Die Situation, in der mein Mann und ich uns befinden, ist extrem. Belastend, anhaltend und sehr fremdgesteuert. Und trotz, oder vielleicht auch gerade wegen der widrigen Umstände, entwickle ich gerade eine Stärke, die mich selbst verblüfft.
Kategorie: Gedanken
49 – Nightmare
Ich kann zur Zeit nicht viel hier sein. Mache Katastrophen kann man sich nicht ausdenken.
Mein Leben, oder mehr, unser Leben, nämlich meins und das von Schatz, steht in Flammen. Jemand hat uns den Boden unter den Füßen weggerissen und uns, die wir buchstäblich unter Schock in der Luft hingen, in Brand gesetzt.
Wir sind nacheinander zusammengebrochen. Erst Schatz, während ich so stark war, wie ich es selbst nie für Möglich gehalten hätte. Ich war sein Fels und sein Anker. Er hat gerade erst den Blick von Innen wieder nach Außen richten können. Dann hat es heutefrüh mich erwischt. Heulen, nach über einem Jahr heftig verletzt, weiterheulen, Krankenhaus.
Wir sind beide verbrannt, beide schwer verletzt und traumatisiert. Der Schock, der uns am Montag überfiel, lässt nur langsam nach.
Jetzt gerade sehen wir nicht nur die Sonne, sondern spüren sie auch wieder. Wir klammern uns aneinander, wie zwei Ertrinkende, und kämpfen ums überleben.
Findet eure Wut!
Sagte eine liebe Freundin, und sie hat Recht damit. Finden, rauslassen, das ist jetzt wichtig.
48 – Scars & other illusions
Wie im vorigen Beitrag angekündigt, komme ich nicht umhin, etwas über meine SV-Narben zu schreiben.
Warum ich das tue? Aus einem steten Gefühl heraus, gar nicht “verdient“ zu haben, mich überhaupt als jemanden zu betrachten, der über SV oder Depression schreiben darf, weil ich mir das alles nur einbilde bzw. mich nur anstelle und bloß zusammenreißen müsste. Ich hoffe, wenn ich es hier (wie auch schon einige Male in meinem Tagebuch) schreibe, dass ich irgendwann verstehe und annehmen kann, dass es keine Einbildung oder “Anstellerei“ ist.
47 – Hiking & Hiding

Ich stehe vor einem kleinen Dilemma. Einem Problem, dass ich irgendwie lösen und einer Entscheidung, die ich treffen muss.
Bald bin ich zu einem TeamEvent mit meinem Chef, dessen Chef und allen weiteren Team- und Fachbereichsleitern meiner Abteilung eingeladen, 8 oder 10 Leute ungefähr. Wandern. Jippieh. Eigentlich wandere ich gerne, auch wenn Schatz und ich das dann “Fototour“ nennen. Ich habe gute Schuhe, diverse Hosen und T-Shirts, in denen ich mich wohlfühle und gut laufen kann. Privat, wenn es mir egal ist, dass meine Narben am linken Arm* (und am rechten Bein*, wenn ich mal in kurzer Hose unterwegs bin) zu sehen sind. Am Arm sind es nicht viele, abzählbar an zwei Händen, aber sie sind eindeutig und gut zu sehen. Und da fängt es an: was tun, wenn ich – falls ich – mitgehe? Denn erstaunlicherweise habe ich sogar Lust, mitzugehen – also zumindest Stand heute.
Auf der Arbeit wissen nur zwei Menschen, nämlich mein Chef und sein Chef, dass ich Depressionen habe (verstanden hat es nur der Chefchef). Keine Details, kein weiteres Drumherum, sondern nur, dass es so ist. In der Arbeit trage ich immer lange Ärmel, im Sommer in Form von dünnen Blusen, die niemand hinterfragt.
Wandern gehen kann und will ich aber nicht in einer Bluse, das passt für mich nicht und sähe wahrscheinlich auch noch seltsam aus. Also, was tun…
Es gibt nur zwei Möglichkeiten, mitgehen oder nicht mitgehen. Aber eigentlich möchte ich mit, und mir nicht irgendeine blöde Ausrede einfallen lassen, warum ich nicht kann oder (dann auch am Folgetag, damit es nicht so auffällt) krank machen. Also mitgehen. Aber wie? Langärmlig geht nur, wenn es nicht zu warm ist, aber es ist halt bald Sommer und die Wahrscheinlichkeit eher gering. Ich mag mir weder nen Wolf schwitzen, noch doofe Kommentare anhören. Also kurze Ärmel. Und entweder ein großes Pflaster mit glaubwürdiger Ausrede und der Hoffnung, dass es nicht bei zu viel Hitze vom Schwitzen abgeht, oder “nackt“. Denn genau so würde es sich anfühlen, und ich weiß nicht, ob ich so weit bin (jemals sein werde) und ob ich es aushalten könnte.
Ich weiß es noch nicht. Genug Zeit, um mir in aller Ruhe den Kopf zu zerbrechen, habe ich ja noch.
* Irgendwie kann ich das so nicht stehen lassen. Ich habe sofort, wenn ich so was schreibe, das Bedürfnis, mich zu erklären, weil ich befürchte, jemand anderes könnte mich nicht ernst nehmen. Wahrscheinlich werde ich in den nächsten Tagen einen extra Beitrag dazu schreiben.
45 – Blown
Gestern nachmittag, als ich nach Hause kam, lag ein Brief von meiner Hausärztlichen Gemeinschaftspraxis in der Post. Eine Rechnung, wie sich herausstellte, vom neuen, dritten im Bunde, der eine orthopädische Leistung privat abgerechnet hatte. Soweit, so gut.
Jedenfalls stehen auf dieser Rechnung auch alle dort gestellten Diagnosen, die über eine Grippe hinausgehen. Viele sind das nicht, aber trotzdem hat mich irgendetwas daran aus der Bahn geworfen. Seit ich sie gelesen habe, habe ich Magenschmerzen, mir ist übel und ich habe leichte Atemschwierigkeiten. Ein Hoch auf die Psychosomatik. Weiterlesen
44 – Schmerz
Der Grat zwischen “ich kann nicht mehr“ und “ich will nicht mehr“ ist ein sehr, sehr schmaler, und ich balanciere darauf. Aber von oben, auf diesem Grat stehend, kann ich ein “ich könnte, wenn“ sehen, und es lässt mich fast auf der Stelle erstarren, zusammenbrechen. Fast, weil es zu sehr schmerzt, um still zu stehen, liegen zu bleiben.
Im letzten Eintrag schrieb ich – bzw. ein Teil von mir, wahrscheinlich eine Grau angefärbte Schwarz, vielleicht aber auch ein Teil Grün – , dass ich so viel von dem, was meine Thera sagt, schon zu wissen meine. Für Grau/Schwarz oder einen Teil Grün mag das stimmen; aber welcher Teil auch immer jetzt gerade mein Denken bestimmt, für den stimmt es nicht. Für den ist es eher ein “ich will es nicht wissen, weil es weh tut“. Und zwar richtig. Weil ich etwas ändern könnte, und es doch nicht schaffe. Weil es so einfach klingt, so logisch ist, und so unendlich schwer.
Hinschmeißen wäre die einfachere Lösung, aufgeben und sich auf eine der beiden Seiten recht oder links vom Grat fallen lassen. In der Ferne kein “ich könnte, wenn“ mehr sehen, sondern sich – vielleicht, vielleicht nicht – von irgendwem auffangen lassen.
Warum, verdammt, muss es so weh tun? Warum so anstrengend sein? Und warum ist es für andere selbstverständlich, während ich mich mit winzig kleinen Schritten, die mir wie ein kilometerlanger Hürdenlauf erscheinen, quäle?