Vertigo

Schwindel wird allgemein definiert als wahrgenommene Scheinbewegung zwischen sich und der Umwelt.

Wie gehts dir? ist eine ernstgemeinte Frage, die Schatz jeden Tag stellt. Letzte Woche antwortete ich mit unverbindlichem Schulterzucken und dachte “so schlecht, wie schon lang nicht mehr“. Diese Woche antworte ich mit einem unverbindlichen Schulterzucken und sage “ich weiß es nicht“.

Weil ich es wirklich nicht weiß. Ich habe keine Ahnung. Nicht gut. Nicht schlecht. Nichtmal ok. Ich atme. Ich funktioniere. Reicht das?

„ … “

Ich versuche, zu verstehen, warum ich es niemandem sagen kann. Fünf einfache Worte. Es geht mir nicht gut. Nicht Mama. Nicht Schatz.
Nicht reden, weil es ja stimmen könnte. Erst recht nicht reden, weil es ja Einbildung sein könnte.
Lauter einzelne Gedanken, die durch meinen Kopf hüpfen und sich nicht aufschreiben lassen wollen. Funktionieren. Weitermachen. Abwarten und hoffen, dass es in 1 1/2 Wochen anders wird, besser vielleicht. Dass sich dann all meine Probleme in Luft auflösen.

Es ist leichter, mich schlecht zu fühlen…

…und es nervt mich. Warum muss es Arbeit sein, mich ok oder gar gut zu fühlen? Bei anderen geht das doch auch einfach so?

Ich weiß, dass es nicht immer so war und nicht immer so bleiben wird. Und dass ich mich nicht mit anderen vergleichen sollte. Aber jetzt gerade (und schon seit viel zu langer Zeit) ist es so, und es kotzt mich an. Weil es so leicht ist, mich wahlweise schlecht oder nichts zu fühlen, und es so sehr anstrengt, jeden Tag aufs Neue dagegen anzugehen. Und wenn ich es nicht tue, denke ich daran, dass es nur hätte versuchen müssen, statt in Selbstmitleid und einer Diagnose zu versinken.

Leck mich, Welt.

Gegen die Wand

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Auf der Suche nach den Spuren, die mein Ich in der Zeit hinterlässt. Ich trinke koffeinfreien Kaffee, um meinen Plan, mich an meinem sturmfreien Tag nicht mit Medis und Alkohol zumindest zeitweise aus der Zeit herauszulösen, nicht umzusetzen. Musik, in der sich mein Geist verliert, um nicht an den Gedanken zu ertrinken. Laut.

Ich frage mich, welche dieser Gedanken wirklich zu mir gehören, welche ich nur gerne hätte und welche einem EgoState entspringen, auf den ich nicht zugreifen kann. Ich verstehe die Wirren nicht, die sich gerade entwirren und ihren Weg aufs „Papier“ finden. Ungefilterte Worte, die sich erst formen, wenn sie zu geschriebenen Buchstaben werden.

Der letzte sturmfreie Tag ist eine Ewigkeit her. Für heute hatte ich Pläne. Aufräumen, staubsaugen, Bad putzen, Sport machen, duschen, mich betrinken. In der Reihenfolge. Alles erledigt, bis auf den letzten Punkt, gegen den sich nun erstaunlicherweise doch ein Teil von mir sträubt.

Ich frage mich, was ich fühle, und weiß es nicht. Ich frage mich, wo ich stehe, und weiß es nicht. Ich frage mich, wer ich bin, und weiß es nicht. Ich frage mich, und bekomme keine Antwort. Weißes Rauschen.

Die, die nicht tut, was die denkt. Die, die nicht denkt, was sie tut. Die, die nicht fühlt. Die, die nicht lebt. Die, die auf bessere Zeiten hofft. Die, die aufgeben will. Die, die zu viel hier hält. Die, die Hoffnung hat. Die, die die Hoffnung aufgeben will.
Die, die ihre Therapeutin in den letzten, wenigen Sitzungen, die ihr noch bleiben, nichts darüber erzählt, dass sie sich weigert, die Kontrolle über ihr Essen aufzugeben, und sich gerne jeden Abend betrinken möchte. Die, die wieder aufhört, mit Schatz zu reden. Die, die den Weg mit Hurra und in vollem Bewußtsein zurück sprintet. Gegen die Wand.

Selbstmitleid

Ich starre den blinkenden Cursor an. Mein Kopf ist voller Gedanken. Leerer Gedanken. Tausend angefangene Sätze, die im Nichts enden. Gedanken, die sich auflösen.
Konzentration ist mal wieder ein Fremdwort dieser Tage. Die vorvorletzte Therapiestunde steht kommende Woche an, und ich fühle mich, als wäre ich den ganzen Weg, den ich seit Beginn vor 1 1/2 Jahren gegangen bin, in den letzten Wochen im Sprint zurückgerannt. Stehe am Anfang und am Ende, und will einfach nicht mehr hingehen, weil ich keinen Abschied und kein Alles Gute hören will.
Genau genommen will ich nur im Bett oder auf der Couch liegen, mich unter einer Decke verkriechen, mich selbst bemitleiden und genau dafür hassen. Ich fühle mich derart erledigt, dass ich aufgeben möchte.
Ich weiß, dass mir Selbstmitleid nicht hilft. Aber für alles andere fehlt mir die Energie.