Ich habe das Gefühl, meine Depression hat sich abgekapselt. Jetzt könnte man meinen, dass das doch super ist, weil sie mich dann nicht so stört. Aber das Gegenteil ist der Fall. Denn wenn Schwarz sich einrollt und in einer Ecke verkriecht, geht sie nicht mit zur Therapie. Dann sitzt sie es aus und kommt erst wieder raus, wenn ich raus bin – aus der Klinik.
Während OrangeGelb sich fragen, ob ich hier genug tue, genug leiste, um die Zeit hier zu nutzen, sagt Schwarz einfach nichts.
Nur am Abend schlurft sie kurz durchs Bild und erinnert mich daran, dass sie auch noch da wäre, aber tagsüber halt nicht rauskommt, weil die sonnenfarbenen Schwestern den Tag schon schaukeln und Jemand zur Therapie geht. Sie würde gerne einen Hinweis auf mir hinterlassen, aber ich lasse sie nicht, weil ich doch Schwimmen gehen will jeden Tag. Dann wäre ich gerne betrunken, sagt sie, aber auch das geht nicht, weil Alkoholverbot. Also legt sie sich mit mir schlafen, und rollt sich in der Nacht wieder wie eine Katze in der hintersten Ecke meines Kopfes zusammen.
Bis morgenabend, flüstert sie.
Schlagwort: Alkohol
Abstrakt
Das ganze Klinik-Gedöns war lange so wunderbar abstrakt, ein Konstrukt in meinem Kopf, dass mich funktional hielt. Und dann kam der Anruf, dass es doch schon eher losgeht. Konkret: nächste Woche.
Oh. Mein. Gott.
Ich stelle mich bloß an, die schmeißen mich noch am selben Tag wieder raus, und ich muss in der Arbeit erklären, warum ich so ein riesen Fass aufmache zwecks meiner Vertretung, nur um Tags drauf wieder auf der Matte zu stehen und verlegen zu lächeln. Und außerdem nehme ich jemand anderem den Platz weg, wer ihn wirklich braucht.
Und selbst wenn ich länger dort bleibe, erwarten die meisten Leute, dass ich geheilt zurück komme.
Ich will mich schneiden. Ich will mich betrinken.
Prothese
Auf dem Gartenstuhl vor mir liegt die Post, und darauf ein sehr haariges Fliegenbein. Die zugehörige Fliege dazu fehlt. Meine frisch rasierten Beine liegen ebenfalls auf diesem Stuhl, aber ich bin noch an ihnen dran.
Mir ist nach Alkohol, heute. Ich versuche zu verstehen, warum das so ist, aber ich zerschelle an den Möglichkeiten und deren fehlender offensichtlicher Relevanz, so dass nur das Verlangen zurückbleibt, eine Schicht Rausch zwischen mich und die Welt und meine Gedanken zu legen.
Ein bisschen bin ich wie dieses einsame Bein, denke ich. Weit entfernt vom Rest meines Seins.
Finsternis
Unter einem roten Mond will ich rote Streifen und Tropfen auf meiner Haut, roten süßen Schmerz. Der Alkohol macht mich leicht und schwer und sehnend.
Partiell.
2 von 3

Es ist vielleicht ironisch, vielleicht auch nur interessant, dass der Gedanke an die Klinik derzeit den gleichen Stellenwert in meinem Kopf einnimmt, wie vorher die Katastrophe. Das Loch, welches das Ende derselben hinterlassen hat, füllt nun der Klinikgedanke und lässt mich – einigermaßen – funktionieren. Und ich habe wirklich Angst davor, wenn es dann soweit ist, und auch der Gedanke nicht mehr da ist. Wenigstens ist dann da ein Netz, was mich hoffentlich auffängt.
Dieser Tage beinhaltet die Vorstellung eines erstrebenswerten Abends vorallem Alkohol und Rasierklingen. Wenn mich erst das Loch wieder zu verschlingen droht, will ich nicht wissen, wie es dann um meine Selbstbeherrschung bestellt ist.
Seit heute habe ich erst einmal Urlaub, auch wenn mich der Gedanke an die viele freie Zeit überfordert. Aber die paar tausend Dinge, die ich vorhabe, tun das genauso.
Vielleicht schaffe ich ja, was ich mir seit der Klinikzusage vorgenommen habe: ein paar wichtige Dinge aufschreiben, die ich ansprechen muss um mich dann doch nicht zu trauen.
Nie genug
°Triggerwahrnung°
Meine Mama schreibt.
Hast du schon was von der Klinik gehört?
Nein.
Aber deinen Chef kannst du doch am Montag dann trotzdem vorbereiten, dass das kommt.
Das mag ich erst machen, wenn ich was genaues weiß. Nicht dass die sagen, ich passe nicht ins Konzept, bin nicht krank genug oder hab die falsche Nase…
Ja stimmt.
Und sie wechselt das Thema.
Ich weiß nicht, warum ich es immer wieder versuche. Bestätigung von ihr zu bekommen, dass sie mich versteht, mich ernstnimmt. Mich aufbaut, mir Mut macht und relativiert, was ich schreibe. Schwarz stürzt sich natürlich darauf. Ich bin nicht krank genug!
Seit sie mir das schrieb, will ich mich betrinken und schneiden. Tief. Und ihr Bilder davon schicken und sie anschreien, ob es jetzt vielleicht ausreicht? Ob ich jetzt krank genug bin? Rot hat sich mit Schwarz zusammengetan und beide überfluten mich mit unendlich viel Wut, die nirgends hin kann. In meinem Kopf schmeiße ich sämtliches Geschirr an die Wand und brüllte, bis ich heiser bin. Kopfweh und Schwindel melden sich.
Ich antworte. Auf den Themenwechsel.