Schlafen wird überbewertet

Ich bin zum Umfallen müde. Zwar habe ich in der letzten Nacht etwas mehr geschlafen, aber trotzdem war es zu wenig. Irgendwie habe ich die Woche überstanden, aber es ist, als würde nun sämtliche Luft aus einem Ballon entweichen.
Außer Schatz wird wohl niemand gemerkt haben, wie es mir geht. Ich bin immer wieder von mir selbst erstaunt, wie hochfunktional ich bin.

Mein Kopf treibt mich in den Wahnsinn. Würde man Seiten damit beschreiben, was ich den ganzen Tag denke, wäre am Abend eine – vor Egozentrik triefende – Bibliothek gefüllt – und anschließend durch den Reißwolf gejagt. Ich habe keine Ahnung, wie ich mich fühle – garnicht! – und kann nicht aufhören, mich zu analysieren und zu zerdenken. Ich drehe mich immer schneller um mich selbst, bis ich in mein eigenes schwarzes Loch falle – also, tiefer, weil drin bin ich ja schon.

Ich ertrinke an mir selbst.

Nicht-Gedanken

Matsch im Kopf.
Gesternabend ein bisschen verletzt, ABER NICHT GENUG!!! Könnte ich es nur geheim halten, mein Bein sähe anders aus. Ganz anders. So hilft es mir nicht. fuck.
Arbeiten? Ja, war ich – nach einer Nacht, in der ich kaum geschlafen habe, wieder einmal. Mit den Kollegen gescherzt, kompetent Vorgesetztenkram gemacht, Schwindelanfälle überspielt, Druck auf der Brust und anstrengendes Atmen ignoriert. Mich im Gespräch mit Mitarbeitern gefragt, wo zur Hölle eigentlich mein Problem liegt, wenn ich doch meinen Job ganz wunderbar mache und sogar scherzen kann.

Ich sollte zum Arzt gehen. Ich sollte mich mindestens den Rest der Woche krankschreiben lassen und mich selbst in dem Chaos suchen gehen, welches in meinem Kopf herrscht. Ich wünsche mir nichts mehr, als dass Schatz mich genau dazu zwingt, mir keine Wahl lässt. Denn wenn ich sie habe, sagt mein Kopf, ich soll gefälligst nicht den neuen Hausarzt gleich mit sowas überfallen, damit er nicht schlecht von mir denkt oder mich verurteilt. Oder mich gar wirklich krankschreibt. Weil, die Struktur, die arbeiten gehen mir bietet, ist ja doch gut und genau das, was ich brauche. Oder?
Alles ist so widersprüchlich. Jeder Gedanke ist das Gegenteil vom vorigen. Jeder hat Recht.

Und eine kleine Stimme wispert, dass ich bloß Aufmerksamkeit will. Bestätigt wissen will, dass es mir schlecht geht. Also, wirklich. Nicht nur eingebildet. Keine Anstellerei.

Sun-Day

Bist du heile? fragt Schatz und meint damit, ob ich mich selbst verletzt habe. Ja antworte ich. Während ich barfuß durch die Scherben in meinem Kopf gehe, frage ich mich, warum meine körperliche Unversehrtheit so viel bedeutet.

°

Kaffee. In der Sonne. Im Garten. Vogelgezwitscher. Wärme, die nur meinen Körper erreicht, aber die Scherben nicht. Ich möchte weinen deswegen, und versinke in mir selbst.

Offline

Die emotionale Verbindung zu meinem Leben ist seit Sonntag unterbrochen. Ich hätte sie zwar vorher schon als nicht nennenswert bezeichnet, aber jetzt ist sie ganz weg. Verschwunden.
Ich gehe arbeiten, führe wichtige Gespräche, auf die ich teilweise sogar körperlich reagiere, aber es passiert nichts in mir. Mein Kopf ist woanders, ich rede mich um Kopf und Kragen, beobachte mich selbst und fühle nichts. Grau und Schwarz haben die Führung übernommen, und selbst wenn Rot versucht, dazwischenzufunken, ist es nicht mehr als ein Windhauch. Ich funktioniere ganz hervorragend und schaffe viel in der Arbeit, und dennoch scheint jede Anstrengung zu viel, das Bett schon beim Heimkommen so verlockend.
Und wenn dann Grün und Orange plötzlich, auch aufgrund eines dieser geführten Gespräche, anfangen, Hand in Hand wie Flummis auf und ab zu hüpfen und Pläne zu schmieden und Ideen zu haben, ignorieren sie dabei, dass sie von GrauSchwarz in einen viel zu kleinen Käfig gesperrt wurden und nichts bewirken, außer mich nervös zu machen und am Ende Kopfweh zu haben.

Es herrscht gähnende Leere, nicht mal ein Echo kommt zurück. Es ist alles so egal, so entfernt. Und mir ist egal, dass es egal ist – ich sehe keinerlei Notwendigkeit, etwas daran zu ändern.

Trip

Es beginnt damit, dass mein Kreislauf spinnt. Wir frühstücken draußen, knippsen Krokusse, und bei jedem Aufstehen wird mir schwindlig und meine Lippen beginnen zu prickeln.
Ich gehe irgendwann rein, setze mich aufs Sofa. Meine Hände sind ganz weiß und mein Gesicht wahrscheinlich noch mehr, so wie ich mich fühle.
Ich will eine Doku am Laptop gucken, aber ich kann dem Verlauf nicht folgen. Mein Mund wird trocken. Ein Verdacht formt sich.
Schatz kommt dazu, ich kann ihm garnicht richtig sagen, wie ich mich fühle. Wir schauen fern, aber die Unterhaltungssendung ist für meine geistige Verfassung viel zu anspruchsvoll. Ich muss weinen, weil ich eine Riesenangst davor habe, verrückt zu werden. Schatz hält und beruhigt mich, ich mache die Augen zu. Mir ist so schwindlig, dass die Welt einen fühlbaren Ruck zu machen scheint, wenn ich die Augen wieder öffne. Schatz hat mich im Arm und ich beruhige meine immer ich steigende Angst damit, dass er schon auf mich aufpassen wird. Immer wieder mal fällt mir ein, dass ich aufs Klo müsste, glaube aber nicht, dass ich laufen könnte und habe die Sorge, ich könnte es vergessen und mir in die Hose machen.
Irgendwann wird es etwas besser. Langsam, die Angst kommt immer noch in heftigen Wellen, die aber auch irgendwann weniger werden.
Als ich ins Bett gehe, bin ich totmüde, und fühle mich immer noch benebelt. Ich schlafe unruhig, träume verwirrende Zeug.
Als der Wecker geht, versuche ich herauszufinden, ob es mir besser geht. Ich einige mich nach einer kleinen Bestandsaufnahme auf Ja, aber auch, dass ich heute nicht arbeiten gehen kann oder will, weswegen sich das heutige nicht-fühlen immerhin mit Schuldgefühlen abwechselt. Wobei letzteres abnimmt, je mehr ich merke, wie sehr mein Kopf heute noch die Arbeit verweigert.

Zwei Dinge sind möglich. Der Keks war ein Haschkeks mit Überdosis und ich hatte etwas, das sehr nahe an einen Horrortrip heran kommt, oder – und das wäre die sehr viel beunruhigende Variante – dass mein Kopf die Symptome nur simuliert und die irgendwann mal gelesenen, nie selbst erlebten Zustände dazu auserwählt hat, weil es zum Kontext passte.
Was es auch war, es lässt ein ungutes Gefühl zurück. Ein was wäre, wenn, weil es mich ein Stück weit an meinen damals eindeutig psychischen Zusammenbruch von 2013 erinnert – so anders war das damals nicht, nur weniger heftig.

VeRrÜcKt oder nicht, ist die Frage des Tages.

Löcher

Geh weg, lass mich in Ruhe, nerv mich nicht, sprich mich bloß nicht an.

Nicht anfassen, nicht angucken, nicht neben mir sitzen, nicht im selben Raum sein.

Heute ertrage ich keine Nähe. Ich will nicht umarmt, geküsst oder berührt werden. Ich will keine Gesellschaft, nichtmal von Miezen, alles hat Potential, mich innerlich zur Weißglut zu bringen.

Ein Sonnenuntergang, der nach Sommerregen duftet, ein Wald, der nach Frühling klingt.

Ein verlorener Samstag, der dunkel beginnt und dunkel endet.