47 – Hiking & Hiding

Ich stehe vor einem kleinen Dilemma. Einem Problem, dass ich irgendwie lösen und einer Entscheidung, die ich treffen muss.

Bald bin ich zu einem TeamEvent mit meinem Chef, dessen Chef und allen weiteren Team- und Fachbereichsleitern meiner Abteilung eingeladen, 8 oder 10 Leute ungefähr. Wandern. Jippieh. Eigentlich wandere ich gerne, auch wenn Schatz und ich das dann “Fototour“ nennen. Ich habe gute Schuhe, diverse Hosen und T-Shirts, in denen ich mich wohlfühle und gut laufen kann. Privat, wenn es mir egal ist, dass meine Narben am linken Arm* (und am rechten Bein*, wenn ich mal in kurzer Hose unterwegs bin) zu sehen sind. Am Arm sind es nicht viele, abzählbar an zwei Händen, aber sie sind eindeutig und gut zu sehen. Und da fängt es an: was tun, wenn ich – falls ich – mitgehe? Denn erstaunlicherweise habe ich sogar Lust, mitzugehen – also zumindest Stand heute.

Auf der Arbeit wissen nur zwei Menschen, nämlich mein Chef und sein Chef, dass ich Depressionen habe (verstanden hat es nur der Chefchef). Keine Details, kein weiteres Drumherum, sondern nur, dass es so ist. In der Arbeit trage ich immer lange Ärmel, im Sommer in Form von dünnen Blusen, die niemand hinterfragt.

Wandern gehen kann und will ich aber nicht in einer Bluse, das passt für mich nicht und sähe wahrscheinlich auch noch seltsam aus. Also, was tun…

Es gibt nur zwei Möglichkeiten, mitgehen oder nicht mitgehen. Aber eigentlich möchte ich mit, und mir nicht irgendeine blöde Ausrede einfallen lassen, warum ich nicht kann oder (dann auch am Folgetag, damit es nicht so auffällt) krank machen. Also mitgehen. Aber wie? Langärmlig geht nur, wenn es nicht zu warm ist, aber es ist halt bald Sommer und die Wahrscheinlichkeit eher gering. Ich mag mir weder nen Wolf schwitzen, noch doofe Kommentare anhören. Also kurze Ärmel. Und entweder ein großes Pflaster mit glaubwürdiger Ausrede und der Hoffnung, dass es nicht bei zu viel Hitze vom Schwitzen abgeht, oder “nackt“. Denn genau so würde es sich anfühlen, und ich weiß nicht, ob ich so weit bin (jemals sein werde) und ob ich es aushalten könnte.

Ich weiß es noch nicht. Genug Zeit, um mir in aller Ruhe den Kopf zu zerbrechen, habe ich ja noch.

* Irgendwie kann ich das so nicht stehen lassen. Ich habe sofort, wenn ich so was schreibe, das Bedürfnis, mich zu erklären, weil ich befürchte, jemand anderes könnte mich nicht ernst nehmen. Wahrscheinlich werde ich in den nächsten Tagen einen extra Beitrag dazu schreiben.

6 Kommentare zu „47 – Hiking & Hiding“

  1. Ich hab zwar keine Ahnung von alledem, aber vielleicht traust du dich ja einfach. Einfach ist einfach gesagt, ja klar.. Aber was soll passieren? Blöde Blicke? Doofes, hinterhältiges Gerede? Ich finde.

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    1. Als erstes: danke für den ersten Kommentar in meinem Blog =)
      Ich befürchte eine ganze Menge. Allem voran, dass ich plötzlich als Führungskraft nicht mehr ernst genommen werde, oder dass meine Mitarbeiter auf irgendeinem Wege davon erfahren (mit dem gleichen Resultat wie oben). Leider bin ich im Denken und Handeln immer noch sehr abhängig davon, was andere über mich denken. Mich darüber hinwegzusetzen, ist unheimlich schwer.
      Ich werde das Thema wohl nochmal näher mit meiner Thera besprechen – kurz angerissen haben wir es schon.
      Am Ende bin ich deiner Meinung – wir (ich) sollte(n) uns (mich) nicht verstecken müssen. Aber in der Arbeitswelt ist das leider noch mal ganz ein anderes Thema.
      lg

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  2. Ich kann dich sehr gut verstehen. Wenn ich in ähnlichen Situationen war, hatte ich genau die gleichen Gedanken. Wenn du dich nicht damit wohl fühlst, solltest du dich nicht dazu gezwungen fühlen, deine Narben zu zeigen. Aber das sollte auch nicht dazu führen, dass du Ausreden erfinden und Unternehmungen absagen musst, an denen du eigentlich teilnehmen möchtest.
    Ich habe im Laufe der Zeit verschiedene Methoden benutzt, wenn es zu warm für lange Ärmel war und ich meine Narben nicht zeigen wollte. Zum Beispiel habe ich sehr dünne Stulpen über den Unterarmen getragen, die für andere wie ein modisches Accessoire wirkten, bzw. könntest du auch ein Tuch nehmen mit dem Namen deiner Lieblingsband, der Flagge von deinem Lieblingsland oder ähnliches, das wie ein modisches Statement wirkt. Pflaster habe ich auch versucht, aber das hat sich bei mir mit der Hitze meist nicht vertragen, deshalb habe ich ab und zu einen Verband benutzt. Hierfür brauchst du allerdings eine Erklärung, da bestimmt Fragen kommen werden. Als Alternative könntest du auch Sport Tape nehmen und sagen, dass du eine Muskelzerrung oder ähnliches hast. Je nach dem, wie weit deine Narben nach oben gehen, könntest du auch mehrere breite Schweißbänder am Arm tragen, was bei Hitze und sportlicher Betätigung nicht auffällig sein sollte. Je nach dem, wie extrem die Narben sind, könntest du sie auch mit Camouflage Make up abdecken, wobei du vielleicht vorher ausprobieren müsstest, wie gut das hält, v.a. wenn du schwitzt.
    Ich hoffe, ich konnte dir damit ein bisschen weiter helfen 🙂

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    1. Danke für deine Erfahrungen zum Thema!
      Hm, MakeUp wäre mir, glaube ich, auch zu unsicher. Hinterher färbt es doof irgendwo ab, oder löst sich sonstwie. An Sport-Tapes hatte ich tatsächlich auch schon gedacht. Ich muss mal schauen, wo man sowas bekommt und wie gut die halten.
      lg

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  3. Die Wanderung fiel aus 😛 Der Tag, an dem sie stattfinden sollte, war der mit dem schlechtesten Wetter vom ganzen bisherigen Sommer: Regen, Wind, 12 Grad. Also kam ich langärmlig in die Arbeit, und kurz drauf kam die Absage. Verschoben auf Oktober – ich hoffe, bei Langarm-Wetter 😉

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