Ihr Blick richtete sich automatisch nach Innen, auch wenn sie dort nur die eigene Dunkelheit mit fernen und nahen Feuern sah. Intensiv, wie die Helligkeit, aber durch die erzwungene Isolation noch so viel bedrohlicher.
Hell. Dunkel.
Ein ewiges und nervenzerreissendes Wechselspiel, dem sie sich hilflos ausgeliefert fühlte. Unberechenbar schien es nach seinen eigenen Regeln zu spielen – sie war nur Zuschauerin.
Und so sehr sie die Helligkeit genoss – genießen wollte – , so sehr ängstigte sie die Dunkelheit und die Erwartung derselben, so lange es hell war.
Ein Flackern. Und sie wollte, dass es endet.

43 – Days too long, Nights too short

Verwirrung ist eins der häufigsten Gefühle momentan. Vielleicht beschreibt es das auch gar nicht richtig, aber das Wort geht mir zur Zeit ständig durch den Kopf.

Ich weiß nicht, was ich will, wohin ich will. Vor einigen Tagen dachte ich, es wäre toll, eine Liste mit Dingen zu erstellen, die ich gerne in meinem Leben machen möchte (oder schon gemacht habe), so wie ich es in anderen Blogs gesehen habe. Und dann wurde mir bewusst, dass mir spontan nur sehr (!) wenig einfällt, was auf diese Liste kommen könnte, zumindest an zukünftigen schönen Dingen oder Wünschen.

Aber warum ist das so? Warum spüre ich mein Leben nicht, warum ist da so oft nur Leere, wo (Vor-)Freude sein sollte, warum kreise ich ständig mit negativen Gedanken um mich selbst? Weiterlesen

40

Sie war ein Mond. Ein komplexer Himmelskörper aus Gedanken und Gefühlen, der um ein Leben kreiste, um einen Planeten.
Er hatte eine helle und eine dunkle Seite, dazwischen Zwielicht. Sie kannte ihn in- und auswendig. Kannte jede seiner Seiten, seine Oberfläche und alles, was darunter lag. Auch die Narben waren ihr vertraut, die die Einschläge von Asteroiden und die Vulkanausbrüche hinterlassen hatten.

Sie war dieser Planet, dieses Leben. Aber sie war auch der Mond, der auf ewig verbunden seine Bahnen am Himmel zog.
Sie wünschte sich, frei zu sein. Frei von einem Planeten, der sie seit einer gefühlten Ewigkeit zwang, ihren Blick ausschließlich auf ihn – und damit auf sich selbst – zu richten. Auf das Zwielicht und seine dunkle Seite, die so anders war, als das Licht. Bizarr, kalt, und auf eine nicht greifbare Art gewaltig. Der mit seiner schwankenden Anziehungskraft irgendwann dazu führen konnte, dass sie hinunter stürzte und sich selbst verlor.
Sie wollte mehr sein, als nur ein gefangener dunkler Satellit. Sie wünschte sich hin zum Licht, hin zu den zahllosen Sternen.

35 – Abwege

Sie war los gesprintet, ganz und gar fokussiert und ohne Rücksicht. Weder auf sich, noch auf den Weg, den sie genommen hatte. Eigentlich war es nur eine kurze Strecke, die es galt, möglichst sicher und unbeschadet zu überwinden. Es gab sogar eine Brücke, die vom einen Ufer zum anderen führte; sie hatte sie vorher gesehen und auch darauf zugesteuert, als sie startete. Als sie noch festen Boden unter den Füßen hatte.
Doch es hatte sich verselbstständigt – sie war zu schnell gewesen, hatte die verbleibende Zeit viel zu gering eingeschätzt und war blindlings auf ihr Ziel zu gerannt, ohne auf die Brücke oder ihre Beine zu achten. Weiterlesen „35 – Abwege“