66 – Tausend Dinge…

…gehen mir gerade durch den Kopf, die ich gerne näher durchdenken und aufschreiben würde. Drei Ansätze habe ich gestartet, und alles wieder gelöscht, weil ich es nicht zuende denken kann. Mir fehlt die Konzentration, ich fühle mich erledigt.

Mein Hunger ist zurück, der Appetit kommt langsam. Mein BMI ist bei 20,2 hängen geblieben, und ich weiß nicht, ob ich es gut oder schlecht finde. Erstaunlicherweise finde ich meinen Körper gerade sehr okay, es müsste gar nicht weniger sein. Aber ich weigere mich, ihm so viele Nährstoffe zur Verfügung zu stellen, wie er eigentlich bräuchte. Ich esse deutlich zu wenig, und merke, wie es auf meine Leistungsfähigkeit schlägt. Wieder die zwei Meinungen in meinem Kopf: die Vernünftige, die sich denkt, dass ich essen muss (und es ja auch gerne mache, ist ja lecker), damit ich gesund bleibe und mich um mich kümmern kann, und die Kontrollierende, die sich diesen Anker der vermeintlichen Selbstbestimmtheit nicht nehmen lassen will (und wirklich gerne Magersüchtig wäre, weil es dann nichts mehr wäre, was ich verstecken kann).

Morgen ist die Katastrophe (vielleicht schreibe ich es mal auf, wenn alles vorbei ist) 8 Wochen her. Und wir haben einen wichtigen Termin, bei dem sich herausstellen wird, ob es schon morgen (fast) vorbei ist, oder der Alptraum weitergeht.
Ich verdränge die Gedanken daran, so gut es geht, um mir weder zu viele Sorgen, noch zu viele Hoffnungen zu machen. Auch nur ein Tag, der irgendwann vorbei sein wird.

65 – Kotzen wäre auch mal schön

Eine Nacht, wie sie niemand braucht. Wir waren essen, gestern abend, aber ich weiß nicht, ob es wirklich am Essen liegt. Ich hatte einen Salat vom Buffet, der wirklich lecker war, aber eigentlich hatte ich keine Lust, essen zu gehen. Ein Freund ist zu Besuch, also bin ich ihm zuliebe mitgegangen, auch wenn ich den Abend lieber auf dem Sofa, bzw. viel früher als es dann gestern war, im Bett verbracht hätte.

Wieder daheim und endlich im Bett konnte ich nicht einschlafen, lag bis nach Mitternacht wach. Dazu bekam ich Kopfweh und dachte schon darüber nach, heute nicht arbeiten zu fahren, weil der Wecker näher und näher rückte. Aber ich wollte nicht schon wieder ausfallen in der Arbeit, also entschied ich, egal mit wie wenig Schlaf, doch arbeiten zu fahren. Irgendwann muss ich dann doch eingeschlafen sein, wurde aber gegen halb 4 wieder wach, weil mir so übel war.
Keine Ahnung, ob es wirklich der Salat war, oder doch eher Psychosomatik, weil sich mein Körper denkt, wenn er mich nicht mit Schlafmangel und Kopfweh vom Arbeiten abhalten kann, dann greift er halt zu anderen Methoden. Gewirkt hat sie jedenfalls – es gibt nur wenig, was ich fieser finde, als starke Übelkeit.
Kotzen wäre wahrscheinlich schön gewesen, aber das kann ich meistens – so auch diese Nacht – nicht. So sitze ich nun hier bei Fenchel-Anis-Kümmel-Tee, weiterhin mit (etwas abgemilderter) Übelkeit, und sterbe fast am schlechten Gewissen, nicht Arbeiten zu sein.

Da sind sie wieder, meine States, die sich über mich streiten. Weil ich, faul und übertreibend, wie ich bin, schließlich hätte doch arbeiten gehen sollen. Die nächste Welle Übelkeit straft sie Lügen, genau wie die Tatsache, dass ich seltenst überhaupt in der Arbeit fehle und heute sicher nicht sehr produktiv wäre – sofern ich die 1-stündige Anfahrt überstanden hätte.
Aber vorletzte Woche bin ich auch einen Tag ausgefallen, und dann letztens die 1 1/2 Wochen erst!
Meine 150 Überstunden sprechen eine andere Sprache, kein Wunder, dass die nur einer der States berücksichtigt.

Ich habe das Recht, heute krank zu sein.

Vielleicht.

64

Zuerst war sie nur durch eine künstlich erzeugte Unebenheit im Boden gestolpert. Eine gezielte Attacke der Anderen, die vermutlich genau das im Sinn gehabt hatten, als sie ohne Vorwarnung zuschlugen. Aber sie war nicht gefallen, sondern war nach einem kurzen Stolpern erst einmal weitergelaufen. Sie war unendlich wütend, weil sie sich genauso gut den Hals hätte brechen können, aber den Anderen war das offensichtlich egal gewesen.
Die Wut verengte ihr Gesichtsfeld und lenkte ihren Blick auf die Anderen. Dadurch bemerkte sie viel zu spät, dass sie nicht bergauf lief, weil die Wut sie beflügelte, sondern weil sie einen Hügel mit Aushub herauf eilte. Erst, als sie in das riesige Loch dahinter abrutschte, wurde ihr klar, was geschehen war. Dass ein Teil von ihr, der ihr vorausgeeilt war, sich bei der Unebenheit mehr als nur blaue Flecke geholt haben musste, aber deswegen genausowenig stehen geblieben war, wie sie selbst. Er hatte sich weiter geschleppt, einen Spaten genommen, und sich wenig später ein tiefes Loch gegraben, um sich dort zu verstecken und seine Wunden zu lecken.
Sie fiel, und konnte den Sturz nicht bremsen. Der Aufprall war hart, traf den schon verletzten Teil von ihr und gemeinsam brachen sie weiter ein, weil der Untergrund instabil war und nachgab. Die Bestandsaufnahme, als sie am kalten, feuchten Boden zu liegen kamen, war niederschmetternd. Der Rand des Lochs war in weite Ferne gerückt, die Wände waren schroff, sie beide verletzt und durcheinander.
Sie sah oben jemanden stehen, der zu ihnen herunter sah, und rief ihn an, ihr irgendwie zu helfen. Ihr Entsetzen hätte kaum größer sein können, als sie sich selbst dort oben erkannte – nicht mehr als ein Umriss, eine Hülle. Eine Hülle, die ein dickes schwarzes Tuch nahm, um es über dem Loch auszubreiten. Zwar sah sie noch hinaus, aber die Welt dort oben kam nur noch gedämpft bei ihr an. Das Licht, die Stimmen, alles. Und so sehr sie hier unten schrie und um Aufmerksamkeit oder gar Rettung flehte, so wenig drang es durch das schwarze Tuch nach außen. Sie war gefangen und durch sich selbst zu einem Dasein im Dunkel verdammt. Inzwischen war sie heiser, und spürte die Kälte aufsteigen. Ihre Hülle lächelte. Die Anderen waren längst fort.

62 – Anfangen, aufzuhören. Aufhören, anzufangen.

Bitte lass es endlich aufhören. Ein Satz, der mir zur Zeit jeden Tag mehrmals durch den Kopf geht.
Aber, was soll eigentlich aufhören? Ich weiß es nicht, so sehr ich auch darüber nachdenke. Ich will, dass es mir besser geht. Ich will den Sommer spüren, mein Leben leben. Aber den Sommer nehme ich kaum wahr, und das Leben fickt lebt mich. Ich sehe nur zu, funktioniere, wenn ich muss, und verbringe die Zeit, in der ich es nicht muss, mit dem Wunsch, in mein Bett zu krabbeln wo ich dann wieder mal nicht schlafen kann.

Ich weiß nicht, was ich ändern kann. Ich kontrolliere immer noch mein Essen und esse viel zu wenig. Ich will so wenig wie möglich auffallen und keine Hilfe, arbeite auf einem viel zu hohen Stresslevel vor mich hin und hoffe, dass mein Körper nicht irgendwann aufgibt. Ich zähle die Tage bis zum Urlaub und denke, dass dann alles besser wird.
Ich ignoriere alle Warnungen meines Körpers und hoffe nicht, dass ich bald zusammenbreche.

Ich würde so gerne die Verantwortung für mein Leben abgeben. Soll es doch jemand anderes in die Hand nehmen und es wieder in Ordnung bringen, ich hätte es gerne erst zurück, wenn es aufgeräumt, sortiert und wieder hübsch bunt ist. Und dann kommt der erwachsene Teil von mir um die Ecke und schimpft mich aus, wie ich nur so denken kann – die Verantwortung kann mir gar niemand abnehmen, und außerdem muss ich mich nur mal ein bisschen anstrengen, dann kann es selbst wieder in Ordnung bringen.

Bitte. Ich will, dass es aufhört.

61 – Handlungs(un)fähig?

Ich. Will. Mitleid.

Ein gewisser Teil von mir (Schwarz?) zumindest. Ich würde das nie offen zugeben, niemandem gegenüber. Aber dieser Teil von mir sehnt sich regelrecht danach, nicht nur Mitgefühl, sondern Mitleid zu erregen. Als krank, schwach, vom Schicksal gef*ckt und hilflos angesehen und in den Arm genommen zu werden – gerettet zu werden.
Nichts könnte sich armseliger anhören. Nichts klingt schöner, für diesen Anteil.

Ich versuche seit Tagen, dieses Gefühl, diese Gedanken zu analysieren. Die einzig annehmbare Erklärung scheint zu sein, dass Schwarz es sich um so mehr wünscht, je weniger ich selbst Mitleid mit mir habe, oder auch Mitgefühl.

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58 – Zu viel

So viele Gedanken in meinem Kopf, die ich gerne aufschreiben würde, und dann setze ich mich hin, und alles ist weg. Leergefegt.

Ich fühle mich zerrissen. Ein Hoch auf meine EgoStates, die sich gerade nicht besonders viel austauschen, sondern einfach denken, machen und mich durcheinander bringen.
Und ich kann es nichtmal in Worte fassen. Zig Sätze habe ich geschrieben und anschließend wieder gelöscht, weil ich nicht dort hin komme, wo ich hin will.

Das ganze Wochenende (inklusive meinem ausnahmsweise freien Freitag) habe ich bis gerade mit Ablenkungen verbracht. Schöne Sachen gemacht, aber auch Notwendige. Für den Nachmittag habe ich rumgammeln auf dem Plan gehabt, und weiß gerade nicht, ob es so eine gute Idee ist. Weil ich das Gefühl habe, nicht denken zu können, und doch tausend Sachen in meinem Kopf vorgehen, die ich nicht sortiert bekomme.
Ein seltsamer, aber nicht unbekannter Zustand. Und kein guter, weil er mich runterzieht.