Trip

Es beginnt damit, dass mein Kreislauf spinnt. Wir frühstücken draußen, knippsen Krokusse, und bei jedem Aufstehen wird mir schwindlig und meine Lippen beginnen zu prickeln.
Ich gehe irgendwann rein, setze mich aufs Sofa. Meine Hände sind ganz weiß und mein Gesicht wahrscheinlich noch mehr, so wie ich mich fühle.
Ich will eine Doku am Laptop gucken, aber ich kann dem Verlauf nicht folgen. Mein Mund wird trocken. Ein Verdacht formt sich.
Schatz kommt dazu, ich kann ihm garnicht richtig sagen, wie ich mich fühle. Wir schauen fern, aber die Unterhaltungssendung ist für meine geistige Verfassung viel zu anspruchsvoll. Ich muss weinen, weil ich eine Riesenangst davor habe, verrückt zu werden. Schatz hält und beruhigt mich, ich mache die Augen zu. Mir ist so schwindlig, dass die Welt einen fühlbaren Ruck zu machen scheint, wenn ich die Augen wieder öffne. Schatz hat mich im Arm und ich beruhige meine immer ich steigende Angst damit, dass er schon auf mich aufpassen wird. Immer wieder mal fällt mir ein, dass ich aufs Klo müsste, glaube aber nicht, dass ich laufen könnte und habe die Sorge, ich könnte es vergessen und mir in die Hose machen.
Irgendwann wird es etwas besser. Langsam, die Angst kommt immer noch in heftigen Wellen, die aber auch irgendwann weniger werden.
Als ich ins Bett gehe, bin ich totmüde, und fühle mich immer noch benebelt. Ich schlafe unruhig, träume verwirrende Zeug.
Als der Wecker geht, versuche ich herauszufinden, ob es mir besser geht. Ich einige mich nach einer kleinen Bestandsaufnahme auf Ja, aber auch, dass ich heute nicht arbeiten gehen kann oder will, weswegen sich das heutige nicht-fühlen immerhin mit Schuldgefühlen abwechselt. Wobei letzteres abnimmt, je mehr ich merke, wie sehr mein Kopf heute noch die Arbeit verweigert.

Zwei Dinge sind möglich. Der Keks war ein Haschkeks mit Überdosis und ich hatte etwas, das sehr nahe an einen Horrortrip heran kommt, oder – und das wäre die sehr viel beunruhigende Variante – dass mein Kopf die Symptome nur simuliert und die irgendwann mal gelesenen, nie selbst erlebten Zustände dazu auserwählt hat, weil es zum Kontext passte.
Was es auch war, es lässt ein ungutes Gefühl zurück. Ein was wäre, wenn, weil es mich ein Stück weit an meinen damals eindeutig psychischen Zusammenbruch von 2013 erinnert – so anders war das damals nicht, nur weniger heftig.

VeRrÜcKt oder nicht, ist die Frage des Tages.

Dunkelschwarz

Ich will wegrennen. Loslassen.
Ich bin mir sicher, würde ich loslassen, meine Selbstkontrolle nur eine Sekunde aus den Augen lassen, würde ich in der Psychiatrie enden. Und es klingt so verlockend. Die Verantwortung abgeben, mich um nichts kümmern müssen. Durchdrehen, wann immer ich will.
Wegrennen klingt ebenfalls gut. Ein paar Sachen packen und untertauchen. Zur Ruhe kommen. Einen Weg finden, mit der Unsicherheit des laufenden Verfahrens – der Katastrophe – zu leben.
Aber ich habe Verpflichtungen. Persönliche. Berufliche. Finanzielle. Vorallem finanzielle. Da kann ich nicht einfach abhauen, es würde alles nur noch schlimmer machen.
Falls das geht.

Das ist alles so … absurd. Falsch. Unfair. Wie ich dabei nicht zusammenbrechen soll, ist mir ein Rätsel. Kann man so etwas überhaupt aushalten? Ohne zu schreien, zu heulen, wegzurennen, sich zu verletzen oder zu beschließen, dass es genug war?

Ich will das alles nicht. Aber jedes Mal, wenn ich aufwache, muss ich feststellen, dass der Albtraum keiner war, sondern sich Leben nennt.

Cut!

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Eineinhalb Jahre tiefenpsychologisch fundierte und eineinhalb Jahre Verhaltenstherapie, und ich habe Nichts, was ich dem Film, der seit Tagen jeden Abend in meinem Kopf abläuft, entgegensetzen könnte. Spielzeit: noch mindestens 3 1/2 Wochen, bis es dann wirklich soweit ist.

Ich kann nicht (ein-)schlafen, habe Alpträume. Und auch, wenn die inhaltlich rein garnichts mit der eigentlichen Situation zu tun haben, sondern einfach absurd sind, strengen sie an. Ich wache immer wieder auf, und immer wieder läuft der Film.

Ich versuche, ihn zu stoppen. Bewusst an etwas anderes oder an nichts zu denken. Aber sobald meine Aufmerksamkeit nachlässt, ist der Film wieder da. Voller hypothetischer Gefühle und potentieller, teils unrealistischer Abläufe, weil alles in dem Film nicht passiert ist, sondern erst noch passieren wird.
Ich weiß, dass es nichts bringt, mir 1000 Szenarien auszumalen, weil sowieso Nummer 1001 eintritt. Ich weiß, dass ich keinen Einfluss habe, auch wenn ich mir alles ausmale. Meinen Film interessiert das nicht im geringsten.

Dreieinhalb Wochen. Dreieinhalb Wochen noch weiter ansteigender Druck, noch weniger Schlaf, noch mehr Stress. Bitte bitte bitte lass es dann vorbei sein. Ich weiß nicht, wie ich, oder wie wir beide, das noch weiter aushalten sollen.